Nachrichten 09.03.2021

COVID-19 im Profisport: Kardiales Screening ermöglicht sichere Trainingsrückkehr

Bei Leistungssportlern mit positivem Corona-Test wird vor der Trainingsrückkehr eine kardiale Diagnostik empfohlen, um eine Herzbeteiligung auszuschließen. Diese Strategie scheint sich zu bewähren, wie erste Daten aus US-Profiligen zeigen.

Immer mehr Profisportler in Deutschland infizieren sich mit SARS-CoV-2. Meist verläuft die Infektion bei Leistungssportlern milde. Doch es besteht die Sorge, dass die Infektion womöglich unbemerkte Spätfolgen haben könnte. Und wenn beispielsweise bei einer akuten Myokarditis wieder trainiert wird, könnte das schwerwiegende Folgen haben.

Deshalb haben Experten schon früh erste Empfehlungen zum „Return-to-Play“ bei Leistungssportlern mit positiven SARS-CoV-2-Nachweis ausgesprochen. Die Diagnostik sollte sich nach den Beschwerden und Hinweisen in der Basisdiagnostik richten (ausführlichere Infos dazu lesen Sie hier).

Nur wenige Myokarditis-Fälle in US-Profiligen

Neueste Daten aus US-amerikanischen Profiligen im Fußball, Baseball, Hockey, Football und Basketball legen nun nahe, dass diese Screening-Strategie tatsächlich eine sichere Trainingsrückkehr gewährleisten kann. Insgesamt 789 Profisportler wurden im Rahmen der Studie im Anschluss an einen positiven Corona-Test untersucht; bei knapp 60% ist die Infektion symptomatisch verlaufen, die restlichen hatten keine oder nur minimale Beschwerden gehabt. Fast alle Beteiligten waren Männer (98,5%).

Zur Basisdiagnostik gehörte ein Troponintest, ein EKG und ein Ruhe-Echo. Im Falle eines auffälligen Befundes wurden weitere Untersuchungen wie ein MRT und/oder Stress-Echo vorgenommen, das war bei 3,8% aller Athleten vonnöten.

Am Ende wurden fünf Sportler (0,6%) mit Anzeichen einer inflammatorischen Herzbeteiligung ausfindig gemacht: Βei dreien fanden sich im MRT Hinweise für eine Myokarditis, bei zweien für eine Perikarditis. Diese Athleten wurden zunächst vom Wettkampfsport ausgeschlossen. Alle anderen konnten ohne weitere Komplikationen zum Profisport zurückkehren. Kardiale Ereignisse traten in der Folge keine auf.

Neueste Daten stehen im Widerspruch zu früheren Befunden

Eine potenzielle Herzbeteiligung sei bei COVID-19-positiven Leistungssportlern somit selten gewesen, ordnen die Studienautoren um Dr. Matthew Martinez die Befunde ein. Diese Daten stünden damit im Widerspruch zu vormals publizierten Ergebnissen kleinerer Kohorten, bei denen die Myokarditis-Rate bei Athleten nach einer COVID-19-Erkrankung deutlich höher gewesen sei, machen die in New York tätigen Sportkardiologen aufmerksam. In einer Studie mit 26 Collegestudenten etwa wiesen 15% nach der Infektion entsprechende Auffälligkeiten im MRT auf. In einer im Januar publizierten Fallserie lag die Myokarditis-Prävalenz mit 1,4% allerdings ebenfalls deutlich niedriger.

MRT eignet sich nicht als Standalone-Diagnostik

Martinez und Kollegen führen die Unterschiede in den Studien auf die jeweils verwendete Screening-Strategie zurück. In den früheren Untersuchungen wurde das MRT nämlich als Standalone-Diagnostik angewendet, es wurde also bei allen Sportlern vorgenommen, was ein Risiko für falsch-positive Ergebnisse birgt. In der aktuellen Studie wurde die Bildgebungsmethode dagegen nur bei entsprechenden Hinweisen für eine Herzbeteiligung eingesetzt, also als Downstream-Test.

Ohne entsprechenden Verdacht, also bei einer niedrigen Vortestwahrscheinlichkeit, halten die US-Kardiologen den Einsatz eines MRTs deshalb nicht für sinnvoll. Stattdessen empfehlen sie, die einzelnen Diagnostikschritte primär an der Beschwerdelast der Sportler auszurichten.

Asymptomatische Sportler überhaupt untersuchen?

Bei asymptomatischen Sportlern könnte es ihrer Ansicht nach sogar vertretbar sein, gar keine kardiovaskuläre Risikostratifizierung vorzunehmen. Da in der Studie alle fünf Sportler, bei denen eine inflammatorische Herzbeteiligung nachgewiesen wurde, vorab mehr als nur milde Beschwerden gehabt hätten, argumentieren sie.

Das sehen nicht alle Experten so. So sprach sich der Münchner Sportkardiologe Prof. Martin Halle auf eine frühere Nachfrage von kardiologie.org dafür aus, bei allen Leistungssportlern nach einem positiven Corona-Test eine kardiale Basisdiagnostik vorzunehmen. Dazu gehören seiner Ansicht nach ein EKG und eine Blutuntersuchung auf kardiale Biomarker ebenso wie eine Echokardiografie und Belastungs-EKG (das vollständige Statement lesen Sie hier).

Literatur

Martinez MW et al. Prevalence of Inflammatory Heart Disease Among Professional Athletes With Prior COVID-19 Infection Who Received Systematic Return-to-Play Cardiac Screening. JAMA Cardiol. 2021. DOI:10.1001/jamacardio.2021.0565

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