Nachrichten 15.04.2020

Offene Fragen zu COVID-19 & Herzmedizin – neue Register sollen Klarheit bringen

Die COVID-19-Pandemie betrifft die Herz-Kreislauf-Medizin in vielerlei Hinsicht. Gesicherte Erkenntnisse gibt es bisher allerdings nur wenige. Zwei neu gegründete Register, LEOSS und CAPACITY-COVID, möchten den vielen offenen Fragen auf den Grund gehen.

Bisher ist die Evidenz zum Management und der Prognose von kardiovaskulär vorerkrankten Patienten mit COVID-19 dürftig. Dasselbe gilt für Patienten, die im Infektionsverlauf Myokarditiden oder andere kardiale Komplikationen entwickeln. Im Verlauf der Pandemie gewinnen Ärzte in ganz Europa immer neue Erkenntnisse zu all diesen offenen Fragen.

Register sollen Erkenntnisse bündeln

Um diese Daten zu bündeln und zu standardisieren, wurden entsprechende Register ins Leben gerufen: zum einen das maßgeblich von den Deutschen Gesundheitszentren DZIF, DZL und DZHK initiierte Register LEOSS (https://leoss.net/) und des Weiteren das u.a. von der niederländischen Kardiologie-Gesellschaft ins Leben gerufene Register CAPACITY-COVID (https://capacity-covid.eu/).

In Kürze sei das primäre Ziel des CAPACITY-COVID-Registers, mit den gesammelten Daten ein Prognosemodell für COVID-19-Patienten zu entwickeln, erläutern die Mitinitiatoren Marijke Linschoten und Prof. Folkert Asselbergs vom Universitätsklinikum in Utrecht ihr Vorhaben.  

LEOSS sammelt Daten aus ganz Europa

Auch das Ziel des LEOSS-Registers ist es, Daten zu COVID-19-Patienten aus ganz Europa zu sammeln und auszuwerten. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologe (DGK) ruft die Ärzte in einer Pressemitteilung dazu auf, Daten ihrer von COVID-19 betroffenen Patienten in dem Register zu dokumentieren: „Eine vielfache Teilnahme an diesem Register ermöglicht uns in kürzester Zeit, einen umfassenden Überblick über zahlreiche kardiologische Aspekte der Pandemie zu gewinnen und europaweit zu vergleichen." 

Die Aufnahme von Patienten in das LEOSS-Register wird den Ärzten so einfach wie möglich gemacht: Für LEOSS sei keine individuelle Aufklärung der Patienten erforderlich ist, heißt es in der Pressemitteilung, sodass die Teilnahme mit der an anderen Registerstudie nicht interferiere.

CAPACITY-COVID mit detaillierter Datenerhebung

Grundlage des CAPACITY-COVID-Registers bildet der Fall-Erhebungsbogen, der von dem „International Severe Acute Respiratory and Emerging Infection Consortium“ (ISARIC) und der „World Health Organization“ (WHO) als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie veröffentlicht worden ist. Die Datenerhebung wurde um spezifische kardiovaskuläre Informationen erweitert, dazu gehören Daten zur kardiovaskulären Medikation und nicht-steroidalen Entzündungshemmern (NSAID), zu kardialen Biomarkern, EKG-, MRT, CT- und Echokardiografie-Befunde sowie zu invasiven kardialen Interventionen und kardialen Komplikationen. Ebenso wird das kardiale Outcome zwischen Tag 7 und Tag 30 des Klinikaufenthaltes abgefragt.

Alle Patienten mit starkem Verdacht auf COVID-19 oder mit einem bestätigten Virusnachweis kommen für die jeweiligen Register-Teilnahmen infrage.

Literatur

Linschoten And M, Asselbergs FW. CAPACITY-COVID: a European registry to determine the role of cardiovascular disease in the COVID-19 pandemic; Eur Heart J. 2020 Apr 8. pii: ehaa280. doi: 10.1093/eurheartj/ehaa280.

Pressemitteilung der DGK: Europäisches LEOSS-Register zu SARS-CoV-2-Infektionen eingerichtet – Bitte um Teilnahme; veröffentlicht am 07.04.2020

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