Nachrichten 21.01.2022

COVID-19: Herz von Kindern mit MIS-C erholt sich rasch

Kinder mit einem multisystemischen Inflammationssyndrom (MIS-C) in Folge einer COVID-Erkrankung entwickeln oft akute kardiale Komplikationen. Ihr Herz erholt sich davon aber recht schnell wieder, legt eine Studie nahe – deren Ergebnisse klinische Implikationen haben könnte.

Mit kardialen Spätfolgen ist bei Kindern mit einem multisystemischen Inflammationssyndrom in Folge einer COVID-Erkrankung offenbar nicht zu rechnen. Akut entstandene Herzschäden haben sich bei allen betroffenen Kindern einer US-amerikanischen Kohortenstudie wieder zurückgebildet.

Untersuchungen über Akutphase hinaus

Kardiologen um Dr. Daisuke Matsubara vom Children’s Hospital of Philadelphia haben für ihre Studie klinikinterne Befunde von 60 Kindern und Jugendlichen in einem Alter bis 18 Jahren, die im Zuge einer COVID-Erkrankung ein MIS-C entwickelt hatten, retrospektiv ausgewertet (mehr zum Krankheitsbild MIS-C lesen Sie hier). Die Kinder und Jugendlichen sind akut, in der subakuten Phase (1 Woche), einen Monat sowie drei bis vier Monate später mittels eines EKGs, einer gewöhnlichen Echokardiografie, einer Speckle-Tracking-Echokardiografie und einem Kardio-MRT untersucht worden. Die Ergebnisse verglichen die US-Kardiologen mit entsprechenden Befunden von 60 weiteren, gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen ohne strukturelle Herzerkrankungen, die wegen anderer Gründe in ihrer Klinik untersucht worden waren, z.B. wegen einer aufgetretenen Synkope oder eines Herzgeräusches.

70% mit akuter Herzbeteiligung

Insgesamt 42 der 60 an MIS-C erkrankten Kindern (70%) wiesen in der Akutphase eine Herzbeteiligung auf, definiert als erhöhtes Troponin-I ≥ 0,09 ng/ml (> 3 × des Normalwertes) und/oder einen BNP-Anstieg > 800 pg/ml. Bei den allermeisten normalisierten sich die Biomarker bereits während des Krankenhausaufenthaltes. Auch die linksventrikuläre Pumpfunktion (LVEF) der Patienten verbesserte sich schon in der subakuten Phase von im Mittel 55% auf 61% nach einer Woche, nach drei Monaten lag sie bei den Kindern mit zurückliegendem MIS-C bei 64% und war damit ähnlich hoch wie die LVEF der Kindern aus der Kontrollgruppe (65%).

Diastolische Dysfunktion normalisiert sich rasch

Eine weitere gute Nachricht: Deformationsparameter, die eine diastolische Dysfunktion besonders sensitiv abbilden, wie der Global Longitudinal Strain (GLS), der globale zirkumferentielle Strain (GCS), der linksatriale Strain (LAS), die longitudinale frühdiastolische Strainrate (EDSR) oder der „right ventricular free wall longitudinal strain“ (RVFWS) normalisierten sich ebenfalls bereits in der subakuten Phase der Erkrankung. Spätestens nach drei bis vier Monaten lagen all diese Werte im Normbereich. Besonders schnell erholten sich der GLS und LAS, im Schnitt dauerte dies sechs Tage. Länger als eine Woche brauchte es beim EDSR. Nach dem 3-Monats-Follow-up war einzig der GLS bei den Kindern, die an einem MIS-C erkrankt waren, signifikant schlechter als in der Kontrollgruppe. Dieser Unterschied ist laut der Autoren aus klinischer Sicht aber vernachlässigbar, weil er zum einen klein gewesen sei, zum anderen die Werte trotzdem innerhalb der publizierten Normbereiche gelegen hätten.

Eine Kardio-MRT wurde bei 15 Kindern und Jugendlichen mit MIS-C vorgenommen, bei 5 bereits in der subakuten Phase, bei insgesamt 9 im weiteren Follow-up. Eines der Kinder wurde wegen eines dabei zufällig entdeckten Herzfehlers aus der Analyse ausgeschlossen. Bei zwei Patienten ließ sich in der subakuten Phase ein Myokardödem nachweisen (1 fokal, 1 global), beide wiesen zudem eine diskrete und diffuse Fibrose auf, obwohl ihre systolische LV-Funktion, gemessen am Strain, im konventionellen Echo und auch in der MRT normal war. Bei beiden Kindern verschwanden die Myokarditisanzeichen im Verlauf wieder. Bei einem einzigen Patienten ließ sich während des Follow-up ein residuales Ödem im MRT nachweisen, eine Fibrose war nicht vorhanden.

Keine bleibenden Koronaraneurysma 

Darüber hinaus konnte bei vier MIS-C-Patienten ein geringfügig ausgeprägtes Koronaraneurysma bei Klinikaufnahme festgestellt werden, das sich bei allen im weiteren Verlauf wieder zurückbildete. Die meisten MIS-C-Kinder, u.a. auch diese vier, hatten Immunglobuline i.v. bekommen.

„Unsere Kurzzeitstudie deutet an, dass bei Kindern mit einem multisystemischen Inflammationssyndrom die funktionelle Erholung und die koronaren Befunde gut sind“, resümieren Matsubara und Kollegen. Erfreulich ist ihrer Ansicht nach der Umstand, dass die Kinder offenbar keine persistierenden subklinischen Schäden entwickelt haben, da sich die Deformationsparameter alle während des Follow-up normalisiert haben. Die Prognose eines COVID-bedingten MIS-C scheint damit eher besser zu sein, als man das von anderen Herzinsuffizienz-Ursachen bei Kindern kennt. So erholt sich das Herz im Falle eines Kawasaki-Syndroms, ein dem MIS-C ähnlichem Krankheitsbild, Studien zufolge deutlich langsamer. Ähnliches gilt für Kinder, die an einer Virusmyokarditis (andere Viren als SARS-CoV-2) erkrankt sind, deren diastolische Dysfunktion über ein Jahr persistieren kann.

Implikationen für die Return to Sport-Empfehlungen

Laut der Studienautoren können die Erkenntnisse aus ihrer Studie durchaus klinische Implikationen haben, gerade was die „Return to Sports“-Empfehlungen betrifft. Bisherige Empfehlungen zum Management von MIS-C-Patienten seien konsensusbasiert, erläutern sie. Orientiert wird sich an den Empfehlungen, die für Myokarditis-Patienten gelten, bedeutet nach der Diagnosestellung sollte eine mind. dreimonatige Sportpause eingehalten werden. Laut Matsubara und Kollegen unterstützen ihre Daten ein solches Vorgehen. Es sei davon auszugehen, dass eine solche Empfehlung wahrscheinlich als konservativ anzusehen und sicher sei, betonen sie.

Literatur

Matsubara et al. Longitudinal Assessment of Cardiac Outcomes of Multisystem Inflammatory Syndrome in Children Associated With COVID‐19 Infections. J Am Heart Assoc. 2022;10:e023251. DOI: 10.1161/JAHA.121.023251

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