Nachrichten 14.08.2020

Statine könnten gegen schwere COVID-19-Verläufe helfen

Statine als Therapieansatz bei COVID-19-Patienten sind schon länger im Gespräch. Nun deutet eine Metaanalyse an, dass die Cholesterinsenker tatsächlich effektiv sein könnten.

Es ist zumindest ein positives Zeichen: Eine aktuelle Metaanalyse spricht Statinen bei COVID-19-Patienten einen gewissen Nutzen zu.

Demzufolge geht eine Therapie mit den Cholesterinsenkern mit einem um 30% geringerem Risiko für schwere oder tödliche Erkrankungsverläufe einher (Hazard Ratio, HR: 0,70; 95%-KI: 0,53–0,94).

Insgesamt konnten die beiden Autoren der Analyse vier Studien mit insgesamt 8.990 COVID-19-Patienten ausfindig machen, in denen der Zusammenhang einer Statintherapie mit dem Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion untersucht worden war.

4 Studien mit 8.990 Patienten

Bei drei Studien handele es sich um groß angelegte Studien, in denen umfangreich auf multiple potenzielle Störfaktoren adjustiert worden sei, informieren Chia Siang Kow und Sey Shahzad Hasan über die Qualität der Studien. Alle Studien waren allerdings retrospektiv.  

Die bisher verfügbare Evidenz spreche somit dafür, dass eine Statintherapie von moderater bis hoher Intensität bei COVID-19-Patienten effektiv sein könnte, resümieren die beiden in Malaysia und Großbritannien tätigen Wissenschaftler im „The American Journal of Cardiology“.

Statine wirken antiinflammatorisch

Aufgrund ihrer diversen pleiotropen Effekte haben sich Statine schon länger als potenzielle Therapiestrategie bei COVID-19-Patienten ins Gespräch gebracht. So wird den Medikamenten u.a. eine antiinflammatorische, gefäßprotektive und plaquestabilisierende Wirkung zugesprochen – Effekte also, die bei COVID-19 theoretisch nützlich wären, weil die Patienten häufig eine generalisierte Entzündungsreaktion entwickeln.

Aber es gibt auch kritische Stimmen

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die vor den potenziell schädlichen Effekten einer Statintherapie warnen. Wie Kow und Hasan ausführen, existiert beispielsweise die Theorie, dass Statine den Viruseintritt erleichtern könnten, indem sie über eine Hochregulierung von LDL-C-Rezeptoren den Einbau von exogenem Cholesterin in die Zellmembran und in der Folge die Bildung sog. Lipid Rafts fördern. Dieser Verdacht werde durch die bisher vorläufigen Daten nicht bestätigt, so die Autoren.

Vielmehr ist über die Qualität der Studien in diesem Bericht allerdings nicht zu erfahren. Und auch in diesem Falle ist klar: Der endgültige Beweis einer Wirksamkeit kann nur durch randomisierte Studien erbracht werden.

Literatur

Kow CS, Hasan SS. Meta-analysis of Effectiveness of Statins in Patients with Severe COVID-19. The American Journal of Cardiology 2020, DOI: https://doi.org/10.1016/j.amjcard.2020.08.004

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Bildnachweise
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Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
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