Nachrichten 14.08.2020

Was COVID-19 mit kardialen Arrhythmien zu tun hat

Schwere COVID-19-Infektionen gehen auch mit einer Zunahme von Herzrhythmusstörungen einher. Letztere sind aber wohl zumeist nicht auf direkte Effekte des Virus zurückzuführen, konstatierten US-Experten in einem neuen Review.

In aktuellen Fallberichten und -serien ist im Zusammenhang mit COVID-19-Infektionen wiederholt über ein vermehrtes Auftreten von Herzrhythmusstörungen speziell bei schwer erkrankten und intensivmedizinisch behandelten Patienten berichtet worden. Noch steht man angesichts limitierter Daten erst am Anfang der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses Themas.

Eine Gruppe von US-Experten um Dr. Parinita Dherange und Dr. Usha Tedrow von der Abteilung für klinische kardiale Elektrophysiologie am Brigham and Women’s Hospital in Boston erinnert in ihrem aktuell publizierten Review dar, dass es ähnliche Berichte schon bei früheren Coronavirus-Epidemien (SARS-CoV und MERS-CoV) gegeben hat.

Ein Spektrum unterschiedlicher Pathomechanismen

Beschrieben wurden mit Blick auf schwere COVID-19-Erkrankungen sowohl tachykarde als auch bradykarde Arrhythmie-Manifestationen. Die Variabilität der Manifestationen lasse vermuten, dass der Arrhythmogenese bei dieser Infektion sehr unterschiedliche Pathomechanismen zugrunde liegen können. Dies schließe unterschiedliche Arten der Myokardschädigung wie auch extrakardiale Mechanismen ein, so die US-Experten.. 

Durch die Virusinfektion könnten vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen infolge eines erhöhten metabolischen Bedarfs und einer reduzierten kardialen Reserve “instabil” werden. Das Risiko für ein akutes Koronarsyndrom, für Herzinsuffizienz und eben auch für kardiale Arrhythmien steige. Herzrhythmusstörungen seien nicht bloß eine Folge direkter Effekte der COVID-19-Infektion, sondern wahrscheinlich „ein Resultat der systemischen Erkrankung“, so Review-Autoren um Dherange und Tedrow.

Arrhythmien könnten primär auf eine Hypoxie infolge der direkten Schädigung des Lungengewebes durch das Coronavirus zurückzuführen sein. Auslöser könnten aber auch eine Myokarditis, eine abnormale Immunreaktion, Myokardischämien, myokardialer „Strain“ infolge pulmonaler Hypertonie und Elektrolytstörungen sein, ebenso Nebenwirkungen von Medikamenten wie QTc-Verlängerungen im Fall einer Kombinationstherapie mit Hydroxychloroquin/Chloroquin und Azithromycin.

Noch zu früh für spezifische Leitlinien

Derzeit geben es noch nicht genug klinische Studien, die als Basis für spezifische Empfehlungen zum Arrhythmie-Management bei Patienten mit gesicherter COVID-19-Infektion dienen können. Die Behandlung von Brady- oder Tachyarrhythmien bei diesen Patienten sollte deshalb nach den Regeln, die für alle Patienten mit Arrhythmien infolge Infektionen oder vorübergehenden metabolischen Störungen gelten, erfolgen, empfehlen die Review-Verfasser. Besondere Beachtung sollte dabei der Behandlung von Patienten mit erblichen Arrhrythmiesyndromen sowie dem Management von QTc-Verlängerungen im Zusammenhang mit COVID-19-Therapie zukommen.

Die Gruppe um Dherange und Tedrow verweist darauf, dass etwa die Europäische Gesellschaft für Kardiologie ESC jüngst eine „Anleitung“ (guidance) zum diagnostischen und therapeutischen Management bei kardiovaskulären Erkrankungen während der COVID-19-Pandemie veröffentlicht hat. In einem Kapitel dieses Konsensus-Dokuments wird sehr ausführlich auch auf das Thema Arrhythmien eingegangen. Eine Zusammenfassung dazu gegebener Behandlungsempfehlungen präsentieren die Autoren um Dherange und Tedrow in ihrem Review.


Literatur

Dherange P, et al.: Arrhythmias and COVID-19: A review, JACC: Clinical Electrophysiology 2020. doi: https://doi.org/10.1016/j.jacep.2020.08.002.

ESC Guidance for the Diagnosis and Management of CV Disease during the COVID-19 Pandemic. 

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