Onlineartikel 30.10.2014

Defiweste noch unzureichend untersucht

Ist eine Defibrillator-Weste prognostisch sinnvoll? Die Antwort von Prof. Hendrik Bonnemeier, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, in Kurzform: „Bis heute liegen keine Daten aus randomisierten und kontrollierten Studien bezüglich eines Überlebensvorteil vor.“

Die LifeVest ist ein tragbarer Defibrillator, der aus einer Weste, hergestellt angeblich aus hautfreundlichem Synthetikgewebe, Defi- und Monitoring-Einheit und dem „Gelöt“ — wie es im Nordeutschen genannt wird — besteht: Ersatzbatterie, Ladegerät, Ersatz-Gelkapseln, Telefonmodem und Verbindungskabel. Gedacht ist der externe Defi als Überbrückungs-Device, etwa bei Infektion des implantierten Defi-Systems oder vor einer geplanten Revisions-OP bei Elektrodendysfunktion. Die Weste könnte aber auch bei schwerer Herzinsuffizienz vor geplanter Herztransplantation, bei ausstehender Diagnose und erhöhtem Risiko für ventrikuläre Tachykardien (VT) und Kammerflimmern (VF) sowie bei transientem Risiko für VT/VF eingesetzt werden.
In den USA ist das LIFECOR-System (WCD® Wearable Cardioverter Defibrillator) zugelassen. Die FDA hat bereits 2001 ein „premarket approval“ gewährt, mit dem Hinweis, dass dieses Gerät für Erwachsene indiziert ist, denen ein plötzlicher Herztod droht und für Patienten, die keine Kandidaten für einen implantierbaren Defi sind oder diesen ablehnen. Die Zulassung erfolgte auf der Basis von gepoolten Daten aus zwei kleinen Studien (n=289) mit einem gemischten Kollektiv (Transplantationskandidaten und Patienten, denen ein ICD implantiert werden sollte).
Seither wurden vor allem Registerstudien vorgelegt, deren Aussagekraft begrenzt ist. Die Experten sind deshalb zurückhaltend. Noch am ehesten sei die „Defiweste“ gerechtfertigt in der Sekundärprävention des plötzlichen Herztodes, falls Patienten keinen ICD bekommen können. Nicht empfohlen wird die Weste aber zur routinemäßigen primären Prävention bei Patienten nach einer Revaskulierung. Dazu sei die Datendecke dann doch zu dünn.