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16.10.2017 | DGK Herztage 2017 | Nachrichten

Herzklappen-Erkrankungen

Neue ESC-Leitlinien: Katheter-Aortenklappen auch bei nicht so hohem Risiko empfohlen

Autor:
Peter Overbeck

In den neuen europäischen Leitlinien wird die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) bei schwerer Aortenklappen-Stenose mittlerweile nicht mehr nur als Option  für Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko, sondern auch schon für Patienten mit geringerem Risiko empfohlen.

Schon seit längerer Zeit besteht  die Möglichkeit, Artenklappen-Prothesen bei schwerer Aortenstenose mithilfe eines Herzkatheters  transvasal und damit schonender und wenig eingreifend  als bei einer Klappenoperation  einzusetzen.  Damit stand zunächst für Patienten, bei denen ein herzchirurgischer Eingriff als zu riskant gilt, erstmals eine  effektive Therapieoption zur Verfügung. 

„Fulminante“ Entwicklung

Inzwischen habe die TAVI-Methode in Europa und den USA eine „fulminante“ Entwicklung  durchlaufen, betonte Prof. Albrecht Elsässer  aus Oldenburg, Vorsitzender der AG Interventionelle Kardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), bei den DGK-Herztagen in Berlin. Allein in Deutschland sei zwischen 2008 und 2015 die Zahl der jährlich vorgenommen TAVI-Prozeduren von zunächst 637 auf mehr als 13.000 angestiegen – Tendenz steigend,  

Triebkraft dafür sieht Elsässer nicht zuletzt in der Tatsache, dass in dieser Zeit die wissenschaftliche Evidenz durch Daten aus großen  Studien zum Vergleich von TAVI und chirurgischem Aoretenklapperersatz wesentlich  verbessert worden ist. Allein zwischen 2012 und 2017 seien sechs randomisierte Studie mit insgesamt knapp 6.000 beteiligten Patienten veröffentlicht worden.

Option inzwischen auch bei „intermediärem“ Risiko

Studien wie PARTNER-2a und SURTAVI  belegen mittlerweile, dass TAVI-Prozeduren  auch für Patienten mit einem „intermediären“ Operationsrisiko  eine mindestens  ebenso gut  geeignete Behandlungsmethode wie die klassische Herzklappen-Operation  mit Brustkorberöffnung  und Herz-Lungen-Maschine sind. Bei Patienten mit transfemoral erfolgter TAVI konnten hier sogar Vorteile bezüglich der Überlebensrate nachgewiesen

Diese Studienergebnisse haben auch die Ende August 2017 vorgestellten neuen Leitlinien der Europäischen Kardiologiegesellschaft ESC zum Thema Herzklappen-Erkrankungen geprägt. Danach sei die TAVI bei Hochrisikopatienten und bei Betroffenen mit mittlerem Operationsrisiko die Methode der  Wahl - insbesondere dann, wenn andere und in den gebräuchlichen Risikoscores nicht berücksichtigte Risikofaktoren wie Porzellanaorta, Gebrechlichkeit (‚frailty’) oder wiederholte Bestrahlungen im Brustbereich  vorliegen, konstatierte  Elsässer. Die jeweilige Entscheidung über die im  individuell Fall am besten geeignete Methode sei vor Ort im  multidisziplinären  „Herzteam“ zu treffen

Wo noch Klärungsbedarf besteht

Nun steht die wissenschaftliche Klärung an, ob TAVI als alternative Option  auch für Patienten mit niedrigem Operationsrisiko infrage kommt.. Erste Studien wie NOTION haben diesbezüglich bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Um definitive  Empfehlungen geben zu können, bedürfe es aber noch zusätzlicher Daten, betonte Elsässer.

Klärungsbedarf besteht nach sein Ansicht auch in puncto Haltbarkeit von Katheter-Aortenklappen. Die  bisherigen, in Zeiträumen von bis zu fünf Jahren  erhobenen Studiendaten  lieferten  keine Hinweise darauf, dass die Lebensdauer von  TAVI-Klappen kürzer sei als die von herzchirurgisch eingesetzten Prothesen“, berichtete Elsässer. Langzeitdaten fehlen derzeit aber noch

Die neuen ESC-Leitlinien empfehlen, dass die Behandlungen nur von qualifizierten Teams durchgeführt werden sollen. Diese „Heart Valve-Teams“ müssen nicht nur Vitien der Aorten-, sondern auch Mitral- und auch Trikuspidal-Klappen behandeln können.

Standardisierte Abläufe

Gefordert werden auch standardisierte Abläufe in Diagnostik und Therapie, berichtete Elsässer: „Die Algorithmen zur Entscheidungsfindung müssen klar definiert sein. Im Bereich der Bildgebung wird der routinemäßige Einsatz modernster Verfahren – von der 3D-Echokardiographie über Herz-CT und -MRT bis gegebenenfalls zu nuklearmedizinischen Verfahren – gefordert.  Zudem sollten alle Daten bezüglich der Eingriffe gesammelt und hinsichtlich Mortalität und Komplikation regelmäßig bewertet werden.“

Alle Ergebnisse sollen außerdem durch Eingabe in nationale und europäische Datenbanken transparent im Sinne der Qualitätskontrolle sein.

Literatur

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