Skip to main content
main-content

13.10.2017 | DGK Herztage 2017 | Nachrichten

CASTLE-AF-Studie bringt die Wende

Vorhofflimmern bei Herzinsuffizienz: Ablationstherapie senkt das Sterberisiko

Autor:
Peter Overbeck

Die  Katheter-gestützte Ablation bei Vorhofflimmern hatte bislang den Status einer rein symptomatischen Therapie. Das hat sich geändert: Zumindest bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern bescheinigt eine neue Studie der Verödungstherapie nun auch einen – und zwar sehr beträchtlichen - prognostischen Nutzen.

Anfänglich eine alternative Behandlungsmethode für wenige Patienten,  ist die Katheterablation bei Vorhofflimmern inzwischen eine etablierte Therapie für Patienten mit belastenden Symptomen geworden. Mehrere Studien belegen, dass die Ablation sowohl hinsichtlich der Symptomatik als auch der im EKG dokumentierten Rezidivfreiheit einer medikamentösen Therapie mit Antiarrhythmika überlegen ist, berichtete PD Dr. Christopher Piorkowski  aus Dresden, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Rhythmologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), auf einer Pressekonferenz bei den DGK-Herztagen in Berlin.

In den Leitlinien ist die interventionelle Ablationstherapie,  bei der die Überleitung von das Vorhofflimmern induzierenden und unterhaltenden elektrischen Impulse auf den Vorhof durch gezielte Gewebeverödung verhindert werden soll, entsprechend aufgewertet worden.

Dramatische Reduktion der Sterberate

Dass der Nutzen der Ablation bei ausgewählten Patienten über die Verbesserung der Symptomatik hinaus geht, belegen Ergebnisse der jüngst beim  Kongress der europäischen Kardiologiegesellschaft ESC vorgestellten Studie CASTLE-AF. Danach profitierten die mit Ablation behandelten Patienten von einer erheblichen Reduktion der Sterblichkeit.

In der Studie waren  397 Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern und systolischer Herzinsuffizienz  mit  erniedrigter Auswurffraktion entweder mit Medikamenten oder einer Ablation antiarrhythmisch behandelt worden. Alle Teilnehmer trugen einen implantierbaren Defibrillator (ICD), bei den meisten  entsprach die Erkrankung funktionell einem NYHA-II-Stadium.

Über eine mittlere Beobachtungszeit von 37,8 Monaten kam es bei Patienten nach Ablation deutlich seltener zu kardiovaskulären Todesfällen und Krankenhausaufnahmen wegen Herzinsuffizienz.  Die Inzidenzrate für die Kombination beider Endpunkte war in der Gruppe mit Ablation signifikant niedriger (28.5% vs. 44.6%).

Auch die Gesamtmortalität wurde signifikant um 47% reduziert  (13,4% vs. 25%) – in den Augen von Piorkowski ein „dramatischer“ Effekt. Seine Schlussfolgerung aus der Studie:  Man sollte bei jedem Patienten mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zumindest den Versuch unternehmen, einen normalen Herzrhythmus wiederherzustellen.

Für Experten keine Überraschung

Eine große Überraschung sind die Ergebnisse für Piorkowski allerdings nicht. Schon die klinische Erfahrung ebenso wie kleinere Studien hätten immer wieder gezeigt, dass es vielen Patienten mit Herzinsuffizienz  und Vorhofflimmern nach einer Ablation deutlich besser geht und sich die Auswurffraktion deutlich verbessert. Dem pflichtete auch Professor Dietmar Bänsch  aus Güstrow bei, an dessen Zentrum sehr viele Teilnehmer in die CASTLE-AF-Studie aufgenommen worden sind.

Wie erklärt sich die starke Wirkung?

Beide Experten erklären sich den ausgeprägten prognostischen Nutzen der Ablation nicht zuletzt mit der besonderen Pathophysiologie bei Koexistenz von Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern. Es besteht nämlich  eine unselige Interdependenz im Sinne eines Circulus vitiosus: Je schwerer die Herzinsuffizienz, desto höher ist die Prävalenz von Vorhofflimmern. Die atriale Arrhythmie kann umgekehrt die kardiale Hämodynamik zusätzlich beeinträchtigen und Symptome der Herzschwäche verstärken, sie ist zudem ein  Indikator  für eine schlechtere Überlebensprognose.

„Henne“ und „Ei“ lassen sich da oft nicht unterscheiden. Möglicherweise, so Piorkowski, haben in der Studie viele Patienten eine Ablation erhalten, bei denen das Vorhofflimmern eine entscheidende Triebkraft für die Progression der Herzinsuffizienz war. Bänsch wies darauf hin, dass dadurch die Abwärtsspirale hinsichtlich ungünstiger Veränderungen der Herzstruktur (remodeling) gestoppt und sogar in eine günstige Richtung umgekehrt worden sein könnte.

Bleibt Antikoagulation nach Ablation ein Muss?

Unklar ist noch, ob Patienten auch nach einer erfolgreichen Katheterablation weiterhin eine Schlaganfallprophylaxe mit Gerinnungshemmern erhalten sollten. Gegenwärtig wird die Fortsetzung der Antikoagulation  empfohlen. Grund ist die Sorge, dass aufgrund asymptomatischer Vorhofflimmern-Rezidive das  Schlaganfallrisiko weiterhin erhöht sein könnte. Allerdings gehe mittlerweile aus retrospektiven Registerdaten hervor, dass das Schlaganfallrisiko nach erfolgreicher Ablation wesentlich niedriger ist als ohne Ablation, so Piorkowski.  

Im klinischen Alltag werde häufig pragmatisch  und im Sinne einer individuellen Risikoabschätzung entschieden, um Patienten nicht langfristig dem Blutungsrisiko einer Antikoagulation auszusetzen, die sie womöglich gar nicht benötigen,  berichtete Piorkowski. Die Überprüfung der Rezidivfreiheit mithilfe von implantierbaren Herzmonitoren könne bei dieser Entscheidung  hilfreich sein.  An randomisierten prospektiven  Studien, in denen die Sicherheit einer Verzichts auf Antikoagulation nach erfolgreicher Ablation  überprüft wird, führt nach Ansicht von Piorkowski dennoch kein Weg vorbei.

Literatur

Weiterführende Themen

Neueste Kongressmeldungen

20.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Nachrichten

Weltgrößter Kardiologen-Kongress in München: Vorschau auf wichtige neue Studien

Am Samstag, den 25. August 2018 startet in München der diesjährige Kongress der europäischen Kardiologen-Gesellschaft ESC. Die weltweit größte Tagung von Herzspezialisten wartet wieder mit einem reichen Angebot an neuen und potenziell praxisverändernden Studien auf.

19.08.2018 | ESC-Kongress 2018 | Onlineartikel

Weltweit größter Herz-Kreislauf-Kongress

Die Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC), der weltweit größte Herz-Kreislauf-Kongress, findet in diesem Jahr vom 25. bis 29. August in München statt. Ein Highlight sind die Hot-Line-Sessions. Die dort vorgestellten Studienergebnisse könnten die Praxis verändern. In unserem ESC-Kongressdossier können Sie diese und viele weitere spannende Themen nachlesen.

04.06.2018 | EuroPCR 2018 | Nachrichten

Bioresorbierbarer Magnesium-Scaffold verzeichnet Erfolge

Erste Daten aus dem BIOSOLVE IV-Register zeigen bei bioresorbierbaren Magnesium-Scaffolds eine gute Effektivität und ein mit den bisherigen Studien kompatibles Sicherheitsprofil. Hersteller Biotronik kündigte an, das Register auszuweiten.

Neueste Kongresse 2018

ESC-Kongress 2018

Die Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC), der weltweit größte Herz-Kreislauf-Kongress, findet in diesem Jahr vom 25. bis 29. August in München statt. Ein Highlight sind die Hot-Line-Sessions. Die dort vorgestellten Studienergebnisse könnten die Praxis verändern. In unserem ESC-Kongressdossier können Sie diese und viele weitere spannende Themen nachlesen.

EuroPCR-Kongress 2018

Vom 22 bis 25. Mai 2018 findet in Paris der EuroPCR statt, einer der weltweit wichtigsten Kongresse zum Thema Interventiologie. Viele spannende Studien werden erwartet. Die Highlights haben wir für Sie in diesem Dossier zusammengefasst.

DGK-Jahrestagung 2018

„Kardiologie 2018 – von der Grundlagenforschung zur Hochleistungsmedizin" lautete das diesjährige Motto der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Der Kongress fand vom 4. bis 7. April 2018 in Mannheim statt. Tagungspräsident war Prof. Thomas Eschenhagen aus Hamburg. Wir haben die Highlights für Sie zusammengestellt.

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

14.08.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Welcher Betablocker für welchen Patienten?

Betablocker kommen bei unterschiedlichsten Erkrankungen zum Einsatz. Welche Substanzen Sie wann und wie einsetzen sollten, erläutert Prof. Wilhelm Haverkamp.

09.08.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Welche Bedeutung Digitalis heute noch hat – zwischen Fakten und Fake News

Digitalis steht im Verdacht, das Sterberisiko zu erhöhen. Für Prof. Johann Bauersachs sind das "Fake News". Warum die Therapie heute noch eine Berechtigung hat, erklärt er in diesem Vortrag.

Aus der Kardiothek

17.08.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Neue Antiarrhythmika: Was Sie über Dronedaron wissen sollten

Das Antiarrhythmikum Dronedaron wurde heiß ersehnt. Nach der Markteinführung folgte Ernüchterung. Prof. Joachim Ehrlich  diskutiert den heutigen Stellenwert des Medikaments.

17.08.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Katheterablation - wie Sie gute Ergebnisse erzielen

Komplett und kontinuierlich sollten die Läsionen bei einer Pulmonalvenenisolation sein. Die technischen und prozeduralen Feinheiten einer Katheterablation erläutert PD Dr. Dong-In Shin.

14.08.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Welcher Betablocker für welchen Patienten?

Betablocker kommen bei unterschiedlichsten Erkrankungen zum Einsatz. Welche Substanzen Sie wann und wie einsetzen sollten, erläutert Prof. Wilhelm Haverkamp.

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

29-jähriger Patient mit wiederkehrender Rhythmusstörung

Anspruchsvolle Katheterablation einer links gelegenen Leitungsbahn

Live Case 2017 Stents und mehr - AGIK trifft EACPI

Ein 29-jähriger Patient mit Wolff-Parkinson-White-Syndrom leidet an erneuten supraventrikulären Tachykardien. Die erste Katheterablation war schon anspruchsvoll. Prof. Helmut Pürerfellner,  Dr. Livio Bertagnolli und Dr. Philipp Sommer aus Leipzig machen sich auf die  Suche nach der Leitungsbahn.

Bildnachweise