Nachrichten 15.10.2019

Präventionsforschung 2019: Neues zu Mundhygiene, E-Zigaretten und Vorbeugungssprogrammen

2019 hat sich viel getan in der Prävention von Herzerkrankungen. Prof. Rainer Hambrecht, Tagungspräsident für aktuelle Kardiologie, gab bei den DGK-Herztagen in Berlin einen kurzen Überblick über aktuelle Themen und kommentierte die Entwicklungen.

Zunächst verglich der Bremer Kardiologe die EUROASPIRE-Studien von 2012 – 2013 und 2016 – 2017: Inwiefern haben sich die Risikofaktoren bei KHK-Patienten in 21 europäischen Ländern inklusive Deutschland verändert? Das Ergebnis: Rauchen und körperliche Inaktivität nahmen signifikant zu, folglich gab es auch mehr Fälle von Adipositas. Zwei Drittel der Teilnehmer waren auch 2016 – 2017 nicht im LDL-Cholesterin-Zielbereich. Das Problem sei bekannt, aber Lösungen werden nicht konsequent genug umgesetzt, so Hambrecht.

Zahl der jugendlichen E-Zigarettenraucher stieg drastisch an

Auch der E-Zigarettenboom war 2019 ein wichtiges Thema. Der Umsatz damit stieg zwischen 2010 und 2017 von 5 auf 600 Millionen Euro. Zwar wurden E-Zigaretten als Hilfe für den Rauchstopp angepriesen, Studien zeigen nun jedoch, dass 80% der Raucher langfristig bei dieser Alternative blieben, während das bei Nikotinersatzprodukten nur bei 9% zutraf. Dabei sind die Langzeiteffekte des E-Zigaretten-Dampfes noch unklar, Berichte über akut toxische Lungenschädigungen häufen sich in jüngster Zeit. Die Zahl der jugendlichen E-Zigaretten-Raucher stieg drastisch an – gefährlich, auch weil das Dämpfen den Einstieg in den Konsum konventioneller Zigaretten fördert.

Hambrechts Fazit dazu lautete: „Die Dauer der E-Zigaretten-Nutzung sollte klar begrenzt sein. Auch sollten sie keine „first-line“-Methode der Rauchentwöhnung sein. Der öffentliche Verkauf und die Bewerbung von E-Zigaretten sollte strenger reguliert werden, besonders um Jugendliche zu schützen.“

Auch der Zusammenhang zwischen schlechter Zahngesundheit und schweren kardiovaskulären Ereignissen scheint sich aktuell zu erhärten. Darauf weist eine Studie mit fast 250.000 Teilnehmern hin. Ein schlechter Zahnstatus sei ein Risikoindikator für kardiovaskuläre Ereignisse, so Hambrecht. Er rate Kardiologen, ihre Patienten über den Wert von Zahngesundheit aufzuklären und eng mit Zahnärzten zusammenzuarbeiten.

Präventionsprogramm schnitt besser ab als Standardversorgung

Wie lässt sich die kardiovaskuläre Langzeitprävention insgesamt verbessern? Einen Lösungsansatz liefert die IPP-Studie, die zeigte, dass eine langfristige, enge Betreuung von Patienten nach einem Herzinfarkt durch speziell ausgebildete Präventionsassistenten zu besseren Ergebnissen führte als die Standardversorgung. Neben telemedizinischen Komponenten umfasste das Programm Fortbildungen, in denen Patienten über Risikofaktoren und ungesunde Gewohnheiten aufgeklärt wurden. Zudem befragten die Assistenten sie regelmäßig zu ihrem Befinden.

„Während sich bei Patienten mit Standardversorgung die Risikofaktoren erheblich verschlechterten, bewirkte das neue Modell, dass die nach einer dreiwöchigen Rehabilitation erzielten Erfolge auch nach einem Jahr noch bestanden. So lässt sich kardiovaskuläre Prävention gut in den Alltag übertragen“, erläuterte Hambrecht.

Er sieht sowohl Bedarf bei der Ausbildung zum Präventionsassistenten, als auch bei Weiterbildungsoptionen für Fachärzte, um neue Therapiemöglichkeiten schnell in die Praxis umzusetzen. Beispielsweise bietet die DGK einen neuen Sachkundekurs zum Thema „Spezielle kardiovaskuläre Prävention“ an. Dieser vermittelt Kenntnisse zur Diagnostik und Behandlung der Risikofaktoren Dyslipidämie, Hypertonie, Diabetes, körperliche Inaktivität, Rauchen und ungesunde Ernährung und wird durch Themen wie Sportkardiologie oder Psychokardiologie ergänzt.

Literatur

DGK Herbsttagung 2019; Pressekonferenz 10.10.2019, 10.30h

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