Nachrichten 10.10.2019

TAVI: Neue Daten, neues Vorgehen?

Kardiologen und Herzchirurgen in Deutschland wollen in Kürze ein neues, gemeinsames Positionspapier zur Versorgung von Patienten mit Aortenstenose vorlegen. Aktuelle deutsche Versorgungsdaten zeigen, dass die TAVI-Implantationen weiter zulegen – bei gutem Outcome.

Insgesamt 19.317 Patienten mit Aortenstenose haben in Deutschland 2018 eine transfemorale Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) erhalten. Dazu kamen 1.603 transapikale TAVI-Implantationen. Damit stieg die Zahl der implantierten Katheterklappen in Deutschland gegenüber 2017 einmal mehr um etwas mehr als tausend Prozeduren an. Gleichzeitig sank die Zahl der chirurgischen Aortenklappenersatzoperationen (AKE) von 9.011 auf 8.360 Eingriffe. Seit 2015 hat die Gesamtzahl der jährlichen Aortenklappeneingriffe in Deutschland um über 4.000 Patienten zugelegt.

Diese Zahlen präsentierte Prof. Dr. Helge Möllmann, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie in der DGK bei der DGK-Herbsttagung in Berlin. Die Daten zeigten, dass viele Patienten, die heute eine TAVI erhalten, Patienten sind, die früher wegen Alters oder Komorbiditäten nicht behandelt worden wären, so der Kardiologe.

Krankenhausmortalität bei der TAVI unter 3 Prozent

Die jüngsten deutschen Versorgungsdaten ließen auch Aussagen zum Outcome der Patienten zu, so Möllmann. Demnach betrug die stationäre Mortalität der (transfemoral behandelten) TAVI-Patienten im Jahr 2018 nur noch 2,5%. Sie sei damit niedriger gewesen als die stationäre Mortalität bei AKE-Patienten, die ihrerseits seit 2017 auf etwas über 3% angestiegen sei. Die transapikale TAVI lag bei knapp 6%. Die niedrige Sterblichkeit bei der transfemoralen TAVI sei auch deswegen bemerkenswert, weil die TAVI-Patienten in Deutschland weiterhin etwa zehn Jahre älter seien als die AKE-Patienten.

Drei von vier Patienten mit TAVI sind in Deutschland mittlerweile Niedrigrisikopatienten, definiert als AKL-KATH-Score kleiner 3%. Nur noch 6,8% der Patienten haben einen AKL-KATH-Score von 6% oder mehr. Insgesamt zeige die Detailanalyse der tatsächlichen und auf Basis der letzten Jahre erwarteten Sterblichkeiten, dass das Outcome der TAVI in allen Risikoklassen besser war als erwartet.

Die deutschen TAVI-Daten wurden aktuell durch eine neue Metaanalyse untermauert, in die alle bisherigen randomisierten TAVI-Studien eingeflossen sind. Analysiert wurden Gesamtmortalität über bis zu zwei Jahre und Schlaganfallrate über bis zu zwei Jahre. Dabei zeigte sich bei der Gesamtmortalität über alle Risikoklassen hinweg ein um statistisch signifikante 12% niedrigeres Risiko, bei der Schlaganfallrate ein um ebenfalls signifikante 19% geringeres Risiko im Vergleich zum AKE. Schlaganfälle mit nachfolgender Behinderung waren um 22% seltener, das war nicht signifikant.

Kein Hinweis auf raschere Klappendegeneration

Auch was die Frage angehe, ob TAVI-Klappen rascher als chirurgische Aortenklappen degenerierten, könne zumindest über den 5-Jahreszeitraum Entwarnung gegeben werden, so Möllmann. So zeige sich in den gerade bei der TCT-Tagung in San Francisco vorgestellten 5-Jahres-Daten der PARTNER 2A-Studie absolut kein Hinweis darauf, dass die Aortenklappenöffnungsfläche bei TAVI-Klappen rascher kleiner werde als bei chirurgischen Klappen.

Insgesamt scheinen sich Kardiologen und Herzchirurgen vor dem Hintergrund der Daten der letzten Jahre einig, dass bei der Versorgung von Patienten mit Aortenstenose in Deutschland einige Anpassungen nötig sind. Aktuell sei dazu ein neues, gemeinsames Positionspapier von Deutscher Gesellschaft für Kardiologie und Deutscher Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in finaler Abstimmung, sagte der DGK-Vorsitzende Prof. Dr. Andreas Zeiher vom Universitätsklinikum Frankfurt: „Wir gehen davon aus, dass wir das Papier in wenigen Wochen veröffentlichen können.“

Literatur

DGK Herbsttagung 2019; Pressekonferenz 10.10.2019, 9.00h

Siontis GCM et al. Transcatheter aortic valve implantation vs. surgical aortic valve replacement for treatment of symptomatic severe aortic stenosis: an updated meta-analysis. Eur Heart J 2019; 40:3143–3153

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