Nachrichten 16.10.2019

Telemonitoring reduziert Sterberisiko bei Patienten mit Herzinsuffizienz erheblich

Telemedizinische Betreuung senkte die Mortalität bei Patienten mit Herzschwäche um fast ein Drittel, wobei besonders Ältere profitierten. Das ergab eine Analyse von Krankenkassendaten, die bei den DGK-Herztagen in Berlin vorgestellt wurde.

Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Forscher untersuchten jetzt, ob sich die Sterberate der Patienten durch Telemonitoring, Fernüberwachung durch den Arzt, reduzieren lässt. Dafür analysierten sie Daten eines telemedizinischen Versorgungsprogramms der AOK namens „Curaplan Herz Plus“ aus Berlin und Brandenburg.

Telemonitoring informierte Ärzte schneller über Verschlechterung der Herzschwäche

Zusätzlich zur Routineversorgung erfassten Patienten dabei täglich Symptome der Herzinsuffizienz und ihr Körpergewicht. Die Daten wurden telemetrisch an ein Betreuungszentrum übermittelt und analysiert, beides funktionierte automatisiert. So konnte eine Verschlechterung sieben bis zehn Tage vor einem drohenden Krankenhausaufenthalt erkannt werden. Gab es Anzeichen dafür, wurden Arzt und Patient schnell informiert, sodass Gegenmaßnahmen eingeleitet werden konnten.

Die Analyse der AOK Nordost umfasste fast 17.500 Patienten, die im Schnitt 73 Jahre alt waren: Die Forscher werteten dafür die Daten von rund 9.500 Teilnehmern aus dem Telemonitoring-Programm von mindestens einem Jahr aus und verglichen die Ergebnisse mit den Krankenkassendaten von nicht telemedizinisch betreuten Herzinsuffizienz-Patienten.

Während des Beobachtungszeitraums starben 2.166 der telemedizinisch betreuten Patienten und 3.027 Personen aus der Kontrollgruppe ohne Telemonitoring. Das entspricht einer Mortalitätsrate von 9,1 pro 100 Personenjahre in der Interventionsgruppe und einer Rate von 13,9 pro 100 Personenjahre in der Kontrollgruppe und ergibt einen signifikanten Unterschied.

Patienten über 76 Jahre profitierten am stärksten

„Insgesamt reduzierte die telemedizinische Betreuung die Sterblichkeit im Beobachtungszeitraum um ein Drittel“, resümierte Dr. Werner Wyrwich, Mediziner im Versorgungsmanagement der AOK Nordost, in einer Pressemitteilung der DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie). Personen über 76 Jahre profitierten dabei noch etwas stärker von dem Telemonitoring als jüngere Patienten.

Laut Prof. Michael Böhm, Kardiologe am Universitätsklinikum des Saarlandes, ist die Früherkennung einer sich verschlechternden Herzschwäche besonders wichtig. „Viele Patienten nehmen Symptome wie Wassereinlagerungen in den Beinen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit nicht ernst und reagieren zu spät. Die Ergebnisse zeigen, wie effektiv eine telemedizinische Betreuung der Patienten uns dabei unterstützen kann, bei Dekompensationen rasch zu reagieren und gegenzusteuern“, kommentierte er die Analyse in einer DGK-Pressemitteilung.

Literatur

Liersch S et al. Telemonitoring reduziert signifikant die Mortalität von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz: Eine Sekundäranalyse auf Basis von Krankenkassendaten. Vorgestellt bei den DGK-Herztagen, 10. – 12. Oktober 2019, Berlin

DGK-Pressemitteilung: Telemonitoring senkt die Sterberate bei Herzschwäche-Patienten deutlich. 11.10.19.

Neueste Kongressmeldungen

EVAPORATE: Wie schafft es ein „Fischöl“-Präparat, kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren?

Ein spezielles „Fischöl“-Präparat hat in der REDUCE-IT-Studie die Rate kardiovaskulärer Ereignisse substanziell reduziert. Der Wirkmechanismus ist aber noch unklar. Eine randomisierte kontrollierte Studie liefert dazu nun erste Informationen.

Auf ORION-11 folgt ORION-10: Innovativer Lipidsenker in weiterer Studie erfolgreich

Der derzeit klinisch erforschte Lipidsenker Inclisiran eilt von einem Studienerfolg zum nächsten: Auch beim AHA-Kongress präsentierte neue Daten bestätigen einmal mehr seine anhaltend starke cholesterinsenkende Wirkung – bei nur zwei subkutanen Injektionen pro Jahr.

Colchicin-Gabe vor der Koronarintervention ohne kardioprotektiven Effekt

Bei Verdacht auf KHK oder akutes Koronarsyndrom reduziert eine Colchicin-Gabe vor der Herzkatheter-Intervention zwar Entzündungsmarker, hat aber keinen Einfluss auf Myokardschädigung oder ischämische Komplikationen.

Neueste Kongresse

DGK Herztage 2019

Vom 10. bis 12. Oktober fanden in Berlin die jährlichen DGK Herztage statt. Die Besucher konnten sich über jede Menge spannende Studienergebnisse und Vorträge freuen. Alle Highlights der Herbsttagung 2019 finden Sie in diesem Kongressdossier. 

TCT-Kongress 2019

"Die Zukunft der interventionellen Kardiologie liegt in Ihrer Hand!" lautet der Leitsatz der diesjährigen Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference. Die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie findet dieses Jahr vom 25.–29.09.2019 in San Francisco statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

ESC-Kongress 2019

2019 können sich die Besucher der Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) auf eine Besonderheit freuen: Der Kongress findet dieses Jahr zusammen mit dem World Congress of Cardiology in Paris statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier. 

Bildnachweise
DGK Herztage 2019 in Berlin/© daskleineatelier/Fotolia
TCT-Kongress 2019 in San Francisco/© Enrique / stock.adobe.com
ESC-Kongress 2019 in Paris/© 604371970 / Getty Images / iStock [M]