Nachrichten 14.11.2019

Vorhofflimmern: Katheterablation bei schwerer Herzinsuffizienz ohne Vorteil

Die Katheter-Ablation von Vorhofflimmern verbessert die Prognose bei Patienten mit Herzinsuffizienz, so das Ergebnis der CASTLE-AF-Studie. Bei fortgeschrittener Herzschwäche kommt man damit jedoch zu spät, wie die Ergebnisse der AMICA-Studie nahelegen.

Die an 14 deutschen Herzzentren sowie je einem spanischen und ungarischen Zentrum durchgeführte AMICA-Studie wollte prüfen, ob die Ablation auch bei Patienten mit seit längerer Zeit persistierendem Vorhofflimmern und einer deutlich eingeschränkten Auswurffraktion (EF<35%, NYHY II oder höher) einen günstigeren Einfluss auf die Pumpfunktion hat. Zu diesem Zweck sollten 216 entsprechende Patienten, bei denen eine Indikation für die Implantation eines ICD oder CRT-D vorlag, entweder abladiert oder optimal medikamentös behandelt werden.

Doch die Studie musste nach einer sehr schleppenden Rekrutierungsphase nach Einschluss von 140 voll auswertbaren Patienten schließlich wegen mangelnder Effektivität vorzeitig abgebrochen werden, berichtete Professor Roland Richard Tilz, Medizinische Klinik II am Universitätsklinikum Lübeck, auf den Herztagen 2019 in Berlin.

Primärer Endpunkt war der absolute Anstieg der EF-Fraktion nach einem Jahr. Dieser betrug 8,8% in der Ablationsgruppe und 7,3% in der Kontrollgruppe, berichtete Tilz.

Ejektionsfraktion zu Beginn im Schnitt bei 25%

Der wesentliche Unterschied zu den Patienten der CASTLE-AF-Studie lag darin, dass die Patienten in der AMICA-Studie sich in fortgeschritteneren Stadien der Herzinsuffizienz befanden: Die durchschnittliche Ejektionsfraktion lag bei 25%, bei der Hälfte der Patienten lag ein Stadium NYHA III oder schlechter vor. Tilz verwies darauf, dass auch in der CASTLE-AF-Studie Patienten in höheren Herzinsuffizienz-Stadien keinen prognostischen Nutzen durch die Ablation hatten.

Weniger Vorhofflimmern, aber kein Einfluss auf die Pumpfunktion

Zwar reduzierte die Ablation in der AMICA-Studie die Vorhofflimmerlast spürbar. Signifikant mehr Patienten zeigten nach einem Jahr einen Sinusrhythmus. Doch hatte dies keinen Einfluss auf die Pumpfunktion, die Belastbarkeit, die Lebensqualität und Biomarker wie NT-pro-BNP, erläuterte Tilz. Auch Mortalität und klinische Komplikationen waren vergleichbar.

Fazit: „Wir denken, dass die Patienten letztlich zu krank waren für die Ablation“, so Titz. Um die Herzfunktion effektiv zu verbessern, müsse man die Patienten früher in ihrer Vorhofflimmern-Entwicklung behandeln.

Literatur

DGK Herztage 2019, Berlin, 10.-12. Oktober 201

AMICA-Studie: Kuck KH, et al.; https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00652522

CASTLE-AF-Studie Nassir F. Marrouche et al.: Catheter Ablation for Atrial Fibrillation with Heart Failure, N Engl J Med. 2018; 378: 417-27

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