Nachrichten 30.09.2021

EKG-Wearables: Abschied vom Loop-Rekorder?

Mobile, externe EKG-Systeme werden immer leistungsfähiger und immer breiter verfügbar. Sind die Tage der implantierbaren EKG-Systeme gezählt? Oder bleiben Indikationen, bei denen die Implantate die bessere Wahl sind?

Implantierbare Loop-Rekorder (ILR) waren in den letzten Jahren neben Pflaster-EKGs die Methode der Wahl, wenn es darum ging, selten auftretende Herzrhythmusstörungen auf die Spur zu kommen, bei denen das traditionelle Langzeit-EKG an seine Grenzen stößt. Die Suche nach Vorhofflimmern bei unklarem embolischem Schlaganfall (ESUS) ist hier zu nennen, dazu die Abklärung unklarer Arrhythmien oder Synkopen. Mittlerweile lassen sich Ein-Kanal-EKGs in hoher Qualität mit Hilfe externer EKG-Systeme („Wearables“) ableiten. Haben die ILR also bald ausgedient?

„Implantierbare Geräte werden es schwer haben“

„Ich persönlich denke, das implantierbare Geräte es schwer haben werden, ihren Marktanteil zu halten“, sagte PD Dr. Dong-In Shin, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Helios Klinikum Krefeld, bei den DGK Herztagen in einer Pro-Kontra-Session zu EKG-Wearables. Was die Qualität der EKG-Aufzeichnung angehe, seien die unterschiedlichen Systeme von der Smartwatch bis zur EKG-Sensorplatte teilweise ausgezeichnet. Hohe Sensitivitäten und Spezifitäten insbesondere beim Vorhofflimmer-Screening seien in Studien belegt.

Die Geräte seien zudem für Patienten niedrigschwellig zugänglich und erfreuten sich auch bei Kardiologen hoher Akzeptanz. Shin zitierte eine aktuelle Befragung von 539 Kardiologen und Rhythmologen, denen ein Ein-Kanal-Wearable-EKG-Streifen einer 58-jährigen Frau mit absoluter Arrhythmie und ChA2DS2-Vasc-Score von 3 vorgelegt wurde mit der Frage, ob sie auf dieser Basis Vorhofflimmern definitiv diagnostizieren würden. 83% sagten ja. Die Folgefrage, ob auch gleich eine Antikoagulation begonnen werden sollte, beantworten immer noch 73% mit ja.

Symptomlose Arrhythmien fallen unter Umständen durchs Raster

Viele der Wearable-EKG-Systeme starten die EKG-Aufzeichnung erst, wenn der Patient sie aktiv initiiert. Symptomlose Arrhythmien fallen so unter Umständen durchs Raster. An der Beseitigung dieses Nachteils wird allerdings intensiv gearbeitet. Shin berichtete über eine aktuelle Studie der University of California, die einen neuen Algorithmus validiert hat, der bei Smartwatch-Trägern eine kontinuierliche, photoplethysmographische (PPG) Überwachung der Herzfrequenz mit einer automatischen EKG-Aufzeichnung im Falle von PPG-Arrhythmien kombiniert hat.

Dieser Algorithmus erreichte in einem Vorhofflimmer-Screening-Szenario im Vergleich zu einem 28-Tage-Pflaster-EKG eine Sensitivität von 97% und eine Spezifität von 99%, wenn die Frequenzmessung als Trigger für EKG-Aufzeichnungen genutzt wurde. Vor diesem Hintergrund und angesichts dessen, dass die EKG-Qualität durch selbstlernende Algorithmen noch weiter steige, sieht Shin zumindest bei den klassischen Indikationen im Bereich Vorhofflimmer-Screening zunehmend weniger Bedarf an ILR-Systemen.

Klare Schwächen bei der Synkopendiagnostik

Klare Schwächen hätten die Wearables dagegen bei der Synkopendiagnostik, betonten sowohl Shin als auch PD Dr. Kars Neven, Leiter Elektrophysiologie am Krupp Krankenhaus Essen. Bei den patientengetriggerten Systemen kämen die Betreffenden bei einer Synkope gar nicht dazu, eine EKG-Aufzeichnung zu starten. Und auch bei automatisierten Rhythmusüberwachungssystemen dauere es unter Umständen zu lange, bis die EKG-Aufzeichnung getriggert werde.

Kritisch sieht Neven die Wearable-EKGs auch deswegen, weil sie so leicht zugänglich seien und damit zu einer enormen Datenflut führten, mit der die Kardiologie irgendwie umgehen müsse. Er selbst setze daher weiterhin in den meisten Abklärungsfällen auf die ILR und initiiere eine Smartwatch-Überwachung zumindest nicht von sich aus, so Neven. Unstrittig ist allerdings, dass Wearables zu einer deutlichen Verbreiterung der Rhythmusdiagnostik führen können und auch Patienten identifizieren kann, die in der Realität keinen ILR erhalten würden. So wies Shin auf eine EHRA-Umfrage unter 42 rhythmologischen Zentren hin, von denen nur 17 angaben, überhaupt mit ILR zu arbeiten: „Nicht einmal bei Synkopen hat der Event-Recorder eine Akzeptanz von über 50 Prozent.“

Literatur

Devices: Innovation versus Tradition, DGK Herztage in Bonn und online, 30.09-2.10.2021

Manninger M et al. Current perspectoives on wearable rhythm recordings for clinical decision-making: the wEHRAbles 2 survey. EP Europace 2021; 23:1106-13

Avram R et al. Validation of an algorithm for continuous monitoring of atrial fibrillation using a consumer smartwatch. Heart Rhythm 2021; 18(9):1482-90

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