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04.05.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Ein Jubiläumstreiflicht

30 Jahre Troponin – der heutige Weltstandard

Autor:
Jochen Aumiller

Vor nun 30 Jahren hat das Team von Prof. Hugo Katus den Troponin T-Assay in der Heidelberger Universitätskardiologie erfunden und entwickelt – ein Durchbruch in der Diagnostik des Herzinfarkts, der inzwischen weltweiter Standard ist und in den letzten Jahren weiterentwickelt wurde.

Hochsensitive  Troponintests ermöglichen heute die Infarktdiagnose innerhalb einer Stunde. Der Biomarker eröffnet aber auch eine neue Dimension in der Erkennung von Krankheits- und Umbauprozessen des Herzens. Millionen von Herzpatienten dürften dieser Entdeckung aus dem Hause von Prof. Hugo Katus ihr Leben verdanken.

Bekanntlich ermöglicht Troponin eine rasche und sichere Herzinfarkt-Diagnose. Nach den Worten von Katus war mit den konventionellen TroponinT-Tests noch eine Wartezeit von drei oder sechs Stunden erforderlich, um einen Konzentrationsanstieg einem Herzinfarkt zuzuordnen. Der neue hochsensitive Troponin-Test schafft das durch den diagnostischen Ein-Stunden-Algorithmus bereits nach einer Stunde

„Starke Kosteneinsparung“

Katus: „Das bedeutet bei positivem Befund eine stark verkürzte Zeit bis zum Beginn der Behandlung, und bei einem Herzinfarkt ist jede gewonnene Minute wichtig. Bei negativem Befund bedeutet das den Ausschluss eines Herzinfarkts sowie eine starke Kosteneinsparung, weil dann Patienten wieder nach Hause gehen können, ohne die Infrastruktur der Notfallstation unnötig zu belasten“.

So wurde in einer Studie gezeigt, dass auch ohne EKG-Befund mittels eines hochsensitiven Troponin-Tests bei der Krankenhausaufnahme bei einem Drittel der Patienten mit Infarkt-Verdacht wirksam und sicher ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden konnte.

Weil Troponin durch jede Form der Herzmuskelschädigung freigesetzt werden kann, gibt es auch Troponin-Erhöhungen, die nicht durch einen Herzinfarkt entstehen. Die Diagnose Myokardschädigung ist in jedem Fall sehr bedeutsam, weil sie mit einem hohen Herzrisiko einhergehen kann ist. Diese Einsicht eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Risikobestimmung und Therapiekontrolle.

Extrakardialer Nutzen

Erhöhte Troponin-Werte können auch auf Myokardschädigungen bei Patienten mit akuten oder chronischen nicht-kardialen Erkrankungen hinweisen: Zum Beispiel bei Pneumonie, COPD, Niereninsuffizienz, Lungenhochdruck, Chemotherapie oder Vaskulitis. Unabhängig von der Ursache der Herzmuskelschädigung korreliert bei diesen Erkrankungen die Beteiligung des Herzens, erkennbar an den Troponin-Erhöhungen im Blut, mit einer erhöhten Sterblichkeit von bis zu 40% im ersten Jahr.

Troponin-Werte im Blut haben sich darüber hinaus als Prädiktoren für das Herz-Kreislauf- und Gesamt-Sterblichkeits-Risiko sowie das Risiko einer Krankenhauseinweisung in Niedrigrisiko-Gruppen oder auch bei vermeintlich gesunden Probanden (Nicht-Sekundärprävention und Sekundärprävention) erwiesen. Das Ergebnis war, dass hochsensitives Troponin T eine ausgezeichnete Risikostratifikation ermöglichte. Die prognostischen Ergebnisse waren besser als bei den etablierten PROCAM Score und drei FRAMINGHAM Unter-Scores.

Auch in der Primärprävention einsetzbar

Neue Studienergebnisse geben Hinweise darauf, dass Troponin-T -Tests auch bei der Abschätzung des individuellen kardiovaskulären Risikos eines hohen LDL-Cholesterins in der Primärprävention unterstützen können, oder bei der Verlaufskontrolle einer Statintherapie. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie im Journal of the American College of Cardiology (Ford et al.:68,2017, 2719-2728) hin.

Katus hofft auf Mehrwert: Kardiale Troponine könnten in Zukunft vermehrt auch zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos, zur Auswahl einer Therapie und zu deren Erfolgskontrolle eingesetzt werden. Im Verlauf der letzten Jahre fiel dank des neuen hochsensitiven Tests auch auf, dass Troponin geschlechtsspezifisch ist: Frauen haben niedrigere Werte als Männer. Die Weiterungen dieses Befundes für die Gendermedizin sind noch gar nicht abzusehen

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