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05.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Eröffnung der 84. DGK-Jahrestagung

DGK nimmt Stellung zur Forschung, Notfallversorgung und Big Data

Autor:
Veronika Schlimpert

Die bisherigen Erfolge in der Herz-Kreislauf-Medizin reichen noch nicht aus, ist der diesjährige Tagungspräsident der 84. DGK-Jahrestagung überzeugt. Hoffnung setzt er in die Grundlagenforschung und der Nutzung von Big Data.

Die Herz-Kreislauf-Medizin hat in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, sichtbar wird dieser Erfolg an den immer weiter steigenden Überlebenschancen nach Herzinfarkten und anderen kardialen Erkrankungen. „Trotzdem sollten wir nicht die Grundhaltung einnehmen, dass wir schon alles erreicht haben“, betont der diesjährige Präsident der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Prof. Thomas Eschenhagen aus Hamburg.

Auf der Eröffnungspressekonferenz spricht sich der Phar­makologe vehement für eine Förderung der kardiovaskulären Grundlagenforschung aus. Forschungsbedarf bestehe etwa noch bei der HFpEF, also der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (EF), weil es für diese Patienten bisher keine wirksame Therapie gebe. 

MikroRNA und CRISPR/Cas9

Weitere Fortschritte erhofft er sich von der Forschung an sog. mikroRNAs. Dabei handelt es sich um nicht-kodierende RNA, die die Proteinsynthese auf RNA-Ebene reguliert und dadurch ein interessantes therapeutisches Angriffsziel bietet. 

Neue Therapieoptionen eröffnen sich Eschenhagen zufolge auch durch die momentan stark gehypte CRISPR/Cas9-Methode. Mit dieser Technologie lasse sich zielgerichtet und effektiv in das Genom eingreifen, sodass Punktmutationen beispielsweise bei kongentialen Kardiomyopathien korrigiert werden können.

Translationale Forschung fördern

Ein großes Anliegen ist Eschenhagen die Förderung der translationalen Forschung. „Man muss verhindern, dass die Grundlagenforschung und klinische Praxis weiter auseinanderklafften.“  Das diesjährige Kongressmotto „Von der Grundlagenforschung zur Hochleistungsmedizin“ soll auf diese Problematik aufmerksam gemacht werden.

DGK will Chest Pain Units erhalten

Mit Sorge sieht der DGK-Präsident, Prof. Hugo Katus, die derzeit vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) geplante Reform der Notfallversorgung. Diese sieht eine zentrale Notfallstruktur vor, in der alle Patienten zunächst in Anbetracht der Symptomschwere versorgt und zur Weiterbehandlung an die geeigneten Fachdisziplinen weiter verwiesen werden. Für Patienten mit kardiologischen Notfällen könne dieses Versorgungskonzept eine Gefahr darstellen, gibt Katus zu bedenken. Denn ein Herzinfarkt sei selbst bei nur leichten Angina-Schmerzen oder untypischer Symptomatik nicht auszuschließen. Katus hält es daher für essenziell, die speziell für die Erstversorgung von Angina-Patienten eingerichteten „Chest Pain Units“ als eigenständige Einheit in einer zentralen Notfallstruktur zu erhalten. „Die DGK befindet sich deshalb im Gespräch mit dem GBA.“

Kardioonkologie als aufstrebende Diszpilin

Eine aufstrebende Disziplin in der Kardiologie ist Katus zufolge die Kardioonkologie.  „Tumorpatienten versterben heute oft nicht mehr an dem Tumor, sondern an einen durch die Chemotherapie induzierten Herzschaden.“ Bisher habe man diesem Problem noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Doch immer mehr Patienten seien von solchen Komplikationen betroffen. Die DGK hat deshalb vor zwei Jahren die Sektion Kardioonkologie ins Leben gerufen. Katus hebt die wechselseitige Beziehung beider Erkrankungen hervor. „Es gibt beispielsweise Daten, die zeigen, dass eine bestehende Herzinsuffizienz den Tumor schneller wachsen lässt.“

Big Data ist die Zukunft

Eschenhagen ist überzeugt, dass an Big Data auch in der Kardiologie kein Weg vorbei führt. „Ich bin der Ansicht, dass die theoretischen Probleme, die damit verbunden sind, kein Anlass sein dürfen, sich nicht mit diesem Thema zu beschäftigen.“ Die Auswertung großer Datenmengen kann eine Therapie im Sinne der personalisierten Medizin möglich machen. Arzneimittelwechselwirkungen können vorhergesagt und damit vermieden werden. Eschenhagen glaubt, dass durch sog. „Maschinelles Lernen“ generierte, automatisierte Diagnoseverfahren zur Auswertung  von Röntgenbildern oder histologischen Schnitten dem Einschätzungsvermögen der Ärzte bald überlegen sein werden. Diese Technologien würden den Arzt nicht ersetzen, aber sie können ihm eine systematische Hilfestellung für die Diagnosestellung liefern, resümierte der Kongresspräsident.

Literatur

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