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06.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Therapieoptionen abseits der Herztransplantation

Herzinsuffizienz: Probleme und Perspektiven der Gerätemedizin

Autor:
Veronika Schlimpert

Die Zahl an Spenderherzen sinkt weiter und hat 2017 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Auf der anderen Seite erkranken immer mehr Patienten an einer Herzinsuffizienz. Auswege aus diesem Dilemma wurden auf der DGK-Jahrestagung aufgezeigt.

Die Herztransplantation bleibt der Goldstandard in der Therapie der Herzinsuffizienz im Endstadium. „Deutschland steht allerdings ganz hinten in Europa, was die Verfügbarkeit von Spenderorganen betrifft“,  erinnerte Prof. Friedhelm Beyersdorf auf einer Pressekonferenz anlässlich der DGK-Jahrestagung in Mannheim. Als Therapieoption bleibt für die vielen Patienten auf der Warteliste daher oft nur die Gerätemedizin. Trotz der immer ausgereifteren Technik haben die verfügbaren Devices aber immer noch mit Problemen zu kämpfen, die deren Einsatz limitieren.

Neuer Tiefpunkt bei den Spenderzahlen

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland nur 248 Herztransplantationen vorgenommen, noch weniger als 2016, als 298 Spenderorgane transplantiert worden sind. Damit sei ein neuer Tiefpunkt erreicht, so Beyersdorf. 

Seiner Ansicht gibt es für den Organspendemangel drei Gründe: die hierzulande der Organspende entgegengebrachte negative Grundstimmung, die zu geringe Anzahl an Transplantations-Koordinatoren und die fehlende Entlohnung von Personal und Ressourcen in den Krankenhäusern, die die Transplantationen durchführten.

Auf der anderen Seite stehen dem akuten Organmangel eine wachsende Anzahl an Menschen gegenüber, die an ­­einer Herzinsuffizienz im Endstadium erkrankt sind; einmal, weil heute deutlich mehr Menschen einen Herzinfarkt überleben und zum anderen, weil sich die Therapie der Herzinsuffizienz derart verbessert hat, dass die Patienten heute deutlich länger leben. „Die Erkrankung hat sich deshalb zur neuen Volkskrankheit entwickelt“, berichtete Beyersdorf.

Kabel bleibt das Hauptproblem bei LVADs

Es besteht somit ein Bedarf an Therapiemöglichkeiten abseits der Herztransplantation. Eine bei der Herzinsuffizienz wirksame devicebezogene Therapieoption sind Beyersdorf zufolge die Dreikammerschrittmacher-Systeme. Da diese Geräte in der Lage sind, den rechten und linken Ventrikel zu stimulieren, können sie bei einigen Patienten sogar eine Verbesserung der Herzfunktion bewirken.

Für Patienten im Endstadium können heute sog. Kunstherzen eingesetzt werden, wobei dieser Begriff Beyersdorf zufolge „irreführend“ ist. Denn im eigentlichen Sinn handelt es in den meisten Fällen um ein Herzunterstützungssystem. Am häufigsten zum Einsatz kommen linksventrikuläre Assist-Devices (LVAD). 

„Das Hauptproblem bei diesen Systemen ist das Kabel, das über den Bauch nach außen geführt wird“, so Beyersdorf. Dieses berge die Gefahr für Infektionen und beeinträchtige das alltägliche Leben der Patienten, beispielsweise beim Duschen, da es dann abgedeckt werden muss. Eine Lösung für dieses Problem ist momentan nicht in Sicht. Die Hersteller hätten in den letzten Jahren immer wieder ein kabelloses Herzunterstützungssystem in Aussicht gestellt. Doch aufgrund des Fehlens einer geeigneten Batterie sind diese Anstrengungen bisher nicht von Erfolg gekrönt.

„Echtes“ Kunstherz mit IT-Problemen

Das einzige „echte“ Kunstherz, das momentan zugelassen ist, ist das „Cardio West“-System. Eingesetzt wird dies aber nur in sehr seltenen Fällen, beispielsweise bei Patienten, deren Herzkammern aufgrund eines Herzinfarktes derart geschädigt sind, dass LVADs nicht verwendet werden können, oder bei Patienten, deren transplantiertes Herz abgestoßen wurde. Die wenigen Patienten, deren Herz durch ein solches Kunstherz ersetzt wurde, haben allerdings nicht sehr lange überlebt, berichtete Beyersdorf. 

Darüber hinaus gibt es bei dem Cardio West-System derzeit Probleme mit der IT, weshalb es der am Universitätsklinikum in Freiburg tätige Herzchirurg momentan nicht verwenden würde. Ein in Deutschland entwickeltes vollimplatierbares Kunstherz-System, das auf dem Weg zur Markreife ist, ist das ReinHeart.

Wie sich die Zahl der Spenderorgane erhöhen lässt

Eine vielversprechende Möglichkeit, die Zahl der Spenderorgane erhöhen, eröffnet sich durch den Einsatz des sog. Organ Care-Systems (OCS). Bei diesem transportablen Medizinprodukt handelt es sich um eine Art „Intensivstation für das Herz“, das die entnommenen Spenderherzen während des Transports durchgehend mit Blut versorgt. Wie Beyersdorfer ausführte, entfällt dadurch der Druck, den Transport so schnell wie möglich durchzuführen. Dadurch sind auch längere Transportwege innerhalb Europas kein Hindernis mehr, eine Herztransplantation vorzunehmen.

„Der große Vorteil dieses System ist darüber hinaus, dass auch Herzen entnommen werden können, bei denen man sich nicht sicher ist, ob diese für eine Transplantation geeignet sind“, führte der Herzchirurg aus. Denn die Herzen können in dem OCS auf ihre Eignung getestet und sogar behandelt werden. Beispielsweise kann bei einer bestehenden Koronarstenose eine Koronarangiografie gemacht werden. Die Hoffnung sei, dass durch Einsatz des OCS von den angebotenen Organen weniger verworfen, also mehr verwendet werden können, resümierte Beyersdorf.

Literatur

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