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06.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Neue Metaanalyse

TAVI-Prozeduren: Zerebraler Embolieschutz senkt das Schlaganfall-Risiko

Autor:
Peter Overbeck

Ergebnisse einer neuen Metaanalyse sprechen dafür, dass  sich das Risiko für periprozedurale Schlaganfälle bei kathetergestützten Aortenklappen-Implantationen mithilfe eines zerebralen Protektionssystems signifikant reduzieren lässt.

Bei der Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) besteht die Gefahr, dass durch die notwendige mechanische Manipulation am verkalkten Klappenanulus  makroskopische Partikel freigesetzt werden, die ins Gehirn wandern und dort ischämische Läsionen  bis hin zu  manifesten Schlaganfällen verursachen.   Klinisch stumme Hirnläsionen konnten in Studien mit bildgebenden Verfahren nach  TAVI-Eingriffen  bei fast allen Patienten nachgewiesen werden.

Barriere an hirnzuführenden Gefäßen

Mithilfe spezieller Protektionssysteme wird versucht, solchen Hirnläsionen bei TAVI-Prozeduren vorzubeugen.  Ein Beispiel ist das  Sentinel™ Cerebral Protection System (CPS), ein Doppelfilter-System des US-Herstellers Claret Medical, das es ermöglicht, Emboliepartikel während des TAVI-Eingriffs an den hirnzuführenden Gefäßen aufzufangen und zu bergen.

Mit diesem System kann die Rate an Schlaganfällen in den ersten Tagen nach einer TAVI-Prozedur offenbar um mehr als 60% reduziert werden. Das geht aus einer neuen Metaanalyse hervor, die sich auf Daten von mehr als 1000 Patienten mit TAVI stützt. PD Dr. Julia Seeger vom Universitätsklinikum Ulm hat die Ergebnisse in der „Hotline“-Sitzung bei der DGK-Jahrestagung 2018 in Mannheim vorgestellt.

Gute Erfahrungen am Universitätsklinikum Ulm

Am Universitätsklinikum Ulm wird das zerebrale Protektionssystem Sentinel schon seit längerem bei TAVI-Eingriffen routinemäßig verwendet. Ihre Erfahrung  mit diesem System bei rund 800 Patienten mit transfemoraler TAVI hat die Ulmer Arbeitsgruppe  um Professor Jochen Wöhrle bereits in einer beim letztjährigen DGK-Kongress präsentierten und inzwischen publizierten monozentrischen Studie dokumentiert.

Mangels Randomisierung  sind dabei per „Matching“ (propensity score matching) zwei in Basisvariablen wie STS-Score, Vorhofflimmern, Klappentyp, Geschlecht und Diabetes weitgehend übereinstimmende Gruppen mit und ohne zerebrale Protektion generiert und verglichen worden.  Ergebnis: Sowohl die kombinierte Rate für Todesfälle und Schlaganfälle (2,1% vs. 6,8%) als auch die Rate für jegliche Schlaganfälle (1,4% vs.4,6%) waren in der Gruppe mit zerebralem Embolieschutz signifikant niedriger als in der ungeschützten Gruppe. Die relative Risikoreduktion betrug 69% respektive 70%.

Metaanalyse bestätigt signifikante Risikoreduktion

Inzwischen  haben die Ulmer Untersucher ihre Analyse zu einer Metaanalyse erweitert. Zusätzlich zu den eigenen Daten flossen darin auch die Daten der randomisierten SENTINEL-Studie ein. Daran waren 363 Patienten mit TAVI beteiligt, von denen 244 einer Klappenimplantation mit zerebralem Embolieschutz unterzogen worden waren. Insgesamt  liegen der von Seeger in Mannheim vorgestellten Metaanalyse somit Daten von 1163 Patienten (davon 519 ohne und 644 mit Protektion) zugrunde – was sie zur bislang umfangreichsten Analyse zur zerebralen Protektion bei TAVI macht.

Primärer Endpunkt waren periprozedurale Schlaganfälle in den ersten drei Tagen nach TAVI. Wie Seeger berichtete, war die entsprechende Ereignisrate in der Gruppe mit Protektion signifikant um 64% niedriger als in der Vergleichsgruppe ohne Protektion (2,02% vs. 4,82%, p=0,0031). Für den kombinierten Endpunkt aus Mortalität und Schlaganfall ergab sich eine relative Risikoreduktion um 66% (2,17 vs. 5,39%, p=0,0021).

Literatur

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