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06.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Extremes Übergewicht

Übergewichtige erhalten in Deutschland zu selten einen Magen-Bypass

Autor:
Veronika Schlimpert

Extremes Übergewicht ist mit Lebensstilmaßnahmen kaum mehr in den Griff zu bekommen. Oft hilft dann nur eine Adipositas-Chirurgie. Doch in Deutschland werde diese Therapie viel zu selten angewandt, kritisiert ein Experte, und appelliert an die Krankenkassen.

„In Deutschland werden viel zu viele Anträge auf einen Magenbypass aus skurrilen Gründen von den Krankenkassen abgelehnt“, bemängelte Prof. Dieter Birk auf einer Pressekonferenz anlässlich der 84. DGK-Jahrestagung in Mannheim. Im internationalen Vergleich sei Deutschland diesbezüglich mit einem Entwicklungsland gleichzusetzen. In Belgien, der Schweiz oder Schweden werden solche Eingriffe etwa 30 Mal häufiger vorgenommen.

Willkürliche Vergütung

Die Vergütung hierzulande ist Birk zufolge meist vollkommen willkürlich. Dabei ist die Adipositas-Chirurgie eine von den Leitlinien extrem übergewichtige Patienten (BMI: ≥40 kg/m²) empfohlene Therapie. Und diese Therapie müsse den Patienten zugänglich gemacht, betonte der Vorsitzende der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Adipositas-Therapie und metabolische Chirurgie.

Konservative Therapie meist erfolglos

Denn Studien zeigen, dass Menschen, die in einem Alter zwischen 20 und 40 Jahren an einer Adipositas erkrankt sind, im Schnitt 20 Jahre früher versterben. „Eine Adipositas ist in diesem Zustand mit konservativen Methoden wie Ernährungs-  und Bewegungsprogrammen kaum bis gar nicht mehr zu behandeln“, so Birk. 

Als ultimo ratio bleibt dann oft nur die Adipositas-Chirurgie. Dadurch lässt nicht nur nachweislich das Gewicht dauerhaft senken, ein Magenbypass wirkt sich auch auf den Blutzuckerspiegel und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie den Blutdruck positiv aus.

Bürokratische Hürden in Deutschland

Bis zur Genehmigung dieser Therapieform ist es in Deutschland allerdings ein langer bürokratischer Weg. Eine Zusage erreichen viele Patienten erst über den Klageweg; in neun von zehn Fällen bekommen sie vor dem Sozialgericht Recht. Exemplarisch für einen fadenscheinigen Ablehnungsgrund nennt Birk eine Pilzinfektion in der Hautfalte des Patienten. Im Gutachten sei auf das Infektionsrisiko hingewiesen worden.

Was sich ändern muss

Birk führte aus, was sich in Deutschland ändern muss, damit in Zukunft mehr Menschen mit Adipositas eine leitliniengerechte Therapie angeboten werden kann. „Die Adipositas muss als eigenständige Erkrankung in den Versorgungsatlas der Krankenkassen aufgenommen werden.“  Die Therapie müsse den Patienten in der Regelversorgung wohnortsnah und bedarfsgerecht angeboten werden.

Wichtig für den langfristigen Therapieerfolg ist seiner Ansicht nach vor allem die lebenslange Nachbetreuung. „Bei einem adipösen Menschen ist es im Prinzip wie bei einem trockenen Alkoholiker“, veranschaulichte er die Notwendigkeit. In den meisten Fällen ist nach dem Eingriff eine Supplementierung von Vitaminen und Spurenelementen erforderlich.  

Literatur

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