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16.04.2019 | DGK-Jahrestagung 2019 | Nachrichten

Kardiologenkongress in Mannheim

„Kardiovaskuläre Inflammation“ ist das Motto für die DGK-Frühjahrstagung 2019

Interviewt wurde:
Prof. Dr. Stephan Baldus

Uniklinik Köln

DGK-Kongresspräsident Prof. Stephan Baldus von der Uniklinik Köln betont im Interview mit Prof. Tienush Rassaf aus Essen zentrale Herausforderungen für die Zukunft der Kardiologie: Nachwuchsförderung, Versorgungsforschung und Qualitätssicherung.

Was hat Sie dazu bewegt, für das Amt des Kongresspräsidenten zu kandidieren?

Prof. Stephan Baldus: Nun, ich habe mich ja nicht aktiv beworben, sondern bin gefragt worden, ob ich mich zur Wahl aufstellen lassen würde. Meine Wahl habe ich dann als sehr ehrenvoll empfunden. Die Jahrestagung unserer Fachgesellschaft ist ja nicht nur aufgrund ihrer stetig wachsenden Größe und mittlerweile internationalen Sichtbarkeit von so großer Bedeutung. Sie illustriert meines Erachtens auch in besonderer Weise den Geist und die Ausrichtung der DGK.
Es treffen sich alle an der Herz- und Kreislaufmedizin Interessierten unter einmal Dach: Grundlagen- genauso wie Versorgungsforscher, Epidemiologen, und klinisch aktive Wissenschaftler erhalten hier ein Forum. Die Diskussion aktueller Leitlinien mit niedergelassenen und klinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Nachwuchsförderung sind Charakteristika dieser Tagung. Und mein Eindruck ist, dass dies immer in einer besonders freundschaftlich-kollegialen und konstruktiven Atmosphäre stattfindet.

Was waren Ihre Ziele für die DGK-Jahrestagung 2019 und inwieweit sehen Sie diese erreicht?

Baldus: Ich denke, es ist der Programmkommission erneut gelungen, ein besonders attraktives Kongressprogramm zu erstellen. Über 270 Sitzungen insgesamt, darunter die beliebten Leitliniensitzungen, solche für den wissenschaftlichen Nachwuchs, die attraktiven Sitzungen der AGIK und der AG Rhythmologie, Sitzungen zu Publikations-Highlights und den wichtigsten neuen klinischen Studien. An dieser Stelle möchte ich dem Team um Prof. Maier ganz herzlich danken!
Wesentliche Voraussetzung für das Erstellen eines attraktiven Programms sind natürlich die Originalbeiträge – und wir sind alle sehr erfreut darüber, dass es erneut eine so große Zahl an eingereichten Abstracts gegeben hat. Besonders erwähnenswert ist, dass wir wieder eine Vielzahl internationaler Kolleginnen und Kollegen begrüßen dürfen, dieses unterstreicht die mittlerweile so große Bedeutung des Kongresses auch über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Wie kam das Kongressthema „Kardiovaskuläre Inflammation“ zustande? Und wie schätzen Sie die Bedeutung der Inflammation für die Herz-Kreislauf-Medizin in Zukunft ein?

Baldus: Trotz seiner Größe und Vielschichtigkeit darf der Kongress weiterhin unter einem Thema firmieren – das finde ich bemerkenswert. Ich beschäftige mich seit meiner Zeit als Postdoc mit der Leukozytenbiologie; die Frage, durch welche Mechanismen Leukozyten nicht nur Arteriosklerose, sondern auch Arrhythmien, Herzinsuffizienz oder pulmonale Hypertonie aggravieren, bleibt ja auch 2019 nur in Teilen verstanden.
Und ob in Zukunft antiinflammatorische pharmakologische Therapien besser sein werden als die zuletzt untersuchten, wird ein spannender Diskussionspunkt. Ich bin sehr dankbar, dass eine große Zahl renommierter Wissenschaftler aus dem In- und Ausland zu diesen Themen referieren wird – ich freue mich auf diese Sitzungen!

Was gibt es Neues bzw. Besonderes bei der diesjährigen Jahrestagung?

Baldus: Die Programmkommission und auch die Geschäftsführung waren auch diesmal wieder der Motor, die Veranstaltung weiter zu entwickeln und noch attraktiver zu machen. Konkret wird es eine Reihe von Neuerungen geben:
Wir werden erstmals ein Live-Streaming und damit eine Internetverfügbarkeit wesentlicher Sitzungen anbieten können. Das ist besonders attraktiv für die Kolleginnen und Kollegen , die nicht oder nicht die gesamte Zeit den Kongress besuchen können. Diese Sitzungen werden aber auch zeitversetzt abrufbar sein. Wir sind gespannt auf das Echo der Kongressbesucher. Ferner werden wir erstmals sogenannte „Science Boxes“ im Posterbereich einrichten. Hier gibt es ganz unkompliziert für die Zuhörer Kurzvorträge in einem offenen Sitzungsdesign.
Auch die Zahl der Vorsitzenden für die Posterpräsentationen haben wir erhöht, um die Bedeutung dieser Sitzungen gerade für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstreichen. All diese Innovationen hat die Programmkommission zusammen mit der Geschäftsführung entwickelt – ihnen beiden gilt hierfür mein ganz besonderer Dank.

Welche Herausforderungen sehen Sie im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin auf uns zukommen? Inhaltlich, und auch strukturell oder personell?

Baldus: Ich sehe die Hauptaufgabe für uns, die Attraktivität unseres Faches für unseren Nachwuchs zu erhalten. Das scheint zunächst einmal einfach, bietet doch die Herz-Kreislauf-Medizin wie kein anderes Fach die Möglichkeiten unterschiedlichster Ausrichtung – wir können es in Mannheim wieder sehen: Sei es Grundlagenforschung oder das faszinierende Gebiet kathetergestützter Therapien von Arrhythmien, vaskulären Erkrankungen oder und gerade auch strukturellen Herzerkrankungen, um nur ein paar wenige Gebiete zu nennen.
So thematisch breit unser Fach damit geworden ist, so wichtig erscheint es mir, den Nachwuchs nicht mit dem Anspruch zu überfordern, alles abdecken zu müssen. Wir müssen intelligente Curricula, die eine Spezialisierung erlauben und durchlässig bleiben entwickeln, genauso wie Klinikstrukturen, die den einzelnen Bereichen unseres Faches genug Raum geben, um für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben.

Wo sehen Sie besondere Aufgaben der DGK, um diese Herausforderungen zu meistern?

Baldus: Die DGK hat hier sicherlich „Schrittmacherfunktion“. Aus- und Weiterbildung, die Rekrutierung von wissenschaftlichem Nachwuchs aber auch das Formulieren von Interessen und Bedürfnissen Niedergelassener, klinisch und wissenschaftlich Tätiger bei den politischen Entscheidungsträgern müssen wir weiter voranbringen.
Die DGK hat hier schon eine Menge erreicht und wird ernst genommen. Die Aktivitäten und die Attraktivität der Akademie sind hier ein gutes Beispiel. Aber auch die Initiativen zu Versorgungsforschung und Qualitätssicherung sind wichtige Voraussetzungen, das Fach weiter zu stärken. Und das bleibt auch in Zukunft eine zentrale Aufgabe der DGK.

Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema, das uns alle beschäftigt. Was können wir anders bzw. besser machen?

Baldus: Wie schon eben erwähnt, halte ich die Rekrutierung und Ausbildung des Nachwuchses für eine zentrale Herausforderung unseres Faches. Was macht die Kardiologie so interessant? Es ist meines Erachtens eine einzigartige Diversität: Grundlagenforschung, konservative Medizin, Notfallmedizin, operativ-interventionelle Tätigkeiten, Bildgebung – das ist sicher hochattraktiv für einen jungen Mediziner.
Aber es darf nicht als Bürde verstanden werden, alles beherrschen zu müssen. Der Breite des Faches muss durch entsprechende Spezialisierungsmöglichkeiten in der Ausbildung begegnet werden. Und trotzdem sollte das alles unter einem Dach bleiben – mit und durch die DGK.

Gibt es etwas, was Sie in Ihrer Laufbahn/Ausbildung rückblickend anders gemacht hätten?

Baldus: ...Eine schwere Frage. Ein anderes Fach hätte ich sicher nicht wählen wollen. Eine besonders wichtige Zeit für mich waren die beiden Jahren als Postdoktorand im Labor von Bruce Freeman in Birmingham/Alabama. Das hat nicht nur eine Menge Spaß gemacht, sondern war auch ein zentraler Teil meiner Ausbildung – vielleicht hätte ich auch noch ein Jahr länger in den Südstaaten bleiben können. Aber meine Frau wollte zurück nach Deutschland zu ihren Hamburger Grundschülern – also war diese Entscheidung wahrscheinlich dann doch die richtige ...

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