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30.04.2019 | DGK-Jahrestagung 2019 | Nachrichten

Neue ESC-Leitlinien

Beratung herzkranker Frauen mit Kinderwunsch reduziert Komplikationen

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

2018 wurden die ESC-Leitlinien zum Management kardiovaskulärer Erkrankungen in der Schwangerschaft überarbeitet. Es gibt jetzt eine klare WHO-Klassifizierung in vier Risikogruppen und generelle Empfehlungen, aber auch noch Optimierungsbedarf.

„Zur Behandlung Schwangerer mit kardiovaskulären Erkrankungen gibt es immer noch Lücken in der Evidenz, wir haben viel zu wenige Daten und das Thema verdient mehr Aufmerksamkeit,“ konstatierte Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Direktorin des „Gender in Medicine“ an der Charité  Universitätsmedizin Berlin bei einer Pressekonferenz am 26. April bei der DGK-Jahrestagung in Mannheim.

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 785.000 Schwangerschaften, und die Müttersterblichkeit betrug bei Schwangeren mit Hypertonie 5,7 Prozent. Hypertensive Erkrankungen liegen bei 5 bis 10 Prozent der Schwangeren vor, andere  kardiovaskuläre Erkrankungen betreffen hierzulande jährlich 10.000 bis 30.000 schwangere Frauen. Daten des niederländischen Registers ROPAC von 6.000 schwangeren Frauen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen, dass diese in 57 Prozent der Fälle genetische Ursachen hatten.

Ohne Beratung mehr Komplikationen

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus diesen Daten ist, dass die betroffenen Frauen, die vor ihrer Schwangerschaft nicht medizinisch beraten worden waren, doppelt so hohe Komplikationsraten aufwiesen. Das lässt sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf Deutschland übertragen, vergleichbare Zahlen fehlen aber leider.

Die aktualisierte ESC-Leitlinie fordert deshalb, alle Frauen vor einer Schwangerschaft zu untersuchen und zu beraten, bei denen bekannte angeborene Herzfehler vorliegen oder die bekannte oder vermutete Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Aorta haben. Und zwar am besten durch das „Pregnancy Heart Team“, ein interdisziplinäres Team, dem Gynäkologen, Anästhesisten, Herzchirurgen, Neonatologen angehören und das in entsprechenden Zentren gemäß der Leitlinie etabliert werden soll.

Ein klares System geschaffen

Mit der modifizierten WHO-Klassifizierung konnte inzwischen immerhin ein klares und gut nachvollziehbares System geschaffen werden, das es bei einer entsprechenden Beratung zu nutzen gilt. Darin werden mütterliche kardiale Ereignisraten, Beratungsnotwendigkeit, Versorgungsbedarf während der Schwangerschaft, Mindesthäufigkeiten für Follow-up-Untersuchungen und Empfehlungen für die Wahl der Geburtseinrichtung bewertet, anhand derer dann die Risikoklassifizierung und -definition erfolgt. Auch Art, Schwere und bisherige Therapie bestimmter Herzerkrankungen lassen sich diesem Schema zuordnen. Mechanischer Klappenersatz ist beispielsweise keine Kontraindikation für eine Schwangerschaft, bedarf aber als Risikoschwangerschaft unbedingt einer guten fachlichen Beratung.

Bei den Empfehlungen zur medikamentösen Therapie, fehlen nach wie vor belastbare Studiendaten, etwa 200 Arzneimittel wurden inzwischen basierend auf einer FDA-Klassifikation zumindest bzgl. ihrer Sicherheit bewertet, eine Tabelle dazu ist zu finden in der Publikation der Leitlinie im European Heart Journal unter: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy340.

Bromicriptin bei peripartaler Kardiomyopathie

Neu ist, dass die Gabe von Bromocriptin bei peripartaler Kardiomyopathie erwogen werden kann (IIb-Empfehlung). Insbesondere bei Bluthochdruck während der Schwangerschaft gibt es jedoch noch viel zu klären, evidenzbasierte Grenzwerte für den Therapiebeginn fehlen, so Regitz-Zagrosek. Denn die einzige Studie mit ausreichenden Nachuntersuchungen (7,5 Jahre) wurde vor ca. 40 Jahren mit alpha-Methyldopa durchgeführt, das neben Betablockern und Kalziumantagonisten immer noch zu den antihypertensiven First-Line-Medikamenten in der Schwangerschaft gehört, so die Expertin.

Wir brauchen dringend mehr Studien, damit wir Schwangere mit kardiovaskulären Erkrankungen künftig noch besser behandeln können, resümierte Regitz-Zagrowitz, die auch Erstautorin der aktualisierten Leitlinie ist.

Literatur

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