Nachrichten 24.04.2019

DGK fordert nationale Initiative „Kampf dem Herztod“

Nach dem Beispiel der von der Bundesregierung jüngst ausgerufenen Initiative „Dekade gegen Krebs“ fordert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) nun auch eine „Nationale Initiative gegen den Herztod“.

Ungeachtet aller bisher in der Herzmedizin erzielten Erfolge sei es höchste Zeit für eine nationale gesundheitspolitische Strategie zur Vermeidung des Herztodes, erklärte DGK-Präsident Prof. Hugo Katus aus Heidelberg auf der Eröffnungs-Pressekonferenz zur DGK-Frühjahrstagung in Mannheim. 

Nach seiner Ansicht hat die Politik mit der von ihr initiierten „Dekade gegen Krebs“ ein vorbildliches Beispiel dafür geliefert, was getan werden kann, um eine Erkrankung zu bekämpfen, die einen erheblichen Anteil an der Sterblichkeit in der Bevölkerung hat.

„Man hat das Herz vergessen“

Seinem Lob ließ Katus allerdings gleich Kritik folgen. Sein Vorwurf in Richtung Politik: „Man hat das Herz vergessen“.  Der DGK-Präsident verwies auf die Koalitionsvereinbarung zwischen  CDU/CSU und SPD von 2018, in der beim Thema Gesundheitsfürsorge zwar von einer gezielten Bekämpfung von „Krebs, Demenz und psychischen Störungen“ die Rede sei, nicht aber von einer entsprechenden Initiative gegen kardiovaskuläre Erkrankungen. 

Darüber kann Katus sich nur wundern. Nach seiner Einschätzung  existiert ein krasses Missverhältnis zwischen der Bedeutung der Herzerkrankungen für die Bevölkerung und dem Willen der Politik, hier durch eigene Anstrengungen für Verbesserungen zu sorgen. 

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind häufigste Todesursache 

Es gebe „kritische Signale“, die „besorgniserregend“ seien. So erinnerte Katus daran, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem Anteil von 37,2%  im Jahr 2016  weit vor den Krebserkrankungen (25,3%) die Liste der häufigsten  Todesursachen anführten. Jährlich sterben rund 100.000 Menschen mehr an kardiovaskulären Erkrankungen als an Krebserkrankungen, erinnerte Katus. 

Und es sehe nicht danach aus, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas werde. Im Gegenteil: Projektionen bezüglich der Haupttodesursachen in Europa ließen erwarten, dass die kardiovaskulär verursachte Mortalität in Zukunft sogar noch zunehmen könnte. Umso mehr Anlass zur Sorge bietet deshalb nach Ansicht von Katus die derzeitige Situation in der Herzforschung: Während in die Entwicklung von kardiovaskulär wirksamer Produkten tendenziell weniger investiert werde, seien im Bereich der onkologischen Forschung deutliche Zuwächse zu beobachten. 

Stiefmütterliche Forschungsförderung 

Dieses Missverhältnis spiegle sich auch in der Forschungsförderung durch Bund und Länder wider. So seien etwa von den Mitteln, die von der Helmholtz-Gemeinschaft für medizinische Forschung im Jahr 2018  vergeben worden sind, nur 7% für den Bereich Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen ausgegeben worden. Auch bei der Forschungsförderung durch das European Research Council werde die Herzforschung nur mit einem Bruchteil dessen bedacht, was für den Kampf gegen den Krebs veranschlagt werde. 

Katus sprach auch aus seiner Sicht bestehende „grundsätzliche Probleme“ bezüglich stationärer kardiologischer Leistungen an. So sei die Kardiologie in besonderem Maß von kontinuierlichen Investitionen in teure Medizintechnik abhängig. Einem hohen Anteil an technischer und apparativer Ausstattung  stehe allerdings eine ungenügende Gegenfinanzierung der Investitionen durch die Länder gegenüber. Er beklagte zudem die „hohe Reduktion der sachkostenanteiligen Vergütung in den Fallpauschalen ohne Kompensationsmöglichkeit“ und die Absenkung der Sachkostenvergütung durch Optimierungszwang. Investitionshemmnisse entstünden auch durch komplexe und mit großen Zeitverzögerungen einhergehende Regelungen bei der Einführung neuen  Methoden. 

„Wir brauchen dringend mehr Förderung fundierter Forschung und bessere Strukturen, um die Forschungsergebnisse in den klinischen Alltag zu transportieren“, resümierte Katus.  Nur so könne man  Patienten mit Herzerkrankungen optimal nach neuesten Erkenntnissen behandeln. Deshalb wolle die DGK  „die Herzen der Politiker und aller Menschen in Deutschland dafür gewinnen“, eine Initiative zur noch konsequenteren Bekämpfung  von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf den Weg zu bringen.

Literatur

Eröffnungs-Pressekonferenz bei der 85. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Mannheim, 24. bis 27. April 2019

Neueste Kongressmeldungen

Reanimation bei Herzstillstand: Frühe ECMO erhöht Überlebensrate

Durch frühe Einbindung der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) in die kardiopulmonale Reanimation bei Patienten mit Herzstillstand und refraktärem Kammerflimmern werden deren Überlebenschancen deutlich verbessert, legen Daten einer randomisierten Studie nahe.

Expertenstreit: Ist positive Fischöl-Studie in Wirklichkeit „falsch positiv“?

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren (“Fischöl”) hat als kardiovaskuläre Präventionsstrategie in Studien erneut enttäuscht. Daran hat sich eine Kontroverse über eine Ausnahme-Studie entzündet, der zufolge diese Strategie von hohem kardioprotektiven Nutzen ist.

Neuer Lipidsenker wirkt, wenn nichts mehr zu wirken scheint

Was tun, wenn das LDL-Cholesterin selbst unter PCSK9-Inhibitoren nicht den Zielwert erreicht? Ein neuer Lipidsenker könnte bei einer solchen refraktären Hypercholesterinämie womöglich die letzte Option sein.   

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges ungewöhnliches und spannendes zu berichten. 

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

TCT-Kongress 2020

Die weltgrößte Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie fand dieses Jahr virtuell vom 14.–18.10. 2020 statt. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Kongressdossier. 

Bildnachweise
AHA-Kongress 2020
AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
TCT 2020 virtuell