Nachrichten 25.04.2022

Neuer Praxisleitfaden: So sollten Wearables zur Arrhythmie-Detektion eingesetzt werden

Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern sind schwer dingfest zu machen, wenn sie selten auftreten. Hier können heute Smartwatches und Fitnessarmbänder weiterhelfen. Doch wie sollten solche Devices im Praxisalltag eingesetzt werden? Ein neuer Praxisleitfaden der EHRA gibt konkrete Hilfestellung.

Wenn in der Herzmedizin von Wearables gesprochen wird, dann ist von kleinen vernetzten Computern die Rede, die am Körper getragen werden und Körperfunktionen dauerhaft messen. Fitnessarmbänder oder -uhren gehören dazu, sie überwachen unter anderem Herzfrequenz und -rhythmus.

Verwendet werden dabei zwei unterschiedliche Technologien, berichtete die Kardiologin Prof. Birgit Aßmus vom Universitätsklinikum Gießen bei der DGK-Jahrestagung. Zum einen die Photoplethysmografie (PPG), bei der Infrarotlicht auf die Haut gestrahlt und die Reflexion gemessen wird. Die Reflexion verändert sich in Abhängigkeit von der Gewebedurchblutung, die wiederum vom Puls abhängt. Es wird eine Pulswelle generiert und eine Herzfrequenz abgeleitet, Arrhythmien werden über Algorithmen detektiert.

Andere Wearables verfügen über Elektroden und können 1- bis 6-Kanal-EKGs ableiten. Die PPG-basierten Technologie haben ihre Stärke vor allem im Ausschluss von Rhythmusstörungen. Die EKG-basierten Devices hingegen können diagnostisch verwendet werden und haben dadurch Vorteile. Im Vergleich zu Langzeit-EKGs oder wiederholten EKG-Ableitungen haben die tragbaren Devices den Vorteil, dass sie einen sehr viel längeren Zeitraum erfassen. Im Vergleich zu implantierbaren Rekordern sind sie viel praktischer und bequemer.

Empfehlungen bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen

Doch trotz der wachsenden Bedeutung von Wearables für die Detektion von Rhythmusstörungen besteht noch Unsicherheit, was die konkrete Anwendung solcher Devices im Praxisalltag betrifft. Die European Heart Rhythm Association (EHRA) hat dazu nun einen Praxisleitfaden herausgebracht, der beim EHRA-Kongress vorgestellt und zeitgleich in der Fachzeitschrift Europace publiziert worden ist (https://doi.org/10.1093/europace/euac038). Aßmus erörterte bei der DGK-Jahrestagung die wichtigsten Empfehlungen.

Wenn eine Patientin oder ein Patient über gelegentliche Symptome berichtet, die an eine Rhythmusstörung denken lassen, dann besagen die Leitlinien folgendes:

  • Die EKG-basierten Wearables sind geeignet, eine Korrelation zwischen Symptomen und Rhythmusstörungen aufzudecken.
  • Bei paroxysmalen Rhythmusstörungen können sie als „Event-Rekorder“ dienen, um die Rhythmusstörung zu detektieren.
  • In der Diagnostik sind EKG-basierte Technologien den PPG-Geräten vorzuziehen.

Aßmus wies darauf hin, dass der Einsatz dieser Technologien an Voraussetzungen gebunden ist. Der Patient/die Patientin muss dafür geeignet sein, mit den Smart Watches umgehen können, der Patient muss das Ziel der Maßnahme verstehen und wissen, was zu tun ist, wenn z.B. ein Alarm ausgelöst wird. EKG-basierte Systeme setzen ein höheres Digital-Verständnis voraus.

Empfehlungen zum Screening auf Vorhofflimmern

Wearables bieten sich aber nicht nur als Diagnostik-Tool für symptomatische Patienten an. Aufgrund ihrer einfachen Anwendung taugen diese theoretisch auch als Screeningmaßnahme für Menschen ohne entsprechende Beschwerden. Von einer pauschalen Anwendung solcher Devices als Screening-Tool raten die EHRA-Experten jedoch ab. Stattdessen empfehlen sie, entsprechende Strategien sorgfältig einzusetzen und dabei Risiken und Nutzen eines Screenings abzuwägen.

Konkret wird in dem Leitfaden ein systematisches Screening mit Wearables empfohlen für

  • Patienten mit Schlaganfallanamnese,
  • Patienten in einem Alter über 75 Jahren,
  • Patienten in einem Alter zwischen 65 und 75 Jahren mit Komorbiditäten wie KHK, COPD, Diabetes, Herzschwäche, Hochdruck, Adipositas, Schlafapnoe oder chronischen Nierenerkrankungen.

Sowohl die PPG-basierten als auch die EKG-basierten Wearables seien für das systematische Screening geeignet, wobei Treffer von PPG-Geräten durch ein EKG bestätigt werden müssen, so Aßmus.

Für Personen in einem Alter von 65 bis 74 Jahren, die keine Begleiterkrankungen aufweisen, wird ein opportunistisches Screening empfohlen, das auch PPG-basiert sein kann. Für noch jüngere Patienten wird nur dann dazu geraten, wenn Begleiterkrankungen vorliegen.

Literatur

Pressekonferenz „Welche neuen Erkenntnisse gibt es?“ am 21. April 2022 bei der DGK-Jahrestagung 2022, 20. – 23. April, Mannheim.

Svennberg E et al. How to use digital devices to detect and manage arrhythmias: an EHRA practical guide, EP Europace 2022: euac038, https://doi.org/10.1093/europace/euac038

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