Nachrichten 23.10.2020

Mit digitalen Tools smart durch die Pandemie

Bleiben Sie zu Hause – das auch beim Patientenmonitoring während des Corona-Ausbruchs umzusetzen, könnte mit Smart Watches und ähnliche Devices gelingen, findet Dr. Farbod Sedaghat-Hamedani vom Universitätsklinikum Heidelberg.

„Limitation führt zu Innovation“ – mit diesem Motto eröffnet der Kardiologe Dr. Farbod Sedaghat-Hamedani vom Universitätsklinikum Heidelberg seinen Vortrag bei der DGK-Jahrestagung und den Herztagen. Schwierige Zeiten wie die Corona-Pandemie erfordern innovative Lösungen. Hier könne man sich digitale Tools zunutze machen.

Ein Problem der letzten Monate sei in vielen Ländern das Monitoring der Patienten gewesen. Wenn viele Menschen gleichzeitig in die Krankenhäuser drängen, führt das zu Überfüllung, nicht eingehaltenen Abstandsregeln, Chaos und überfordertem medizinischen Personal. Sedaghat-Hamedani ist überzeugt: „Hilfreich wäre ein gutes Monitoring, bevor sich die Patienten im Krankenhaus vorstellen, um zu entscheiden: Wer soll kommen und wer nicht?“

Bedarf an digitalen Tools ist da

Parameter wie Husten, Fieber, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz oder körperliche Aktivität der Patienten im Vorfeld zu kennen, würde diese Entscheidung erleichtern. Vor allem in der Phase von Beginn der Infektion bis zur Symptomatik oder stationären Aufnahme erfolgen pathophysiologische Veränderungen, erkennbar etwa an Temperatur, Herz- und Atemfrequenz. „Hier gibt es Bedarf an tragbaren Monitoring-Tools“, so der Kardiologe.

„Zu den von der FDA zugelassenen Produkten gehören etwa die Apple Watch, die EKGs und Herzfrequenzmessungen in guter Qualität liefert, genauso wie eine Uhr von Biobeat mit zugehörigem Klebesensor für die Brust, die zudem Herz- und Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Blutdruck wie in der intensivmedizinischen Versorgung kontrolliert“, erläutert Sedaghat-Hamedani.

Sensor misst Husten und Fieber

Es gebe auch einen extra für COVID-19 entwickelten tragbaren Sensor, mit dem sich Symptome des Virus erkennen lassen. Er wird auf den Hals geklebt und misst unter anderem Fieber und Hustenanzahl pro Stunde, sodass leichter über eine mögliche stationäre Aufnahme entschieden werden kann. Derzeit wird er in einer Studie des Shirley Ryan Ability Labs in Chicago getestet.

Auch wenn es noch wenige Studien gebe, sprechen bisherige Untersuchungen für die Genauigkeit der Apple Watch oder des mit einem Sensor ausgestatteten Polar Brustgurts. „Das sind etablierte Geräte, die man benutzen kann“, so Sedaghat-Hamedani. In der Apple Heart Studie wurde mithilfe der Apple Watch bei fast einem Drittel der Probanden noch nicht diagnostiziertes Vorhofflimmern entdeckt. Kritiker wiesen darauf hin, dass Fehlalarme noch zu häufig seien.

„Kritik ist wichtig, um Schwächen zu finden und zu verbessern. Sie sollte aber die Anwendung der Tools nicht blockieren. Wir brauchen weitere Studien“, fordert der Kardiologe. An zwei laufenden Untersuchungen am Heidelberger Institut für Cardiomyopathien ist er deshalb selbst beteiligt.

In der Corona Watch Studie werden Patienten mit COVID-19 mithilfe einer Apple Watch überwacht, indem sie regelmäßig EKGs schicken. Die Active-DCM-Studie untersucht, wie sich ein personalisiertes Sportprogramm auf Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie auswirkt, was auch durch Smart Devices kontrolliert wird. „Manchmal haben die von den Tools generierten EKGs sogar eine bessere Qualität als die Geräte auf den Stationen“, resümiert Sedaghat-Hamedani.


Info 

Alle Vorträge von der DGK-Jahrestagung/Herztagen können Sie unter folgendem Link weiterhin on demand anschauen: https://dgk.meta-dcr.com/jtht2020/

Literatur

Farbod Sedaghat-Hamedani: „Corona Watch and other smart device approaches”,16. Oktober 2020, bei der 86. Jahrestagung und Herztage 2020

Neueste Kongressmeldungen

Neuer Therapieansatz enttäuscht bei Patienten im kardiogenen Schock

Die Hoffnung, mit einem neuen, am Gefäßregulator Adrenomedullin ansetzenden Therapiekonzept die Behandlung von Patienten im kardiogenem Schock verbessern zu können, hat sich in einer Studie deutscher Kardiologen nicht erfüllt.

Blutdrucksenkung: Vierer-Kombi in niedriger Dosierung schlägt Monotherapie

Mit einer Fixkombination, die vier sehr niedrig dosierte Antihypertensiva in einer Kapsel vereint („Quadpill“), gelingt der Einstieg in eine blutdrucksenkende Therapie wesentlich besser als mit einer antihypertensiven Monotherapie, zeigt die QUARTET-Studie.

SGLT2-Hemmer schützt evtl. auch vor lebensbedrohlichen Arrhythmien

Die Wirkweise der SGLT2-Inhibitoren könnte sich noch um einen Aspekt erweitern. Dapagliflozin hat in einer Post-hoc-Analyse das Risiko für Rhythmusstörungen deutlich reduziert. Noch ist aber unklar, ob diese Wirkung auf direkten antiarrhythmischen oder indirekten Effekten beruht.

Neueste Kongresse

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Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) findet erneut als digitales Event statt vom 27. bis 30. August 2021. Vier neue Leitlinien werden präsentiert, 19 Hotline-Sessions könnten ebenfalls die Praxis verändern. In diesem Dossier berichten wir über diese und weitere Highlights.

HRS-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) hatte rhythmologisch einige zu bieten: neue Pacing-Methoden, provokative Ergebnisse in puncto Alkohol und Vorhofflimmern und vieles mehr. Seit langem fand ein Kongress mal wieder als Vor-Ort-Event statt, in diesem Fall trafen sich die Experten in Boston. Alle Sessions konnten aber auch virtuell verfolgt werden. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier.

EuroPCR-Kongress 2021

Einer der weltweit führenden Kongresse für interventionelle kardiovaskuläre Medizin – der EuroPCR – fand in diesem Jahr vom 17. bis 20. Mai 2021 virtuell statt. Die wichtigsten Studienergebnisse sind für Sie in diesem Dossier zusammengetragen. 

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

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Wie viel Alkohol pro Woche ist noch okay? Eine Frage, die für Ärzte aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse schwierig zu beantworten ist. Was das Risiko für Bluthochdruck betrifft, scheint schon ein moderates Trinkverhalten problematisch zu sein.

TAVI: Zerebrale Thromboembolien nur direkt danach nachweisbar

Ischämische Schlaganfälle sind gefürchtete Komplikationen nach einer TAVI. Doch wann besteht ein erhöhtes Risiko? In MRT-Untersuchungen aus Deutschland ließen sich zerebale Thromboembolien nur in einer bestimmten Phase nachweisen.

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In einer randomisierten Studie ergänzen ältere Menschen zwei Jahre lang ihre Ernährung täglich um eine Portion Walnüsse. Daraufhin verbessern sich ihre Cholesterinwerte – allerdings gibt es Geschlechterunterschiede.

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3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

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ESC-Kongress (virtuell)/© everythingpossible / stock.adobe.com
Digitaler HRS-Kongress 2021/© mandritoiu / stock.adobe.com
EuroPCR-Kongress 2021
DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg