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31.08.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Kardiovaskuläre Sicherheitsstudie

Diabetes-Therapie: Kein Herzinsuffizienzrisiko mit Sitagliptin

Autor:
Philipp Grätzel

Neue Daten aus der TECOS-Studie untermauern die kardiovaskuläre Unbedenklichkeit des DPP4-Hemmers Sitagliptin im Hinblick auf die Herzinsuffizienz. Auch bei vorbestehender Herzschwäche findet sich kein beunruhigendes Signal.

Die kardiovaskulären Sicherheitsstudien in der Diabetologie sind Folge der Debatten um Rosiglitazon. Besondere Aufmerksamkeit genossen dabei in letzter Zeit die DPP4-Hemmer. Hier gab es in der SAVOR-TIMI-53-Studie mit Saxagliptin signifikant mehr Einweisungen wegen Herzinsuffizienz. Beim primären kardiovaskulären Sicherheitsendpunkt zeigte sich dagegen kein bedenkliches Signal. Auch in der EXAMINE-Studie mit Alogliptin gab es einen Trend zu mehr Hospitalisierungen.

Beim Kongress der American Diabetes Association im Frühsommer wurde dann die TECOS-Studie mit Sitagliptin vorgestellt. An der Studie nahmen 14.671 Patienten mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulärer Erkrankung teil. Der mediane Follow-up-Zeitraum betrug drei Jahre und war damit länger als in den anderen DPP4-Hemmer-Studien.

Kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

Der primäre Endpunkt war ein Komposit aus kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichem Myokardinfarkt oder Schlaganfall sowie Hospitalisierung wegen instabiler Angina. Hier gab es wie in den SAVOR-TIMI-53- und EXAMINE-Studien eine Nichtunterlegenheit des Sitagliptins und damit keine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos.

Anders als in diesen Studien war die Rate der Einweisungen wegen Herzinsuffizienz in der TECOS-Studie bei DPP4-Hemmer-Therapie nicht erhöht. Dies wurde jetzt genauer ausgewertet. Die Daten wurden von Professor Frans Van de Werf von der Universität Leuven bei der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in London vorgestellt.

Auch bei vorbestehender Herzinsuffizienz kein ungünstiges Signal

So gab es nicht nur bei der Rate der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz (je 3,1% über drei Jahre), sondern auch bei der Zeit bis zur ersten Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz absolut keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Auch sei die Rate der Patienten mit mehr als einer Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz nicht unterschiedlich, so Van de Werf.

Interessant war natürlich die Analyse jener rund 2.600 Patienten in der TECOS-Studie mit vorbestehender Herzinsuffizienz. Hier lag die Hospitalisierungsquote über drei Jahre bei Therapie mit Sitagliptin bei 7,4%, gegenüber 7,0% in der Kontrollgruppe. Auch das war weit von jeder statistischen Signifikanz entfernt. „Wir können Sitagliptin unbedenklich einsetzen, ohne eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz befürchten zu müssen“, so Van de Werfs Schlussfolgerung.

Der Kardiologe präsentierte in London auch eine erste Metaanalyse der drei Gliptin-Studien. Zusammen ausgewertet errechnet sich eine wesentlich durch SAVOR-TIMI-53 getriebene, aber in Summe statistisch nicht signifikante 14%ige Risikoerhöhung für Einweisungen wegen Herzinsuffizienz (RR 1,14; 95%-CI 0,97-1,34); p=0,102.

Bleibt die Frage, warum die die drei Studien zwar im primären Endpunkt das gleiche Ergebnis lieferten, aber bei der Herzinsuffizienz unterschiedlich verliefen. Die Frage könne derzeit nicht beantwortet werden, sagte Van de Werf. Denkbar seien unterschiedliche Hintergrundtherapien, pharmakologische Unterschiede zwischen den Gliptinen oder schlicht Zufall.

Literatur

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