Nachrichten 02.11.2022

Monitoring bei Vorhofflimmern: Wie ist die Adhärenz bei mobilen EKG-Geräten?

Personen, die mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern die Notaufnahme aufgesucht hatten, sollten mithilfe eines stiftförmigen Devices vier Wochen lang selbstständig EKGs aufzeichnen. Das hat gut funktioniert, auch bei älteren Erkrankten.

Mobile Health Devices, meist Apps, die mit medizinischen Geräten oder Sensoren verbunden sind, ermöglichen, über eine räumliche Distanz hinweg medizinische Daten zu erfassen. Sie werden zunehmend eingesetzt, um den Gesundheitszustand von Patienten und Patientinnen mit Vorhofflimmern zu überwachen. Wie adhärent diese sind, wurde bisher jedoch wenig untersucht. Eine niederländische Studie hat jetzt eine hohe Adhärenz bei tragbaren EKG-Geräten ergeben.

Post-hoc-Analyse mit 335 Teilnehmenden

In der RACE-7-ACWAS-Studie (Rate Control versus Electrical Cardioversion Trial 7 – Acute Cardioversion versus Wait and See) wurde eine frühe und eine verzögerte Kardioversion bei Teilnehmenden mit neu aufgetretenem symptomatischem Vorhofflimmern verglichen. In einer Post-hoc-Analyse untersuchten Dr. Rachel van der Velden von der Universität Maastricht und ihr Team, wie gut sich Patientinnen und Patienten daran hielten, nach einem Besuch der Notaufnahme ein für vier Wochen verordnetes, mobiles EKG-Gerät zu benutzen.

Das stiftähnliche Device lässt sich auf beiden Seiten mit den Händen greifen, um EKGs aufzuzeichnen und potenzielle Vorhofflimmern-Episoden zu erkennen. 335 Teilnehmende mit früher oder verzögerter Kardioversion wurden gebeten, mit dem mobilen Device ihre Herzfrequenz und ihren Herzrhythmus über vier Wochen dreimal täglich für eine Minute und zusätzlich bei Symptomen zu messen. Die Forschenden bewerteten die Adhärenz, indem sie ermittelten, wie viele der angeforderten Aufzeichnungen auch durchgeführt worden waren.

Mediane Gesamtadhärenz von 83%

Die mediane Gesamtadhärenz aller Patienten und Patientinnen betrug rund 83%. 86% der Teilnehmenden nutzten das tragbare EKG-Gerät konsequent für mindestens eine Messung pro Tag. Median wurden sie 27 Tage lang damit überwacht, die mediane Anzahl der vollständigen Monitoring-Tage lag bei 16 von 27. Ältere Menschen und diejenigen mit Vorhofflimmern-Episoden während des Follow-ups waren adhärenter.

Bei Letzteren stieg die Adhärenz aber nicht kurz nach den Episoden, sondern war über die gesamte Nachbeobachtungszeit höher. Das könnte laut van der Velden et al. aber auch bedeuten, dass bei höherer Adhärenz neue Episoden eher erfasst werden. Dass ältere Personen sogar adhärenter gewesen seien als jüngere, widerspreche dem Klischee, dass mobile Health Devices für diese schlechter geeignet seien, und zeige, dass dies nicht zutreffe. Die Teilnehmenden waren median 67 Jahre alt, 58% waren Männer.

Symptome nicht in Echtzeit erfasst

„Basierend auf den Studienergebnissen scheint es praktikabel, mobile Health Devices bei Personen, die nach neu aufgetretenem Vorhofflimmern die Notaufnahme aufsuchen, einzusetzen“, fassen die Forschenden um van der Velden zusammen. Beobachtungsstudien seien erforderlich, um zu untersuchen, ob vergleichbare Adhärenzraten auch in einem klinischen Real-World-Setting außerhalb einer randomisierten Studie erreicht werden können. Eine Limitation der Studie war, dass die Symptome nicht in Echtzeit erfasst werden konnten, sondern die Aufzeichnungen am Ende der Nachbeobachtungszeit ausgewertet wurden.

Literatur

Van der Velden R et al. Mobile health adherence for the detection of recurrent recent-onset atrial fibrillation. Heart 2022. https://doi.org/10.1136/heartjnl-2022-321346

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