Nachrichten 04.08.2016

Mobilanwendung bringt sich als Screening für Vorhofflimmern ins Gespräch

Eine mobile App, die das iPhone in einen Photoplethysmografen verwandelt, erlaubt mit hoher Sensitivität die Verdachtsdiagnose Vorhofflimmern im Selbsttest. Sie könnte als Screening-Werkzeug Einsatz finden.

Der Einsatz eines Mobilfunkgeräts als Photoplethysmograf läuft so ab, dass der Nutzer seinen Zeigefinger bei eingeschalteten Blitzlicht unmittelbar auf die Kamera des Smartphones hält. Der Finger „leuchtet“ dann rot, ähnlich wie bei einer Taschenlampe, die gegen dünne Hautpartien gehalten wird. Photoplethysmografische Apps zeichnen anhand dieser herzschlagabhängigen Veränderungen der Lichtintensität eine Art Pulswelle auf, die bei entsprechenden Algorithmen auch (begrenzte) Analysen des Herzrhythmus erlaubt.

Kardiologen aus Hong Kong haben jetzt eine der bekannteren derartigen Apps, die App Cardiio Rhythm des Unternehmens Cardiio, in einer prospektiven Studie bei 1.013 Probanden mit hohem Risiko für Vorhofflimmern auf ihre Tauglichkeit als Screening-Instrument hin untersucht. Die Probanden hatten entweder eine arterielle Hypertonie oder einen Diabetes oder waren älter als 64 Jahre. Sie mussten unter Aufsicht dreimal hintereinander eine Photoplethysmografie mit einem iPhone 4S aufzeichnen, jeweils rund 17 Sekunden lang. Die Algorithmen analysierten die Wellen dann im Hinblick auf Unregelmäßigkeiten. Waren mindestens zwei von drei aufgezeichneten Wellen auffällig, wurde Vorhofflimmern angenommen.

Verglichen wurde die Performance des Smartphones mit dem Goldstandard, einer Diagnose durch zwei Kardiologen anhand eines 12-Kanal-EKGs. Außerdem erfolgte bei jedem Patienten unmittelbar vor der Photoplethysmografie die Aufzeichnung eines Ein-Kanal-EKGs mit Hilfe des FDA- und CE-zertifizierten Herzmonitors AliveCor. Dieser verfügt über eine automatisierte, softwaregestützte Auswertung der EKG-Kurve.

Im Ergebnis schnitt das Smartphone erstaunlich gut ab. Insgesamt wurde laut Goldstandard, also Kardiologen, bei 28 von 1.013 Probanden Vorhofflimmern diagnostiziert (2,76 %). Die Sensitivität der Cardiio Rhythm App gemessen am Goldstandard betrug 92,9 % und war damit deutlich höher als die des AliveCor-Algorithmus, der 71,4 % erreichte. Der Preis war eine etwas geringere Spezifität von 97,7 gegenüber 99,4 %, was sich in einen positiv prädiktiven Wert von 53,1 % für das Smartphone und 76,9 % für den AliveCor-Monitor umrechnen ließ. Der negativ prädiktive Wert lag für beide Tools bei nahe 100 %.

Die Autoren sind auf Basis dieser Ergebnisse der Auffassung, dass sich die Smartphone-App besser als ein konventioneller 1-Kanal-Herzmonitor als potenzielles Screening-Werkzeug auf Vorhofflimmern in Risikogruppen eignet. Die App muss allerdings richtig angewandt werden. Ob sie auch ohne Aufsicht so gut funktioniert, darüber kann diese Untersuchung nichts aussagen. 

Literatur

Chan P et al. Diagnostic Performance of a Smartphone-based Photoplethysmographic Application for Atrial Fibrillation Screening in a Primary Care Setting. J Am Heart Assoc. 2016;5(7). pii: e003428. doi: 10.1161/JAHA.116.003428

Aktuelles

Akuter Schlaganfall: Erfolg durch Stroke-Einsatzmobile im Rettungsdienst

Die Rettungsdienstversorgung von Schlaganfall-Patienten ist optimierbar: Wird dabei ein spezielles Stroke-Einsatzmobil genutzt, verbessert dies einer Studie Berliner Neurologen zufolge die Behandlungsergebnisse im Vergleich zur konventionellen Versorgung.

Diese Impfung könnte das Schlaganfall-Risiko verringern

Eine Herpes-zoster-Impfung könnte Patienten neben ihrer eigentlichen Funktion einen weiteren, bedeutenden zerebrovaskulären Vorteil bringen. 

Neue Lipidleitlinien: Wie ist der strengere LDL-Zielwert in der Praxis erreichbar?

Würden bei Postinfarkt-Patienten die 2019 aktualisierten Dyslipidämie-Leitlinien adäquat im Praxisalltag umgesetzt, müssten die meisten Patienten mehr als nur eine intensive Statin-Therapie erhalten. Eine neue Analyse verdeutlicht das Ausmaß an potenziell erforderlichen Zusatztherapien.

Highlights

eHealth in der Kardiologie

Digitale Technologien sind aus der Kardiologie nicht mehr wegzudenken. In unserem Dossier finden Sie die aktuellsten Beiträge zum Thema eHealth und Digitalisierung in der Kardiologie. 

Webinar – "Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern"

Prof. Christian Meyer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fasst in einem Live-Webinar die wichtigsten Neuerungen zur Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern zusammen – praxisrelevant und mit Beispielen.

Webinar zur neuen Leitlinie Dyslipidämien

Auf dem ESC-Kongress 2019 wurde die neue Leitlinie Dyslipidämien vorgestellt. Prof. Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig hat in einem Webinar die wichtigsten Neuerungen und deren Bedeutung für die Praxis zusammegefasst – kritisch, kurz, präzise.

Aus der Kardiothek

Defekt mit Folgen – das ganze Ausmaß zeigt das CT

CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe) – was ist zu sehen?

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Interventionen von Bifurkationsläsionen

Dr. Miroslaw Ferenc, UHZ Freiburg

Live Cases

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
Webinar Rhythmuskontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern/© Kardiologie.org | Prof. Meyer [M]
Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
Vortrag von M. Ferenc/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018