Nachrichten 14.05.2021

Intraoperative TEE bei Bypass-OP scheint sich zu lohnen

Der Einsatz der transösophagealen Echokardiografie (TEE) zur intraoperativen Diagnostik bei koronaren Bypass-Operationen scheint sich in prognostischer Hinsicht zu lohnen, wie Ergebnisse einer großen US-Studie nahelegen.

Bei Hochrisiko-Patienten mit koronarer Bypass-Operation trägt eine intraoperative Nutzung der TEE möglicherweise zur Reduktion der Mortalität bei. Darauf deuten Ergebnisse einer umfangreichen retrospektiven Analyse von Daten zu insgesamt rund 1,26 Millionen isolierten Bypass-Operationen aus einer herzchirurgischen US-Datenbank (Society of Thoracic Surgeons Adult Cardiac Surgery Database) hin.  Die Eingriffe waren zwischen Januar 2011 und Juni 2019 an insgesamt 1218 Zentren in den USA durchgeführt worden.

Die zur Präsentation beim virtuellen ACC-Kongress vorgesehene Studie ist bereits im Vorfeld des Kongresses im „Journal of he American College of Cardiology“ aktuell publiziert worden.

TEE bei knapp 54% aller Operationen genutzt

Wie die Forschergruppe um Dr. Thomas S. Metkus von der Johns Hopkins University in Baltimore festgestellt hat, war im analysierten Zeitraum bei 676.803 Bypass-Operationen (53,9%) auch eine TEE-Untersuchung vorgenommen worden. Der Anteil an Patienten mit entsprechender intraoperativer Diagnostik stieg in dieser Zeit von 39,9% im Jahr 2011 auf 62,1% im Jahr 2019 (p-Wert für den Trend p<0,001).

Primärer Endpunkt der Studie war die Mortalität, definiert als alle Todesfälle, die während der operationsbedingten Hospitalisierung und in der Zeit nach Klinikentlassung bis zum 30. postoperativen Tag aufgetreten waren. Wie die Gruppe um Metkus berichtet, war eine intraoperative TEE-Nutzung bei den bypassoperierten Patienten im Vergleich zu Patienten ohne TEE mit einem signifikant niedrigeren Mortalitätsrisiko assoziiert (adjustierte Odds Ratio [OR]: 0,95, 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,91-0,99, p=0,025).

Die TEE-assoziierte Mortalität war allerdings nicht in allen bezüglich des Operationsrisikos anhand des STS-Scores klassifizierten Risikogruppen gleichermaßen erniedrigt. Wie eine adjustierte Analyse ergab, ging die TEE nur in der STS-Hochrisikogruppe (OR: 0,89, 95% KI: 0,83-0,95) und in der Gruppe mit mittlerem Risiko (OR: 0,93, 95% KI: 0,87-0,99) mit einer signifikant niedrigeren Mortalität einher, nicht aber in der „Low-Risk“-Gruppe (OR: 0,99, 95% KI: 0,94-1,04; p-Wert für Interaktion = 0,0147).

Liegt die Erklärung in ungeplanten Herzklappen-Prozeduren?

Die Gruppe um Metkus machte zudem die Beobachtung, dass im Fall intraoperativer TEE-Untersuchungen die Wahrscheinlichkeit signifikant höher war, dass die eigentlich als isolierte Eingriffe geplanten Bypass-Operationen mit einer ungeplanten Herzklappen-Operation kombiniert wurden (adjustierte OR: 4,98, 95% KI: 3,98-6,22, p<0,001). Dies lässt vermuten, dass mithilfe der intraoperativen TEE zuvor unerkannte pathologische Klappenveränderungen entdeckt wurden, deren Behandlung möglicherweise zur Abnahme der Mortalität beigetragen hat.

Nach Einschätzung der Studienautoren um Metkus stützen diese Ergebnisse die intraoperative Nutzung der TEE, um die Prognose von Patienten mit isolierter Bypass-OP zu verbessern. Dies gelte primär im Hinblick auf Patienten mit hohem Operationsrisiko. Die Prognose von Patienten mit niedrigem Risiko werde dadurch aber möglicherweise nicht beeinflusst.


Literatur

Metkus T.S.: Utilization and outcomes of transesophageal echocardiography in 1.3 million CABG procedures. J Am Coll Cardiol. 2021, online 3. Mai. DOI: 10.1016/j.jacc.2021.04.0642021,

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