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27.07.2016 | Diagnostik in der Kardiologie | Nachrichten

Stabile KHK

Flussmessung per CT kann auch Kosten sparen

Autor:
Philipp Grätzel

Eine Flussmessung per CT-Angiografie kann nicht nur Herzkatheter vermeiden helfen, sondern auch Kosten einsparen. Das zeigen die jetzt veröffentlichten 1-Jahres-Daten der PLATFORM-Studie.

Bei der CT-Angiographie (CTA) mit Flussmessung wird die fraktionelle Flussreserve (FFR) anhand des CTA-Datensatzes in einer aufwändigen, mehrstündigen Computersimulation abgeschätzt. In der nicht-randomisierten PLATFORM-Studie konnte mit diesem Verfahren bei Patienten mit stabiler Angina pectoris und mittlerer Prätestwahrscheinlichkeit, bei denen sich die Behandler auf Basis der zur Verfügungen stehenden klinischen und bildgebenden Daten unter normalen Umständen für eine geplante Koronarangiografie entschieden hätten, die Zahl der invasiven Koronarangiografien um über 60% reduziert werden. Der Anteil der Patienten mit obstruktiver KHK in der invasiven Angiografie war bei FFRCT-Steuerung sechsmal so hoch.

Erste Ergebnisse der PLATFORM-Studie sorgten für Diskussionen

Die Ergebnisse zum primären Endpunkt der PLATFORM-Studie waren beim ESC-Kongress im August 2015 vorgestellt worden und hatten dort und im Anschluss für viele Diskussionen gesorgt. Unter anderem war bezweifelt worden, dass die teure Simulation kosteneffizient ist. Diese Sorge wird durch die jetzt publizierten Einjahres-Daten entkräftet.

Kosten werden gespart 

Zumindest bei jenen Patienten, bei denen eine invasive Koronarangiografie geplant ist, können durch die FFRCT Kosten eingespart werden, und zwar 33% innerhalb eines Jahres im Vergleich zur Gruppe mit sofortigem Herzkatheter. Diese Einsparungen werden erreicht, ohne dass die Lebensqualität der Patienten darunter leidet: Der EuroQOL-Score nach einem Jahr verbesserte sich unabhängig davon, ob sofort eine Katheteruntersuchung erfolgte oder ein FFRCT-gesteuertes Vorgehen gewählt wurde. Rein numerisch war die EuroQOL-Verbesserung im FFRCT-Arm sogar höher.

Vorsicht ist geboten

Trotz des positiven Resultats äußern sich sowohl die Autoren um Pamela S. Douglas von der Duke University in Durham, North Carolina, als auch die Kommentatoren um René Sevag Packard von der University of California in Los Angeles im begleitenden Editorial vorsichtig. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Studie nicht randomisiert war und dass unter anderem die Kosten vor der Prozedur nicht bekannt waren, es also nicht klar ist, ob die beiden Gruppen wirklich vergleichbar sind. 

An einer echten randomisierten Studie führe daher kein Weg vorbei. Die Kommentatoren schließen sich dem an. Sie weisen zusätzlich darauf hin, dass es auch technisch noch offene Fragen gebe, und anderem was die Zuverlässigkeit der Simulation angehe. Sie erwarten dennoch, dass das CTA/FFRCT-gesteuerte Patientenmanagement in den nächsten Jahren in der Kardiologie an Bedeutung gewinnen werde.

Literatur

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