Nachrichten 12.08.2017

Gibt es falsch positive Troponinwerte?

Wenn ein falsch positiver Troponinwert vermutet wird, sollte systematisch vorgegangen und eine kardiale Grunderkrankung ausgeschlossen werden.

Über das Portal kardiologie.org erreichte uns die Anfrage eines besorgten Vaters, bei dessen jugendlichem Sohn sich während der pädiatrischen Abklärung eines rezidivierenden thorakalen Stechens ein erhöhter kardialer Troponin (cTn) I-Wert gezeigt hatte. Im Krankenhaus zeigte ein anderer cTnT-Assay später ein Ergebnis in der „Grauzone“, weshalb eine Entlassung nach Hause erfolgte. Der Vater bat nun um Mitbeurteilung und eine Handlungsempfehlung.

In der Regel zeigt erhöhtes cTn einen myokardialen Schaden an, was jedoch nicht durch einen Herzinfarkt bedingt sein muss. Da im Kindesalter herzinfarktbedingte cTn-Erhöhungen extrem unwahrscheinlich sind, müssen andere Ursachen myokardialen Schadens, z. B. Myokarditis, ausgeschlossen werden. Serielle Untersuchungen australischer Schulkinder zeigten Schwankungen von hochsensitivem cTnT mit teils pathologischen aber rückläufigen Erhöhungen unklarer Genese, wobei eine kardiale Beteiligung im Rahmen saisonaler Infekte nicht ausgeschlossen werden konnte [1].

Primäre Diagnostik mittels EKG und Echo

In jedem Fall sollten Elektrokardiogramm und Echokardiografie erfolgen, um strukturelle Herzerkrankungen, angeborene Herzfehler und entzündliche oder rheumatische Ursachen mit Herzbeteiligung auszuschließen. Zeigt sich keine plausible Erklärung für wiederholt gemessene und zum Wohlbefinden des Kindes diskrepant erhöhte cTn-Werte, kann ein seltenes falsch positives Ergebnis vorliegen, was z. B. an Störfaktoren im Blut liegen kann, die in aller Regel keinen klinischen Krankheitswert haben.

Bei Verdacht auf falsch positive cTn-Werte empfehlen wir im ersten Schritt eine neuerliche Blutentnahme ohne lange venöse Stauung zur Vermeidung von Hämolyse und eine wiederholte Testung [2]. Bestätigt sich der Wert, sollte unter Berücksichtigung sämtlicher Krankheitsbilder, die neben dem akuten Koronarsyndrom mit erhöhtem cTn einhergehen können, z. B. mittels Echokardiografie und weiteren Labortests gesucht werden.

Im Einzelfall kann auch ein Screening auf Drogen als mögliche Ursache koronarer Vasospasmen hilfreich sein. Findet sich keine Erklärung, kann mit einem anderen cTn-Assay getestet werden.

Erweiterte Labormessungen

Im Labor können zur Probe Antikörper-blockierende Substanzen zur Reduktion von Interferenzen hinzugefügt werden. Messgeräte sollten auf Fehlfunktion überprüft und die Blutprobe auf Mikropartikel oder Gerinnsel untersucht werden, um Interferenzen durch Fibrinfäden auszuschließen.

Messungen in einem Referenzlabor oder durch den Hersteller des Assays können folgen. Sind diese Schritte nicht wegweisend, sollten sensitivere Untersuchungen (kardiales MRT, Koronar-CT, Koronarangiografie, Myokardbiopsie, etc.) zum sicheren Ausschluss einer kardialen Grunderkrankung erwogen werden.

Literatur

1. Potter JM, Koerbin G, Abhayaratna WP et al. Clin Chim Acta. 2012;413(7–8):702–6

2. Vafaie M, Biener M, Mueller M et al. Heart. 2014;100(6):508–14

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Bildnachweise
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AHA-Kongress 2020
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
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Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen