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12.06.2018 | Diagnostik in der Kardiologie | Nachrichten

Schwedische Registerstudie

Hochsensitive Troponintests zur Infarktdiagnostik: Was sich in der Praxis verändert hat

Autor:
Peter Overbeck

Welche Auswirkungen hat die Einführung sogenannter „hochsensitiver“ Troponintests in die  Infarktdiagnostik auf die Infarktinzidenz und die Prognose der Patienten gehabt? Eine landesweite registerbasierte Studie aus Schweden liefert dazu neue Informationen.

Mithilfe von seit einiger Zeit verfügbaren hochsensitiven Tests zur Bestimmung  von Troponinen (T oder I) lassen sich inzwischen akute Myokardinfarkte noch präziser und rascher als zuvor diagnostizieren. Die höhere Sensitivität dieser Tests geht allerdings auf Kosten der Spezifität: Zwar zeigt auch der sensitivere Troponinnachweis eine kardiale Myokardschädigung an, die aber nicht zwangsläufig auf eine infarktbedingte Ischämie zurückzuführen sein muss.

Unbegründete Sorge

Anfänglich gab es deshalb Bedenken, dass die Einführung der neuen Troponintests die Zahl der Infarktdiagnosen enorm in die Höhe treiben und so die Menge der in Katheterlaboren untersuchten und behandelten Patienten massiv erhöhen könnte.  Diese Sorge scheint allerdings unbegründet zu sein, wie nun auch eine umfangreiche registerbasierte Studie schwedischer Autoren bestätigt.

Die Gruppe um Dr. Martin Holzmann vom Karolinska University Hospital in Stockholm hat in landesweiten Registern gespeicherte Daten von knapp 88.000 Patienten analysiert, bei denen zwischen 2009 und 2013 an schwedischen Kliniken ein erstmals aufgetretener Myokardinfarkt diagnostiziert worden war. In dieser Zeitperiode war an den meisten Kliniken (73%) eine Umstellung von konventionellen Troponintests auf hochsensitive Tests vorgenommen worden. Bei 47.131 Patienten war der akute Herzinfarkt mithilfe herkömmlicher Troponinmessungen und bei 40.746 mithilfe hochsensitiver Troponintests  diagnostiziert worden.

Infarktrate erhöhte sich um 5%

Holzmann und seine Kollegen verglichen jeweils die Zahl der an den Kliniken nachgewiesenen Herzinfarkte in den drei Monaten vor und nach Umstellung auf die hochsensitiven Troponin-Assays  Dabei stellten sie fest, dass die Zahl der diagnostizierten Myokardinfarkte nach Einführung hochsensitiver Troponintests nur relativ moderat um insgesamt 5% angestiegen war. Allerdings  war der Trend nicht einheitlich: An einigen Kliniken kam es nach der Umstellung sogar zu einer zum Teil deutlichen Abnahme von Infarktdiagnosen. Die Studienautoren führen dies auf anfängliche Schwierigkeiten bei der Interpretation von mit hochsensitiven Assays gemessenen Troponinwerten zurück.

Nach Einführung der hochsensitiven Tests zeigte sich keine Veränderung der Mortalität in den folgenden vier Jahren. Allerdings hatte die Umstellung eine relative Abnahme von Reinfarkten um 11% zur Folge. Gleichzeitig war eine Zunahme von vorgenommenen Koronarangiografien und Koronarinterventionen um 16% respektive 13% zu verzeichnen. Ob diese Zunahme ursächlich zur beobachteten Abnahme von Reinfarkten beigetragen hat, kann die Studie der schwedischen Untersucher jedoch nicht  klären.

In den USA steht man noch am Anfang

Mit besonderem Interesse dürften diese Ergebnisse in den USA betrachtet werden. Denn dort ist erst Anfang 2017 der erste hochsensitive Troponin-Assay von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen worden. 

In einem Editorial zur Publikation der schwedischen Studie zeigen sich zwei US-Autorinnen denn auch erfreut über die Möglichkeit, von den in Europa schon über längere Zeit gewonnenen Erfahrungen mit den neuen Tests profitieren zu können. Diese Erfahrung zeige, dass Infarktrate und Ressourcenverbrauch nach deren Einführung nicht annähernd so dramatisch zunehmen wie nach  dem Wechsel von der Kreatinkinase-basierten Infarktdiagnostik zur konventionellen Troponinmessung.

Literatur

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Quelle:

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Autor:
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