Nachrichten 05.03.2018

Kardio-MRT macht mikrovaskuläre Angina dingfest

Lässt sich bei Angina pectoris-Patienten ohne makrovaskuläre Koronarobstruktionen eine mikrovaskuläre Komponente der Symptomatik nicht-invasiv diagnostizieren? Britische Kardio-MRT-Spezialisten sind der Auffassung, dass das gehen könnte.

In vielen klinischen Studien wurde mittlerweile gezeigt, dass ein relevanter Anteil der Patienten mit Angina pectoris-Symptomatik und Ischämienachweis keine obstruktive koronare Herzerkrankung aufweist. Zumindest bei einem Teil dieser Patienten kommen die Beschwerden wahrscheinlich von Veränderungen der kleineren Blutgefäße: Es liegt eine mikrovaskuläre Angina vor, und die ist durchaus klinisch relevant. So fand sich in einer dänischen Studie von 11.223 Patienten mit stabiler Angina bei rund sechs von zehn Frauen und drei von zehn Männern keine obstruktive KHK, trotzdem war die Rate an kardiovaskulären Ereignissen im Vergleich zu einer Kontrollpopulation erhöht.

Invasive Messung bisheriger Goldstandard

Eines der Probleme besteht bisher darin, Patienten mit mikrovaskulärer Angina zu diagnostizieren. Als eine Art Goldstandard gilt die Messung des mikrovaskulären Widerstandsindex (IMR). Werte ab 25 Einheiten gelten als pathologisch und sind in Abwesenheit makrovaskulärer Obstruktionen mit einer schlechteren Belastbarkeit und mehr kardiovaskulären Ereignissen assoziiert. Die IMR kann aber nur invasiv per Katheter gemessen werden, und das ist auch noch relativ aufwändig.

Kardio-MRT-Experten um Vanessa Ferreira und Alexander Liu von der Universität Oxford haben jetzt einen nicht-invasiven erhebbaren Parameter für mikrovaskuläre Dysfunktion mit der invasiven IMR-Messung verglichen. Konkret ging es um den im Rahmen einer Adenosin-Stress-MRT gemessenen myokardialen Perfusionsreserve-Index (MPRI). Insgesamt 50 Patienten mit Angina pectoris-Symptomatik und unbekanntem Koronarstatus sowie 20 symptomfreie Kontrollprobanden wurden mittels Adenosin-Stress-MRT untersucht.

Bei 28 der Angina-Patienten fanden sich makrovaskuläre Obstruktionen mit einer fraktionellen Flussreserve (FFR) von 0,8 oder darunter. Diese Patienten wurden konventionell invasiv therapiert. Bei den 22 Patienten ohne makrovaskuläre Obstruktionen erfolgte die invasive IMR-Messung, die dann mit der Adenosin-Stress-MRT korreliert wurde.

Patienten ohne invasiven Hinweis auf eine mikrovaskuläre Funktionsstörung, also mit einer IMR kleiner 25 Einheiten, zeigten im Mittel einen normalen MPR-Index von 1,9. Das entsprach in etwa dem MPR-Index der 20 Kontrollprobanden, die im Mittel auf einen Wert von 2,0 kamen. Die Patienten mit pathologischem IMR dagegen erreichten im Mittel nur einen MPR-Index von 1,2, was ähnlich schlecht war wie bei Patienten mit obstruktiver KHK unterhalb der jeweiligen Stenosen. Getrieben wurde der Unterschied zwischen den Gruppen im Wesentlichen durch Unterschiede im myokardialen Blutfluss unter Belastung. In Ruhe unterschieden sich die Gruppen kaum. Die Autoren schlagen auf dieser Basis einen Cut-off-Wert für den MPRI von 1,4 für die Diagnose einer mikrovaskulären Störung vor.

Künftig vielleicht Kontrastmittel frei

Die Autoren weisen angesichts ihrer Ergebnisse darauf hin, dass unter Einsatz dieses und anderer Kardio-MRT-Parameter eine Art „One-Stop-Shop“-Diagnostik für Angina pectoris-Patienten mittels Kardio-MRT denkbar werde, bei der sowohl die makrovaskuläre als auch die mikrovaskuläre Situation nicht-invasiv abgeklärt werden kann. In einem begleitenden Editorial weist Theodoros Karamitsos von der Universität Thessaloniki darauf hin, dass dies noch attraktiver werde, wenn die derzeit in stetiger Weiterentwicklung befindlichen Verfahren zur kontrastmittelfreien Darstellung der myokardialen Ischämie weitere Fortschritte machten.

Literatur

Jespersen L et al. Stable angina pectoris with no obstructive coronary artery disease is associated with increased risks of major adverse cardiovascular events. Eur Heart J 2012; 33(6):734-44

Liu A et al. Diagnosis of Microvascular Angina Using Cardiac Magnetic Resonance. J Am Coll Cardiol 2018; 71:969-79

Karamitsos TD. Mapping the Future of Myocardial Ischemia Testing With Cardiac Magnetic Resonance. J Am Coll  Cardiol 2018; 71: 980-2

Aktuelles

Hauptstammstenose: PCI und Bypass nach 10 Jahren gleichauf

Bypass versus PCI bei linker Hauptstammstenose die nächste: Im Ultralangzeit-Follow-up der PRECOMBAT-Studie gab es bei den allermeisten Endpunkten keinen signifikanten Unterschied zwischen den Interventionen.

Ungewöhnliche COVID-19-Komplikation kostete einer Patientin fast das Leben

Der hämodynamische Zustand einer 47-jährigen COVID-19-Patientin verschlechtert sich rapide. Die behandelten Kardiologen stellen eine bis dato noch nie zuvor berichtete lebensbedrohliche Komplikation der SARS-CoV-2-Infektion fest.

Renale Denervation senkt Blutdruck bei Hypertonie-Patienten ohne Medikation

Die katheterbasierte  Renale Denervation hat in einer für die Zulassung als blutdrucksenkende Therapieoption  mitentscheidenden  Studie antihypertensive Wirksamkeit bewiesen  – und zwar bei medikamentös vorübergehend unbehandelten Patienten mit Bluthochdruck.

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus kürzlich als Pandemie eingestuft. Inzwischen sind weit über 100 Länder von dem Ausbruch betroffen. Aktuelle Meldungen zum Coronavirus bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier. 

Aktuelles zum Coronavirus

Die WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus kürzlich als Pandemie eingestuft. Inzischen sind weit über 100 Länder von dem Ausbruch betroffen. Aktuelle Meldungen zum Coronavirus bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier. 

International Stroke Conference 2020

Die International Stroke Conference ist das weltweit führende Treffen, das sich der Wissenschaft und Behandlung von zerebrovaskulären Erkrankungen widmet. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier. 

Aus der Kardiothek

Was fällt Ihnen in der Echokardiografie auf?

Transthorakale Echokardiografie eines 50-jährigen Patienten mit schwerer rechtskardialer Dekompensation. Was ist zu sehen?

Defekt mit Folgen – das ganze Ausmaß zeigt das CT

CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe) – was ist zu sehen?

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Live Cases

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018