Skip to main content
main-content

05.09.2016 | Diagnostik in der Kardiologie | Nachrichten

PACIFIC-Studie

Kardiologische Bildgebung im „Kopf an Kopf“-Rennen

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

In der PACIFIC-Studie ist in einem „Kopf-an-Kopf“-Rennen die komplette kardiale radiologische Diagnostik, welche mit ionisierenden Strahlen arbeitet, zur Prüfung ihrer Genauigkeit beim Nachweis koronarer Ischämien gegen die invasive Koronarangiografie inklusive FFR-Messungen angetreten.

Die Koronarangiografie ist nach wie vor eine der am häufigsten durchgeführten invasiven diagnostischen Maßnahmen. Die Rate der unauffälligen Ergebnisse variiert je nach Quelle, ist aber schlussendlich immer noch zu hoch. Deshalb sind in den letzten Jahren zunehmend nicht invasive bildgebende Stresstests in den Vordergrund gerückt, um die Anzahl rein diagnostischer invasiver Koronarangiografien, die ohne direkte therapeutische Konsequenz bleiben, zu reduzieren.

Angefangen mit dem Belastungs-EKG über Stressechokardiografie und Stress-Kardio-MRT stehen nicht invasive Funktionstest zur Verfügung, die ohne ionisierende Strahlung mit guter bis sehr guter Sensitivität und Spezifität eine relevante Myokardischämie nachweisen oder ausschließen können. Darüber hinaus sind radiologische Techniken wie die Single Photonen Emission Computertomografie (SPECT), die Positronen-Emissionstomografie (PET) und die CT-Koronarangiografie (CTCA) zur Funktionsdiagnostik bzw. koronaren Bildgebung verfügbar.

Vier Tests plus Hybridbildgebung im Vergleich

Während die CTCA aufgrund der rasanten technischen Verbesserung der Bildqualität und breiteren Verfügbarkeit in den letzten Jahren zunehmend an Stellenwert in der Koronardiagnostik gewonnen hat, haben Myokardszintigrafie und PET in der kardialen Ischämiediagnostik aufgrund der oben aufgelisteten Alternativen ohne ionisierende Strahlung an Bedeutung verloren.

Ziel der PACIFIC-Studie war, die Genauigkeit von CTCA, SPECT und PET im Vergleich zur Koronarangiografie mit FFR (fractional flow reserve)-Messung zu untersuchen. Ferner sollte überprüft werden, ob eine kardiale Hybridbildgebung einen Zusatznutzen bringt.

Eingeschlossen wurden Patienten mit Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung und mittlerer Prä-Test-Wahrscheinlichkeit, die eine Indikation zur Koronarangiografie hatten. Bei allen Patienten wurde an Tag 1 ein CT-Kalzium-Score, eine CTCA, ein Ruhe- und Adenosin-Stress-PET und ein Adenosin-Stress-SPECT durchgeführt. An Tag 2 folgte dann die Ruhe-SPECT-Aufnahme und die invasive Koronarangiografie mit FFR-Messung. Bei einigen Patienten wurden zusätzliche Hybridbildgebungen durchgeführt.

PET an der Spitze

Von den 208 eingeschlossenen Patienten boten 44 % bei der Koronarangiografie plus FFR-Messung eine hämodynamisch relevante koronare Herzerkrankung. Im Vergleich zum Goldstandard Koronarangiografie zeigte von den nicht invasiven Tests das PET-Verfahren mit 85 % die größte Genauigkeit beim Nachweis einer KHK, gefolgt von SPECT (77 %; p < 0,01) und CTCA (74 %; p < 0,01). Die Sensitivität lag bei 87 % für PET, 90 % für CCTA, und 57 % für SPECT, wobei die Spezifität bei 60, 94 und 84 % lag. Die Hybridverfahren CCTA/SPECT oder CCTA/PET verbesserten die Genauigkeit nicht weiter, sondern führten zu einem Anstieg der falsch negativen und Abfall der falsch positiven Ergebnisse (p < 0,001).

Limitierungen der Studie

Insgesamt weist diese Studie einige erhebliche Probleme auf. Zum einen sind die präsentierten Ergebnisse bereits aus vielen, zum Teil schon Jahrzehnte alten Studien, bekannt. Des Weiteren sind an jedem Patienten mindestens vier verschiedene bildgebende Verfahren mit ionisierender Strahlung durchgeführt worden – und das in einem Zeitalter, in dem verlässliche Funktionstests ohne ionisierende Strahlung wie Stressechokardiografie und Stress-MRT zur Verfügung stehen. Abgesehen davon ist die PET-Diagnostik kaum verfügbar und daher eher von rein akademischem Interesse.


Der Autor, PD Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. 

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

19.08.2019 | DGK-Jahrestagung 2019 | Expertenvorträge | Video

Herz und Diabetes – was der junge Kardiologe wissen soll

Ist Diabetes eigentlich eine kardiologische Erkrankung? Die DDG-Leitlinien empfehlen zumindest, jeden kardiologischen Patienten auch auf Diabetes zu screenen. Welcher HbA1c-Wert schon kritisch ist und welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden sollten, erläutert Frau Dr. Bettina J. Kraus, Würzburg, in ihrem Vortrag. 

02.07.2019 | Quiz | Onlineartikel

Was ist die Ursache für die Lumenreduktion?

Koronarangiografie bei einem 63-jährigen Patienten. Augenscheinlich ist eine systolische Lumenreduktion des linken Hauptstamms. Was ist die Ursache?

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise