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11.09.2018 | Diagnostik in der Kardiologie | Nachrichten

Kardiale Funktionsdiagnostik

LV-Ejektionsfraktion: Messergebnis hängt auch von der Messmethode ab

Autor:
Philipp Grätzel

Viele kardiologische Studien nutzen bezüglich der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) eine Grenze von 35% als Einschlusskriterium. Doch wie zuverlässig sind die Messungen? Eine neue Analyse zeigt, dass es zwischen Echo, Kardio-MR und SPECT in diesem „studienkritischen“ LVEF-Bereich relevante Unterschiede gibt.

Die STICH-Studie war eine randomisierte, kardiochirurgische Studie, an der in 127 Zentren aus 26 Ländern insgesamt 2136 Patienten teilgenommen hatten, die zwischen 2002 und 2007 für die Studie rekrutiert wurden. Alle Patienten hatten eine ischämische Herzerkrankung und eine linksventrikuläre Auswurfleistung (LVEF) von 35% oder darunter. Die LVEF wurde in dieser Studie bei fast allen Patienten per Echokardiographie gemessen. Es gab aber auch viele Patienten, bei denen in engem zeitlichem Zusammenhang mit dem Echo eine weitere Herzbildgebung mittels Kardio-MRT oder SPECT erfolgte.

Sowohl die Echokardiographien als auch die Kardio-MRT- und die SPECT-Bilder wurden in der STICH-Studie von Core-Labs standardisiert und unabhängig von dem aufzeichnenden Zentrum ausgewertet. Mit diesen zentralen Auswertungen hat die jetzt vorgelegte Nachanalyse gearbeitet, die ermittelt hat, wie stark die mit unterschiedlichen Modalitäten gemessenen EF-Werte jeweils voneinander abwichen.

Zehn Prozentpunkt mehr oder weniger waren keine Seltenheit

Die Basispopulation bildeten 1948 Patienten, bei denen jeweils zum Zeitpunkt der Randomisierung eine echokardiographische EF-Messung erfolgte, zu 46% eine biplane Messung nach Simpson. Bei 774 bzw. 417 Patienten wurde kurz vor oder nach dem Echo eine SPECT bzw. Kardio-MRT in für eine Bewertung ausreichender Qualität durchgeführt. Das waren die beiden primären Vergleichspopulationen. Bei insgesamt 134 Patienten lag sowohl ein Echo als auch eine SPECT und eine Kardio-MRT vor. Hier war dann auch der Vergleich zwischen SPECT und Kardio-MRT möglich.

Die Abweichungen zwischen den Messmethoden waren nicht nur geringfügig. Während unterschiedliche echokardiographische Auswertemethoden – quantitativ biplan, quantitativ monoplan und visuell – bei ein und demselben Patienten im Mittel nur jeweils zwei bis drei Prozentpunkte voneinander abwichen, betrug die mittlere Abweichung zwischen SPECT und biplaner Echokardiographie 5,9 Prozentpunkte, zwischen Kardio-MRT und biplanem Echo 7,3 Prozentpunkte und zwischen SPECT und Kardio-MRT 5,9 Prozentpunkte. Anders formuliert: Bei 46% der Patienten, bei denen sowohl mit biplanem Echo als auch mit SPECT gemessen wurde, wich die SPECT-Messung um mehr als 5 Prozentpunkte von der Echo-Messung ab. In der Echo-/Kardio-MRT-Kohorte war das sogar bei fast 57% der Patienten der Fall, und im SPECT-Kardio-MRT-Vergleich bei 51,5% der Patienten.

Bei allen Modalitäten korreliert die LVEF-Messung mit der Prognose

Nun war es allerdings nicht so, dass die eine Methode klinisch besser als die andere war. Bei allen drei Modalitäten korrelierte die LVEF statistisch signifikant mit der Gesamtmortalität. Und es gab auch keine Hinweise, die darauf hingedeutet hätten, dass die oder andere Methode die LVEF systematisch über- oder unterschätzt. Die Abweichungen gingen jeweils in beide Richtungen.

Relevant werden die gemessenen Unterschiede zwischen den Messverfahren nach Auffassungen der Autoren vor allem deswegen, weil eine EF von 35% häufig als Grenzwert für den Ein- oder Ausschluss bei klinischen Studien genutzt wird. Anhand der STICH-Studie haben die Experten das einmal durchgerechnet: Bei 20 bis 25 Prozent der Patienten waren die LVEF-Messungen mit den unterschiedlichen Messverfahren dies- und jenseits der 35%-Grenze. Mit anderen Worten: Wären die betreffenden Patienten primär mit Kardio-MRT oder SPECT statt mit Echokardiographie gemessen worden, hätten viele möglicherweise gar nicht erst an der Studie teilnehmen können.

Einschränkend muss gesagt werden, dass  die bildgebenden Modalitäten und vor allem Echokardiographie und Kardio-MRT inzwischen technisch weiterentwickelt worden sind. Insofern sind die Ergebnisse, die ja Messungen von vor 11 bis 16 Jahren betreffen, sicher nicht eins zu eins auf die heutige Realität übertragbar. Insgesamt sei es aber sehr erstaunlich, wie wenige standardisierte, modalitäten- und zentrenübergreifende Vergleiche von LVEF-Messungen es gebe, so die Autoren.

Literatur

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