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07.10.2016 | Diagnostik in der Kardiologie | Nachrichten

Scharfes Auge im Inneren von Koronargefäßen

Autor:
Peter Overbeck

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein innovatives bildgebendes Verfahren in der invasiven Diagnostik der koronaren Herzerkrankung. Sie liefert scharfe Bilder von der inneren Gefäßwand und deren Veränderungen. Diese Bildgebung könnten auch dabei helfen, die KHK-Therapie künftig stärker zu individualisieren.

Die intrakoronaren OCT ermöglicht es, über einen kleinen Bildgebungskatheter und mithilfe von Infrarotlicht die koronare Gefäßwand sehr genau zu analysieren. Die räumliche Auflösung ist im Vergleich zum intravasalen Ultraschall ungleich höher.

Damit lassen sich heute etwa atherosklerotische Veränderungen der Koronargefäße in Ausdehnung und Zusammensetzung sehr gut differenzieren, berichtete PD Dr. David M. Leistner von der Charité
auf einer Pressekonferenz im Rahmen der DGK-Herztage 2016 in Berlin. Die dreidimensionale Darstellung liefert so wesentliche Zusatzinformationen zur Koronarangiografie, die bekanntlich nur ein Schattenbild des Gefäßlumens („Luminografie“) zeichnen kann.

Bessere Differenzierung von koronaren Plaques

So kann nun besser zwischen lipidreichen Plaques, kalziumreichen Läsionen (Koronarkalk) und weichen „vulnerablen“ Plaques, von denen aufgrund ihrer Rupturneigung die größte Gefahr ausgeht, besser unterschieden werden. Die OTC hilft zudem bei der Klärung der Gefäßpathologie im Falle eines akuten Koronarsyndroms. Mit ihrer Hilfe lässt sich etwa zwischen Plaque-Ruptur und Plaque-Erosion unterscheiden, berichtete Leistner.

Die OTC kann auch zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei perkutaner koronarer Intervention (PCI) beitragen. Sie erleichtert die Entscheidung etwa über die optimale Stentlänge und ermöglichte es, die Stentplatzierung im Koronargefäß bezüglich Malapposition, Dissektion oder Gewebeprolaps durch Stentmaschen zu kontrollieren.

Dass dies von praktischer Bedeutung ist, zeigten , so Leistner, die Ergebnisse der ILUMIEN-1-Studie: Danach hatte die Verwendung der OCT-Bildgebung zur PCI-Optimierung wesentlichen Einfluss auf die Vorgehensweise vor und nach PCI.

Funktionelle PCI-Ergebnisse verbessert

Vorteile der OCT bei akutem Koronarsyndrom konnten auch in der jüngst in einer „Hot Line“-Sitzung beim ESC-Kongress vorgestellten DOCTORS-Studie dokumentiert werden. Auch in dieser Studie, an der Patienten mit Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) beteiligt waren, hatte dieses Bildgebungsverfahren direkten Einfluss auf die ärztlichen Entscheidungen über die Vorgehensweise.

Im Ergebnis zeigte sich, dass dadurch die funktionellen Ergebnisse – gemessen an der fraktionellen Flussreserve (FFR) vor und nach PCI als primärem Endpunkt – im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Koronarangiografie signifikant verbessert wurden. Ob daraus am Ende auch in eine stärkere Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen resultiert, werden größere Studien zeigen müssen.

Weg zur personalisierten Medizin bei KHK?

Die OTC könnte nach Ansicht von Leistner auch die „Möglichkeiten für eine individualisierte Koronartherapie verbessern“.

So wird derzeit unter anderem in Studien geprüft, ob bei Patienten mit akutem Herzinfarkt, bei denen die OTC Plaque-Erosionen als Ursache offenbart, auf eine Stent-Implantation zugunsten einer reinen antithrombotischen Therapie verzichtet werden kann. Diese Erosionen heilen zumeist ohne Stenosierung wieder ab, gleichwohl werden auch diese Patienten heute routinemäßig mit einem Stent versorgt.


Literatur