Nachrichten 03.03.2020

Strategien gegen den Strahlenexzess

Technik kann helfen, bei Interventionen an chronisch verschlossenen Gefäßen (CTO) die Strahlendosis zu minimieren. Viel wichtiger ist aber strahlenbewusstes Handeln des intervenierenden Kardiologen.

Kutane Strahlenschäden werden bei kaum einer Studie zu perkutanen Interventionen bei CTO in der Kardiologie als Nebenwirkung aufgeführt. Das liege möglicherweise daran, dass die Patienten fast immer schon entlassen seien, bevor Strahlenschäden aufträten, sagte Prof. Dr. Gerald Werner von der Medizinischen Klinik am Klinikum Darmstadt. 

„Strahlenschäden nicht bagatellisieren“

Bei der Tagung CTO 2020 in New York berichtete der Kardiologe von einem 52-jährigen Patienten, bei dem vergeblich versucht worden war, eine CTO des RIVA zu rekanalisieren und der im Nachgang eine großflächige Strahlenschädigung der Haut am Rücken entwickelte. Bei dem Patienten war überwiegend mit anterior-posteriorem Strahlengang bearbeitet worden, und es waren 125 Cine-Angiographie-Sequenzen genutzt worden.

Die Gefahr von Strahlenschäden der Haut sollte bei CTO-Patienten nicht bagatellisiert werden, so Werner: „Wir haben immer noch viele Patienten über dem 5 Gy-Limit.“ 

Das können Ärzte selbst tun

Register wie EuroCTO zeigten, dass die Strahlenintensität nicht nur mit der Art der Intervention, sondern ebenfalls wesentlich mit dem intervenierenden Arzt zusammenhänge. So gebe es Ärzte, die im Mittel bei 1,5 Gy und andere, die im Mittel bei 7 Gy landeten.

Sich dessen bewusst zu sein, wieviel Strahlung man appliziere, sei der wichtigste erste Schritt auf dem Weg zu weniger strahlenintensivem Arbeiten, betonte Werner. Zur Reduktion beitragen kann die Nutzung einer Frame-Rate von 7,5 statt 15 pro Sekunde. Das ist jedem Interventionalisten bewusst. Allerdings müsse die niedrigere Frame-Rate auch konsequent genutzt und auf Cine-Angiographien mit einer Frame-Rate von 15 pro Sekunde möglichst verzichtet werden. 

Wann immer möglich sollte mit Standbildern gearbeitet werden, so Werners Empfehlung and die Kollegen. Denn die bei weitem meiste Strahlung entstehe durch die Cine-Bildgebung.

Der zweite wichtige Faktor, mit dem der Interventionalist die Strahlenbelastung unmittelbar beeinflussen könne, sei die Art der Projektion. Insbesondere kraniale und kaudale Projektionen trieben die Strahlenintensität in die Höhe. Sie sollten so wenig und so kurz wie möglich genutzt werden, empfahl Werner. Oft reicht auch schon eine geringfügige Veränderung des Winkels, um Strahlung zu sparen. Der Kardiologe rechnet vor, dass eine LAO 30° Projektion im Vergleich zu einer LAO 45° Projektion bei vergleichbarem Ergebnis die Strahlendosis um mehr als ein Drittel senke.

Neue Techniken zur Strahlenreduktion

Natürlich kann auch der Umstieg auf neuere Angiographie-Technologien und Algorithmen, die das Signal-zu-Rausch-Verhältnis verbessern, zur Verringerung der Strahlendosis beitragen. Mit einem experimentellen Protokoll in Darmstadt wird derzeit zudem durch Optimierung von Filtern und Postprocessing versucht, den Anteil der Cine-Bildgebung bei CTO-Interventionen und deren Strahlungsintensität zu senken. Insgesamt sei es dadurch gelungen, bei praktisch allen Patienten mit CTO-Intervention unter der für Hautschäden wichtigen Grenze von 5 Gy zu bleiben, so Werner.

Literatur

Werner GS. Reducing Radiation Dose und Related Complications. CTO2020, 21. Februar 2020. New York.

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Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018