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06.07.2018 | Diagnostik in der Kardiologie | Nachrichten

Bildgebung bei stabiler KHK

Stress-MRT, die nächste: Weniger unnötige Revaskularisationen bei MRT-basierter Stratifizierung

Autor:
Philipp Grätzel

Eine randomisierte Studie von Kardiologen aus Ulm zur Adenosin-Stress-MRT bei Patienten mit stabiler KHK zeigt, dass Revaskularisationen verringert werden können und die Lebensqualität im Vergleich zu einer primären Koronarangiografie steigt. Dies untermauert die Ergebnisse der MR-INFORM-Studie.

An der monozentrischen MAGnet-Studie nahmen unter Leitung von Dr. Dominik Buckert vom Herzzentrum des Universitätsklinikums Ulm 200 Patienten mit stabiler Angina pectoris teil, die ein mittleres bis hohes KHK-Risiko aufwiesen und in eine von zwei Gruppen randomisiert wurden: Entweder erfolgte als Erstmaßnahme eine Koronarangiografie oder es wurde primär nicht-invasiv vorgegangen und eine Adenosin-Stress-MRT angesetzt. Eine sofortige Koronarangiografie wurde in dieser Gruppe nur dann vorgenommen, wenn mindestens 10 Prozent des Myokards Hinweise auf eine lastabhängige Ischämie zeigten.

Primärer Endpunkt der Studie war ein Komposit aus kardialem Tod und nicht-tödlichem Myokardinfarkt. Außerdem wurden die Lebensqualität und die Anzahl der Patienten mit Revaskularisationen analysiert.

Drei Viertel brauchten keinen Herzkatheter

Innerhalb der ersten 12 Monate nach Studienbeginn wurde bei lediglich 28,1% der Patienten in der MRT-Gruppe eine Revaskularisation empfohlen. Mit anderen Worten: Drei von vier Patienten brauchten innerhalb der ersten zwölf Monate keinen Herzkatheter. In der Gruppe mit sofortiger Koronarangiografie erfolgte in der initialen Untersuchung bei 45,9% der Patienten eine Revaskularisation, die anderen Patienten wurden nach der Angiografie zunächst rein medikamentös behandelt.

Nach einem Jahr gab es in der Angiografie-Gruppe bei 3,1% der Patienten ein Endpunktereignis, in der MRT-Gruppe bei 4,2% der Patienten. Dieser Unterschied war nicht statistisch signifikant. Bei den Endpunktereignissen im ersten Jahr handelte es sich ausnahmslos um nicht-tödliche Myokardinfarkte.

Vorteile bei der Lebensqualität

Patienten ohne Ischämienachweis in der MRT hatten eine Ereignisrate von 1,4%. In der Angiografie-Gruppe lag der Anteil der Endpunktereignisse bei den Patienten, die keine perkutane Intervention erhielten, bei 1,9%. Bei der mit dem SAQ Fragebogen erfassten Lebensqualität gab es in mehreren Dimensionen signifikante Vorteile für das MRT-basierte Vorgehen.

Anders als in der multizentrischen MR-INFORM-Studie, in der ebenfalls auf Basis des MRTs stratifiziert wurde und die Zahl unnötiger Revaskularisationen ebenfalls deutlich reduziert werden konnte, gab es in der Ulmer MAGnet-Studie ein 3-Jahres-Follow-up. Hier stieg die Ereignisrate in der MRT-Gruppe auf 9,4%, in der Angiografie-Gruppe waren es nur 4,1%. Auch das war statistisch nicht signifikant, allerdings konnte die Nichtunterlegenheit nach drei Jahren nicht belegt werden. Die Unterschiede in der Lebensqualität waren nach drei Jahren nicht mehr nachweisbar.

Trotz dieses kleinen „Schönheitsfehlers“ bewerten Prof. Colin Berry und Kollegen vom Cardiovascular Research Centre der Universität Glasgow, Schottland, die MAGnet-Studie nach der MR-INFORM-Studie als eine weitere Studie, die deutlich dafür spricht, bei Patienten mit stabiler KHK eine nicht-invasive Triage der Patienten vorzunehmen statt jeden zum Herzkatheter zu schicken. Sie weisen auch darauf hin, dass es bei der Randomisierung in der MAGnet-Studie Ungleichgewichte zwischen den Gruppen zulasten der MRT-Gruppe gab, darunter ein höherer Anteil von Patienten mit Diabetes und mehr Patienten mit ischämischer Vorgeschichte in der Anamnese.

Literatur

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