Onlineartikel 02.04.2016

Die Erfahrung macht den Meister

Bei Aortenklappenpatienten, die in TAVI-Zentren mit hohen Behandlungszahlen versorgt werden, ist die Sterblichkeit im Schnitt deutlich niedriger als in Zentren mit geringen Eingriffszahlen. Das zeigt eine Auswertung von Daten zur Qualitätssicherung gemäß §137 SGB V für das Jahr 2014.

Im Zusammenhang mit der Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie an einem Zertifizierungsprogramm für Zentren, die diese Leistung anbieten wollen. Teil dieses Programms soll eine Mindestmenge von 50 Eingriffen pro Jahr und Operateur sein. Doch wie sieht es mit objektiven Zahlen zum Outcome der TAVI in den deutschen TAVI-Zentren mit unterschiedlichen Fallzahlen aus?

Bei der 82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim präsentierte PD. Dr. Kurt Bestehorn von der TU Dresden erste derartige Zahlen. Sie basieren auf dem Datensatz zur Qualitätssicherung gemäß §137 SGB V und beziehen sich auf knapp 10300 transfemorale TAVIs in 97 Einrichtungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sterblichkeit nicht durchgängig, aber doch im Trend mit der Zahl der Eingriffe pro Jahr korreliert. „In Einrichtungen mit über 200 Patienten pro Jahr liegt die Mortalität deutlich unter der zu erwartenden“, so Bestehorn.

Im Mittel betrug die Mortalität bei transfemoralen TAVis in Deutschland im Jahr 2014 demnach 3,8% nach 4,7% im Jahr 2013. Bei einer ganzen Reihe von Einrichtungen betrug die Mortalität aber über 8%, und zumindest bei drei Einrichtungen waren es über 10 Prozent. Die beiden Spitzenreiter lagen bei etwas über 16% bzw. gut 18%. Beides waren Einrichtungen mit unter 50 Eingriffen pro Jahr. Doch auch bei den Einrichtungen mit 50 bis 150 Eingriffen gibt es „Ausreißer“ mit Sterblichkeiten von über 8%. Erst jenseits von 140 Eingriffen gibt es keine Einrichtung mehr mit einer Sterblichkeit von über 6%, und jenseits der 200 Eingriffe pro Jahr keine Einrichtung mehr mit über 4%.

Demgegenüber macht es zumindest diesem Datensatz zufolge bei der intrahospitalen Sterblichkeit keinen Unterschied, ob ein TAVI-Zentrum eine herzchirurgische Abteilung im Haus hat oder ob ein externer Herzchirurg über eine Kooperation hinzugezogen wird. Die Liegezeit der Patienten ist in Einrichtungen ohne Herzchirurgie mit im Mittel elf Tagen etwas höher, und es gibt auch mehr intraprozedurale Komplikationen (10,8% vs. 5,0%) sowie häufiger moderate bis schwere Regurgitationen (3,2% vs. 0,7%). Kommt es bei einer TAVI zu einer schweren Komplikation, die einen Wechsel zur offenen Chirurgie nötig macht, ist die Sterblichkeit in beiden Fällen hoch und liegt bei rund einem Drittel. 

Literatur

82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie; Pressekonferenz 1. April 2016; Mannheim