Nachrichten 19.12.2022

Apple Watch gibt Hinweise auf linksventrikuläre Dysfunktion

Dass Smartwatches möglicherweise dazu beitragen könnten, Personen mit linksventrikulärer Dysfunktion zu identifizieren, war schon beim diesjährigen Kongress der Heart Rhythm Society Thema. Jetzt wurde die Studie dazu publiziert.

Eine eingeschränkte Pumpfunktion des linken Ventrikels kann gefährliche Folgen haben – besonders, wenn Erkrankte nichts davon ahnen und dadurch zu spät mit der Therapie beginnen. Bei der EKG-Auswertung gab es in den vergangenen Jahren große Fortschritte durch künstliche Intelligenz, die anhand von 12-Kanal-EKG Funktionsstörungen des Herzens identifizieren konnte. Es wurde auch untersucht, ob dies mithilfe eines durch die Apple Watch erzeugten 1-Kanal-EKG möglich ist. Die Ergebnisse sind vielversprechend.

Smartwatch-EKG vs. Echokardiogramm

Für die Analyse hatte ein Team um Dr. Zachi Attia vom Mayo Clinic College of Medicine in Rochester mehr als 125.000 per App erstellte 1-Kanal-EKG von rund 2.500 Patientinnen und Patienten aus elf Ländern gesammelt und diese mithilfe von Algorithmen ausgewertet. Bei 421 Teilnehmenden war innerhalb von 30 Tagen zudem ein Echokardiogramm erstellt worden, sodass die Resultate mit denen der künstlichen Intelligenz verglichen werden konnten.

In 16 Fällen wurde echokardiografisch eine linksventrikuläre Dysfunktion gemessen, definiert als Ejektionsfraktion von höchstens 40%. Zwölf davon hatte die Apple Watch erkannt. Die Analyse bezog sich jeweils auf das EKG mit dem kürzesten zeitlichen Abstand zur Echokardiografie. Die Sensitivität betrug 75,0%, die Spezifität 78,5%. Die „Area Under the Curve“ für die korrekte Vorhersage einer linksventrikulären Dysfunktion lag bei 0,885.

Methode hat Potenzial für die Zukunft

„Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass mithilfe von Smartwatches in einem nicht klinischen Umfeld erstellte EKG verwendet werden können, um Patienten und Patientinnen mit Funktionsstörungen des Herzens zu identifizieren, die potenziell lebensbedrohlich und oft asymptomatisch sind“, fassen Attia et al. zusammen. Einschränkungen dabei sind jedoch, dass 1-Kanal-EKG verglichen mit 12-Kanal-EKG ungenauer und anfälliger für Fehler sind und falsch-positive Ergebnisse unbegründete Ängste wecken könnten. Zudem handelte es sich im Vergleich zu typischen Herzinsuffizienzpatienten und -patientinnen um eine eher junge Kohorte mit einem Durchschnittsalter von 53 Jahren.

Literatur

Attia Z. et al. Prospective evaluation of smartwatch-enabled detection of left ventricular dysfunction. Nature Medicine 2022. https://doi.org/10.1038/s41591-022-02053-1

Highlights

Myokarditis – eine tödliche Gefahr

In der vierten Ausgabe mit Prof. Andreas Zeiher geht es um die Myokarditis. Der Kardiologe spricht über Zusammenhänge mit SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Impfungen und darüber, welche Faktoren über die Prognose entscheiden.

Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

CRT-Therapie und QRS-Morphologie: Metaanalyse schafft Klarheit

Bezüglich des Nutzens einer kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) bei nicht linksschenkelblockartiger QRS-Morphologie (Non-LBBB) herrscht Unsicherheit. Eine Metaanalyse gibt nun genauere Auskunft darüber, welche Patienten mit dieser QRS-Charakteristik von einer CRT profitieren und welche nicht.

Herzinsuffizienz: Landbewohner in den USA scheinen stärker gefährdet

In ländlichen Regionen in den USA haben die Bewohner offenbar ein höheres Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, als die Stadtbevölkerung, so das Ergebnis einer prospektiven Studie. Dieser Zusammenhang war sogar unabhängig vom sozioökonomischen Status.

50-Jähriger mit wiederholtem Brustschmerz – keine Stenose, sondern?

Ein 50-jähriger Patient wird wegen Brustschmerz und Ohnmachtsanfällen vorstellig. Eine ausgeprägte Stenose können die Kardiologen in der Koronarangiografie allerdings nicht feststellen. Stattdessen finden sie einen auffälligen Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum des Mannes.

Aus der Kardiothek

Therapie der akuten Herzinsuffizienz – Wann und womit starten

Nach Dekaden des Stillstandes wurden in der letzten Zeit einige Fortschritte in der Therapie der Herzinsuffizienz gemacht. Welche das sind, und wie diese in der Praxis umgesetzt werden sollten, erläutert Prof. Christine Angermann in diesem Video.

Hypertonie und Dyslipidämie - einfach gemeinsam behandeln

Hypertonie und Hypercholesterinämie treten oft gemeinsam auf. Prof. Ralf Dechend stellt in diesem Video neue Strategien zum Umfang mit diesen kardiovaskulären Risikofaktoren vor.

Systematisches Vorhofflimmern-Screening in Risikopopulation: sinnvoll und machbar

Wearables eröffnen ganz neue Perspektiven für das Vorhofflimmern-Screening. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz eines solchen Screenings? Und inwiefern können Patienten davon tatsächlich profitieren? Prof. Ralf Birkemeyer gibt Antworten.

Podcast-Logo/© Springer Medizin Verlag GmbH (M)
Podcast-Logo
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org