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07.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Nicht so einfach

Einfache angeborene Herzfehler mit Spätfolgen?

Autor:
Philipp Grätzel

Wer nach der Geburt einen einfachen angeborenen Herzfehler hatte, zeigt Jahrzehnte später eine erhöhte Sterblichkeit und eine erhöhte kardiale Morbidität. Das gilt zumindest für Menschen, die in den 60er und 70er Jahren geboren wurden.


Wegen einer guten elektronischen Dokumentation und eines eher entspannten Verhältnisses zum Datenschutz können im dänischen Gesundheitswesen Kohortenstudien der kompletten Bevölkerung durchgeführt werden, bei denen Daten aus medizinischen Datenbanken und Bevölkerungsregistern kombiniert und über lange Zeiträume hinweg ausgewertet werden. Eine solche landesweite Auswertung haben dänische Kardiologen der Universitäten Aarhus und Kopenhagen jetzt für Patienten mit einfachen angeborenen Herzfehlern vorgenommen.

Vorhof- und Ventrikelseptumdefekte

Zu den einfachen angeborenen Herzfehlern zählen in erster Linie isolierte Vorhof- und Ventrikelseptumdefekte. Sie gelten in der Regel als unkompliziert, und es wird ihnen kein großer Einfluss auf die langfristige Prognose der Betroffenen zugeschrieben. In den dänischen Daten sieht das allerdings etwas anders aus.

1241 Menschen wurden identifiziert, die mindestens das 15. Lebensjahr erreichten und bei denen der einfache angeborene Herzfehler zwischen 1963 und 1973 diagnostiziert worden war. Jedem Betroffenen wurden zehn nach Alter und Geschlecht gematchte Kontrollprobanden zugeordnet. Am Ende des Follow-up Anfang 2013 lag das mediane Alter der Studienteilnehmer bei 47,4 Jahren.

Erhöhte Gesamtsterblichkeit

Im Vergleich zu dieser Kontrollgruppe war die in diesem Alter insgesamt noch geringe Gesamtsterblichkeit der Herzfehlerpatienten deutlich und statistisch signifikant erhöht (HR 1,9 95%-CI 1,2-2,4). Dies ging vor allem auf eine erhöhte Inzidenz plötzlicher, unerwarteter Todesfälle zurück, die bei den Herzfehlerpatienten einen Anteil 40% hatten (HR 4,3 95%-CI 2,9-6,5).

Stark erhöht war außerdem die Rate schwerer kardialer Ereignisse. Die Inzidenz betrug 3,9 pro tausend Patientenjahre, rund fünfmal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die häufigsten Ereignisse waren dabei kardiale (Re-)Operationen sowie Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz und/oder ventrikulären Tachyarrhythmien.

Literatur