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02.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Supraventrikuläre Tachykardien

Einfache Modifikation macht Valsalva-Manöver erfolgreicher

Autor:
Peter Overbeck

Durch ein leicht modifiziertes Valsalva-Manöver (liegende Position mit Anhebung der Beine) konnte in einer Studie bei deutlich mehr Patienten mit supraventrikulären Tachykardien eine Konversion in Sinusrhythmus erzielt werden als durch einen herkömmlichen Valsalva-Versuch.

Das Valsalva-Manöver, also das forcierte Ausatmen bei verschlossener Mund- und Nasenöffnung mit Anspannung der Atem- und Bauchmuskulatur, ist eine anerkannte Erstmaßnahme bei supraventrikulären Tachykardien. Allerdings sind die Erfolgschancen, gemessen an der Konversion in Sinusrhythmus, mit bestenfalls 20 Prozent eher niedrig. Im Falle eines Misserfolgs ist der nächste Schritt zumeist die Gabe von Adenosin, die allerdings zu einer passageren Asystolie führt und von vielen Patienten als sehr unangenehm und beängstigend empfunden wird.

Eine Gruppe englischer Mediziner um Dr. Andrew Appelboam aus Exeter geht davon aus, dass sich die Effizienz des Valsalva-Pressdruckversuchs durch eine simple Modifizierung mit dem Ziel, den venösen Rückfluss und die vagale Stimulation zu verstärken, weiter verbessern lässt. Zur Überprüfung ihrer Hypothese hat die Gruppe im Januar 2013 eine randomisierte kontrollierte Vergleichsstudie (REVERT) gestartet. Dafür sind an zehn Notfall-Zentren in England bis Ende 2014 insgesamt 433 Patienten mit supraventrikulären Tachykardien rekrutiert und zwei Behandlungsgruppen zugeteilt worden. Patienten mit Vorhofflimmern oder -flattern blieben von der Studie ausgeschlossen.

Hebung der Beine für 15 Sekunden

In der Kontrollgruppe wurde das Valsalva-Manöver in konventioneller Form durchgeführt: Nachdem die Patienten zunächst 15 Sekunden lang gegen einen Druck von 40 mmHg ausgeatmet hatten, wurden sie nach diesem Pressversuch in eine halbliegende Position (45 Grad Neigung) gebracht und verblieben 60 Sekunden lang bis zur EKG-Ableitung in dieser Position.

In der Interventionsgruppe wurde das Manöver modifiziert: Nach ebenfalls 15 Sekunden Pressversuch wurden die Patienten zunächst in Rückenlage gebracht und die Beine 15 Sekunden lang vom Personal um etwa 45 Grad angehoben. Danach erfolgte die Umlagerung in eine halbliegende Position, in der die Patienten für die Dauer von 45 Sekunden bis zur EKG-Aufzeichnung verblieben.

Modifizierte Methode signifikant erfolgreicher

Die modifizierte, als „lying down with leg lift“ bezeichnete Valsalva-Versuchsvariante schnitt im Vergleich deutlich besser ab: Bei immer 43 Prozent aller Patienten konnte eine Konversion in Sinusrhythmus erreicht werden. Die Erfolgsrate war damit signifikant höher als in der Kontrollgruppe, in der sich ein normaler Herzrhythmus nach herkömmlichem Valsalva-Manöver nur bei 17 Prozent aller Patienten einstellte (p < 0,0001).

Als Folge der höheren Wirksamkeit waren notfallmäßige Behandlungen etwa mit Adenosin oder Antiarrhythmika in der Gruppe mit modifiziertem Valsalva-Manöver deutlich seltener erforderlich. Mit dieser Methode einhergehende Komplikationen oder unerwünschte Effekte wurden nicht beobachtet.

Angesichts dieser Ergebnisse sollte das modifizierte Valsalva-Manöver, so die Studienautoren, künftig als routinemäßige Erstmaßnahme bei Patienten mit supraventrikulären Tachykardien in Betracht gezogen werden.

 

Literatur