Nachrichten 28.06.2022

Einfache und sichere Ablation mit der „Pulsed Field“-Methode

Nach ersten klinischen Erfahrungen deutscher Kardiologen mit der „Pulsed Field Ablation“ bei knapp 200 Patienten mit Vorhofflimmern ermöglicht diese neue Methode eine einfache, sichere und rasche „Single-shot“-Isolierung von Pulmonalvenen in der interventionellen Ablationstherapie.

Im Unterschied zu herkömmlichen Verfahren wie Radiofrequenzstrom- oder Kryoablation, bei denen die gewünschte Verödung von kardialem Gewebe zur Beseitigung von Vorhofflimmern mithilfe von Hitze oder Kälte erfolgt, basiert die „Pulsed Field Ablation“ (PFA) auf der Anwendung von nicht-thermischer Energie. Bei der PFA-Methode werden für sehr kurze Zeit gepulste elektrische Felder mit hoher Amplitude erzeugt. Durch Bildung von Poren kommt es zur Destabilisierung der Zellmembran mit konsekutiver Steigerung der Membranpermeabilität, was schließlich zum Zelltod führt, zur sogenannten irreversiblen Elektroporation.

Ablation ohne thermische Energie

Speziell Herzzellen reagieren sehr empfindlich auf diese elektrischen Felder. Darauf gründet die Hoffnung, dass die PFA-Methode eine zielgerichtete und sichere Verödung von kardialem Gewebe bei gleichzeitiger Schonung umliegender Gewebestrukturen (Ösophagus, N. phrenicus, Gefäße) ermöglichen könnte.

Eine Gruppe deutscher Kardiologen um PD Dr. Boris Schmidt und Prof. Julian Chun vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) in Frankfurt hat zwischen März und August 2021 bei insgesamt 200 Patienten mit paroxysmalem (n=127; 64%) oder persistierendem Vorhofflimmern (n=73; 36%) eine PFA-Ablation vorgenommen. Die unter intravenöser Sedierung vorgenommenen Eingriffe waren zu etwas gleichen Teilen von sechs erfahrenen Elektrophysiologen durchgeführt worden.

Über die bei 191 konsekutiven Patientinnen und Patienten (mittleres Alter 69 Jahre, 42% Frauen) gewonnenen Erfahrungen berichtet die Gruppe aktuell im Fachblatt „Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology“. Neun Patienten blieben wegen sehr komplexer Ablationen von der Analyse ausgeschlossen.

Keinen Anstieg der Ösophagus-Temperatur beobachtet

In einer initialen „Validierungsphase“ haben die Untersucher zunächst bei den ersten 25 Ablationseingriffen die Qualität der intrakardialen EKG-Aufzeichnung durch den verwendeten PFA-Katheter (FARAWAVE-Device) für die intraprozedurale Beurteilung der akuten Pulmonalvenenisolation (PVI) geprüft (Nachweis von „entrance block“). Dies erfolgte über den Vergleich mit den Elektrogramm-Aufzeichnungen eines standardmäßigen zirkulären Mapping-Katheters. Der Vergleich ergab eine Übereinstimmung von 100%, berichten Schmidt und seine Kollegen.

Bei Messungen der Ösophagus-Temperatur wurde kein Temperaturanstieg festgestellt. Zudem waren bei postprozeduralen Ösophagus-Endoskopien (n=52) keine thermischen Schäden am Ösophagus nachweisbar.

Bei den 166 in der „Streamline-Phase“ durchgeführten Eingriffen wurde nach dem „single-catheter“-Prinzip vorgegangen. Auf den Gebrauch des zirkulären Mapping-Katheters wurde in dieser Phase ebenso verzichtet wie auf das Monitoring der Ösophagus-Temperatur.

„Single-shot“-Isolation bei 99,5% aller Pulmonalvenen

Alle Pulmonalvenen wurden ausschließlich mit dem PFA-Device isoliert (PVI-Rate von 100%). Eine „Single-shot“-Isolation (PVI mit der ersten Energieapplikation) konnte bei 744 von 748 Pulmonalvenen (99,5%) erreicht werden. Hinsichtlich der „Single-shot“-Isolation aller Pulmonalvenen bei einem individuellen Patienten lag die Erfolgsquote bei 98% (187 von 191 Patienten).

Die durchschnittliche Prozedurdauer betrug 39 Minuten, die durchschnittliche Durchleuchtungszeit 9 Minuten. Im Vergleich zur „Validierungsphase“ war die Prozedurdauer in der „Streamline-Phase“ signifikant kürzer (46 versus 38 Minuten, p=0,004).

Noch zu früh für definitive Schlussfolgerungen

Schmidt und sein Team berichten über zwei in der „Validierungsphase“ aufgetretene leichte Schlaganfälle (minor stroke), die möglicherweise auf Luftembolien infolge des in dieser Phase vorgenommenen Katheteraustausches zurückzuführen seien. In der „Streamline-Phase“ seien keine weiteren Schlaganfälle hinzugekommen. Bei 10 von 53 Patienten (19%) mit Hirn-MRT-Untersuchung seien klinisch stumme Hirnläsionen festgestellt worden.

Die untersuchte Patientengruppe sei noch zu klein, um definitive Schlussfolgerungen ziehen zu können, räumen die Studienautoren um Schmidt ein. Gleichwohl bewerten sie sie ihre Studienergebnisse als „ermutigend bezüglich der prozeduralen Sicherheit“, was die Schonung benachbarter Organe betrifft.

Literatur

Schmidt B et al. 5S Study: Safe and Simple Single Shot Pulmonary Vein Isolation With Pulsed Field Ablation Using Sedation. Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology 2022; https://doi.org/10.1161/CIRCEP.121.010817


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