Nachrichten 08.12.2022

Vorhofflimmern: Verbessert Katheterablation den Blutfluss im Hirn?

Einer kleinen Studie zufolge scheint eine Katheterablation bei Patienten mit Vorhofflimmern die zerebrale Durchblutung verbessern zu können. Ist das gut, um möglichen Verschlechterungen der kognitiven Funktion vorzubeugen?

Vorhofflimmern ist bekanntlich ein Risikofaktor für den ischämischen Schlaganfall. In bevölkerungsbasierten Studien war diese häufige Herzrhythmusstörung zudem mit der Entwicklung von kognitiven Einschränkungen und Demenz assoziiert.

Unabhängig von der Hirnschädigung durch Schlaganfälle könnte auch eine durch Vorhofflimmern bedingte zerebrale Hypoperfusion als Mechanismus kognitiven Defiziten Vorschub leisten. Wäre das der Fall, würde eine Verbesserung der zerebralen Durchblutung einem Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Vorhofflimmern möglicherweise entgegenwirken.

Noch ist das Spekulation. Daten aus randomisierten Studien, die belegen, dass etwa eine rhythmuserhaltende Therapie oder eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zur Prävention von Demenz beitragen, liegen nicht vor. Inzwischen gibt es aber erste Studien, die zumindest darauf hinweisen, dass eine rhythmuserhaltende Therapie bei Vorhofflimmern den zerebralen Blutfluss steigern könnte.

Medikamentös behandelte Patienten als Kontrollen

Eine solche Studie hat jetzt eine japanische Arbeitsgruppe um Dr. Yoshihide Takahashi von der Abteilung für kardiovaskuläre Medizin an der Tokyo Medical and Dental University publiziert. Beteiligt daran waren 57 Patientinnen und Patienten (mittleres Alter 64 Jahre; 45 Männer) mit paroxysmalem (n = 22) oder nichtparoxysmalem Vorhofflimmern (n = 35), die alle einer Katheterablation unterzogen worden waren. Elf Studienteilnehmer ohne Ablation, deren Vorhofflimmern rein medikamentös behandelt wurde, bildeten die Kontrollgruppe.

Zu Beginn (d.h. in der Interventionsgruppe vor der Ablation) sowie nach sechs Monaten war bei allen Teilnehmern mittels MRT-Bildgebung der zerebrale Blutfluss (CBF, cerebral blood flow, ml/min) gemessen worden. Anhand der MRT-Messungen wurden auch das Gesamtvolumen des Gehirns und das bilaterale Hippocampus-Volumen bestimmt – letzteres deshalb, weil eine Hippocampus-Atrophie frühe Hinweise auf dementielle Hirnveränderungen geben kann.

Von den 57 Teilnehmern mit Katheterablation wiesen die meisten zum Zeitpunkt der initialen MRT-Messung Vorhofflimmern statt Sinusrhythmus auf (35 vs. 22). Bei der zweiten Messung nach sechs Monaten stellten dagegen Patienten im Sinusrhythmus die große Mehrheit (52 vs. 5).

Veränderungen beim zerebralen Blutfluss unterschieden sich signifikant

Wie die Analyse der MRT-Messungen ergab, hatte der zerebrale Blutfluss nach sechs Monaten in der Gruppe mit Katheterablation in Relation zu den Ausgangsbefunden zugenommen (39,26 ml/min), in der Kontrollgruppe dagegen abgenommen (-34,86 ml/min). Im Vergleich zur Kontrollgruppe resultiert somit ein signifikanter Unterschied beim CBF um insgesamt 74,12 ml/min zugunsten der Ablationsgruppe (p=0,01).

Zusätzlich zum CBF hat die japanische Untersuchergruppe auch die „Hirnperfusion“ (CBF geteilt durch das Gesamtvolumen des Gehirns) gemessen.  Auch bezüglich dieses Parameters ergab sich ein signifikanter Vorteil zugunsten der Gruppe mit rhythmuserhaltender Therapie mittels Katheterablation (3,78 vs. -3,02 ml/100 ml/min; p = 0,009).

Nichtparoxysmales Vorhofflimmern war ein starker Prädiktor

Bezüglich der Parameter Gesamtvolumen des Gehirns (2,57 vs. -2,15 ml; p=0,32) und bilaterales Hippocampus-Volumen (0,03 vs. 0,04 ml; p=0,80) unterschieden sich die im Verlauf von sechs Monaten festgestellten Änderungen in der Ablations- und Kontrollgruppe dagegen nicht signifikant.

Als starker Prädiktor für eine Zunahme des zerebralen Blutflusses nach Ablationsbehandlung erwies sich im Übrigen nichtparoxysmales, d.h. persistierendes oder permanentes Vorhofflimmern. In der Subgruppe der Patienten, die zu Beginn diese mit einer größeren „Arrhythmielast“ einhergehende Form des Vorhofflimmerns aufwiesen und nach Ablation frei von atrialen Tachyarrhythmie-Rezidiven waren (n=27), war der CBF-Anstieg signifikant und mit 13,7% in Relation zum Ausgangs-CBF am stärksten (p < 0,0001).

Messungen kognitiver Funktionen waren im Rahmen der Studie nicht vorgesehen. Die Frage, ob sich die gezeigte Verbesserung der Hirndurchblutung nach Katheterablation günstig auf die Kognition ausgewirkt hat, kann die Studie somit nicht beantworten. Auch ist die Studienpopulation sehr klein, was die Zuverlässigkeit von Analysen etwa bezüglich einzelner Subgruppen limitiert.

Literatur

Takahashi Y. et al. Increase in Cerebral Blood Flow After Catheter Ablation of Atrial Fibrillation. J Am Coll Cardiol EP 2022; 8: 1369–77

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