Nachrichten 15.12.2022

Persistierendes Vorhofflimmern: Neue Ablationstechnik verspricht langfristig mehr Erfolg

Nach einer konventionellen Katheterablation kommt es gerade bei Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern häufig zu Rezidiven. Daten aus München legen nun nahe, dass eine neuere Technik die langfristige Erfolgsrate erhöhen könnte – bei gleicher Sicherheit und kürzerer Behandlungsdauer.

Die sog. „High-Power Short-Duration”-Ablationstechnik (HPSD) könnte die langfristigen Erfolgsraten bei persistierendem Vorhofflimmern erhöhen. Zu diesem Schluss kommen Kardiologinnen und Kardiologen des Deutschen Herzzentrums in München nach Auswertung klinikinterner Daten.

Die HPSD-Methode hat in den letzten Jahren als alternative Technik für die Pulmonalvenenisolation mittels Radiofrequenzablation gewisse Aufmerksamkeit erregt. Im Gegensatz zur konventionellen Radiofrequenzablation werden bei der HPSD höhere Energieabgaben für eine kürzere Zeit appliziert: mind. 45 Watt für ˂ 20 Sekunden statt wie üblich 20–40 Watt für 20–40 Sekunden („Low-Power Long-Duration“).

Theoretische Vorteile der HPSD-Methode

Die veränderte Energieapplikation führt dazu, dass sich die Hitzephasen, die bei einer Radiofrequenzablation für gewöhnlich durchlaufen werden, verschieben: Es überwiegt die resistive Phase, bei der es durch einen Temperaturanstieg > 50°C zu einer lokalen irreversiblen Myokardschädigung kommt, gegenüber der konduktiven Phase, die durch eine passive Ausbreitung der Hitze in tiefere Gewebeschichten gekennzeichnet ist. Durch diese Verschiebung, so die Hoffnung, soll das Risiko für Kollateralschäden, z.B. am Perikard, N. phrenicus oder Ösophagus, reduziert werden.

Vorteilhaft an der HPSD-Technik ist zudem, dass die auf diese Weise erzeugten Läsionen eine veränderte Geometrie aufweisen (flacher, größerer Durchmesser, weniger Endokard aussparend), wodurch die Kontinuität der Läsionen verbessert wird. Das Risiko für Rekonnektionen der Pulmonalvenen wird verringert, und folglich auch das Risiko für Vorhofflimmern-Rezidive.

Retrospektive Daten aus München

So die Theorie, ob sich die angeblichen Vorteile der neuen Ablationstechnik in der Praxis bewahrheiten, gilt es in Studien erst noch zu belegen. Die Münchner Kardiologen haben nun mit ihrer Studie zur Beweisfindung beigetragen. Die Gruppe um Dr. Miruna Popa hat Daten von 1.115 Patientinnen und Patienten, die am Herzzentrum in München zum ersten Mal wegen Vorhofflimmerns (38,7% paroxysmal, 61,3% persistierend) eine Katheterablation erhalten haben, retrospektiv ausgewertet: 541 hatten eine konventionelle Radiofrequenzablation (30–35 W für 15–30 s) erhalten, 574 eine Ablation mit „very High-Power Short-Duration“ – d.h. 70 W für 5–7 s oder 60 W für 7–10 s (im Folgenden abgekürzt als vHSPD).

Vergleichbare Komplikationsraten

Innerhalb der ersten 30 Tage traten zwei Herzbeuteltamponanden bei den mit vHPSD abladierten Patienten auf (0,35%), nach der konventionellen Ablation kam es zu einem solchen Fall (0,18%) (p=0,598). Perikardergüsse von ≥ 10 mm Größe kamen entsprechend bei 2 vs. 1 Personen (0,35% vs. 0,18%; p=0,598) und TIA bei 1 vs. 2 Personen (0,17% vs. 0,37%; p=0,529) vor. Schlaganfälle, atrioösophageale Fisteln, Herzinfarkte und Todesfälle gab es keine während dieser Zeitspanne. Das Sicherheitsprofil der vHPSD-Technik sei somit ähnlich wie bei einer konventionellen „Low-Power Long-Duration“-Ablation, schließen die Münchner Kardiologen aus diesen Ergebnissen.

Höhere Langzeiteffizienz bei persistierendem Vorhofflimmern

Als vergleichbar effektiv erwiesen sich beide Methoden in der Behandlung von paroxysmalen Vorhofflimmern: Entsprechend 78,1% vs. 70,2% der Patienten blieben in den kommenden 12 Monaten frei von jeglichen Vorhofarrhythmien (p=0,068). Die Nase eindeutig vorne in puncto Effizienz hatte die HPSD-Ablation beim persistierenden Vorhofflimmern. So hatten in dieser Population 44,1% der mittels vHPSD abladierten Patienten während der 12 Monaten kein Rezidiv vs. 34,2% mit der Standardablation (p=0,010).

Ein weiterer Vorteil der HPSD-Methode, der in der Studie offenkundig wurde, sind die damit einhergehenden kürzeren Behandlungszeiten. Sowohl die Dauer der Radiofrequenzablation (22,4 vs. 52,9 Minuten, p˂0,001) als auch die Fluoroskopie-Zeiten (8,1 vs. 9,2 Minuten; p=0,016) waren in der vHPSD-Gruppe signifikant kürzer als in der Standardablations-Gruppe. Dabei gilt es zu beachten, dass die Patientinnen und Patienten in der Standardablations-Gruppe bis zu drei Jahre früher behandelt worden sind. Sprich, es könnten in diesem Zeitraum Änderungen am Prozedurmanagement vorgenommen worden sein, die zur Verkürzung der Behandlungszeiten beigetragen haben. Deshalb – und selbstverständlich auch aus anderen Gründen der Vergleichbarkeit – sind randomisierte prospektive Studien notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Literatur

Popa M et al. Safety profile and long-term efficacy of very high-power short-duration (60–70 W) catheter ablation for atrial fibrillation: results of a large comparative analysis. EP Europace, euac215, https://doi.org/10.1093/europace/euac215

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