Nachrichten 27.04.2017

Persistierendes Vorhofflimmern: Laserballon so effektiv wie Radiofrequenzablation

Eine Laserballon-Ablation lässt sich bei Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern so sicher und erfolgreich vornehmen wie eine Radiofrequenzablation, wie eine auf der DGK-Jahrestagung vorgestellte Studie zeigt. Gerade in kleineren Zentren könnte die neue Ablationstechnik Vorteile bieten.

Bei der Katheterablation von persistierendem Vorhofflimmern könnte der Laserballon dem bisherigen Standardverfahren Konkurrenz machen. In einer randomisierten prospektiven Studie hat sich die relativ neue Ablationstechnik als ebenso wirksam und sicher erwiesen wie die klassische Radiofrequenzablation. „In Zukunft werden wir wahrscheinlich auch den Laserballon primär zur Ablation von persistierendem Vorhofflimmern einsetzen können“, resümierte PD Dr. med. Boris Schmidt, Cardioangiologisches Centrum Bethanien, der die Studie auf der DGK-Jahrestagung vorstellte.

Erfolgreich auch in kleineren Zentren

Vorteilhaft an der Laserballontechnik ist, dass sich die Pulmonalvenenisolation unter direkter visueller Kontrolle der Lungenveneneinmündung durchführen lässt. Die direkte Sicht auf das Ablationsgebiet ermöglicht ein in dem Katheterschaft eingearbeitetes Endoskop. Wie Schmidt erläuterte, werde die Navigation und Stabilisation des Ballonkatheters an den Lungenvenen erleichtert.

Im Gegensatz zum Kryoballon lässt sich die Energieform des Laserballons titrieren und der Ballonkatheter ist in verschiedenen Größen erhältlich. Als Konsequenz der recht einfachen Bedienbarkeit sind die Erfolgsquoten der Laserballon-Ablation nicht so stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängig, wie das bei Radiofrequenzablation der Fall ist.

Übereinstimmend dazu  ergab eine Subanalyse der von Schmidt und Kollegen konzipierten Studie, dass in weniger erfahrenen Zentren mit dem Laserballon höhere Erfolgsraten erzielt werden als mit der Radiofrequenzablation: 78% versus 58% der Patienten waren zwischen dem 90. Tag  nach dem Eingriff bis zu einem Jahr später frei von Vorhofflimmern geblieben.  Dieser Unterschied sei allerdings aufgrund der geringen Patientenzahl nicht signifikant, so Schmidt.  

Effektivität und Sicherheit beider Verfahren gut

Insgesamt wurden für die Studie 152 Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern aus sechs verschiedenen Zentren in Europa rekrutiert. Bei ihnen wurde entweder eine sequenzielle Ablation jeder einzelnen Lungenvene durch den Laserballon vorgenommen oder eine zirkumferentielle Radiofrequenzablation der jeweils ipsilateralen Pulmonalvenen unter Einsatz eines dreidimensionalen Mapping-Systems („wide area circumferential radiofrequency catheter ablation", WACA). Bei nur wenigen Patienten wurden außerhalb der Pulmonalvenen zusätzliche Ablationen von Triggerpunkten vorgenommen.

Die Effektivität und Sicherheit beider Ablationsverfahren war nach einem Jahr vergleichbar gut. Etwa 70% der Patienten in beiden Armen seien trotz Absetzen der antiarrhythmischen Medikation im Sinusrhythmus geblieben, berichtete Schmidt.  

Innerhalb der ersten sieben Tage traten nach der Laserballon-Ablation drei Komplikationen (ein Schlaganfall, eine Phrenikusparese und ein Pseudoaneurysma) auf, bei der Radiofrequenzablation kam es zu zwei Pseudoaneurysmen. Die Prozedurdauern waren vergleichbar (im Schnitt 135 bzw. 128 Minuten).

Literatur

Schmidt B et al. Laser Balloon or Radiofrequency Ablation for Persistent Atrial Fibrillation; Sitzung:  Late Breaking Clinical Trials, 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 19. bis 22. April 2017, Mannheim

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