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04.08.2016 | Embolieprophylaxe und Antikoagulation | Nachrichten

Vorhofflimmern

Mehrere Thrombosen bei Verschluss des Vorhofohrs unter doppelter Plättchenhemmung

Autor:
Philipp Grätzel

In einer kleinen Patientenkohorte der Universität Bonn entwickelten vier von 24 Patienten, deren linkes Vorhofohr mit dem Amplatzer Amulet-System verschlossen wurde, einen Thrombus. Reicht die doppelte Plättchenhemmung nicht aus?

Wie ein optimales Gerinnungsmanagement bei Patienten mit Vorhofflimmern nach einem Verschluss des linken Vorhofohrs aussehen sollte, ist weiter umstritten. Neue Daten liefert eine monozentrische Kohorte von 24 Patienten der Universität Bonn, über die Dr. Alexander Sedaghat in der Zeitschrift JACC Clinical Electrophysiology berichtet.

Bei allen Patienten wurde das Vorhofohr mit dem Amplatzer Amulet System von St. Jude verschlossen. 23 der 24 Patienten erhielten für drei Monate eine doppelte Plättchenhemmung (DAPT), lediglich einer entschied sich für eine orale Antikoagulation. Nach im Mittel elf Wochen wurde das Implantat per transösophagealem Echo kontrolliert. Dabei zeigte sich bei vier 4 der 23 Patienten, die initial eine DAPT-Gerinnungshemmung erhalten hatten, ein am Implantat adhärenter, klinisch asymptomatischer Thrombus. Bei einem dieser vier Patienten war die DAPT in der Zwischenzeit auf eine Clopidogrel-Monotherapie zurückgefahren worden, alle anderen waren zum Zeitpunkt des Echos noch doppelt plättchenhemmend behandelt.

Hinsichtlich der echokardiografischen Parameter gab es zwischen jenen Patienten, bei denen sich ein Thrombus entwickelt hatte und jenen, bei denen das nicht der Fall war, gewisse Unterschiede. Bei den Thrombus-Patienten zeigten sich häufiger spontane Echo-Signale im linken Vorhofohr, was auf einen imkompletten Verschluss hindeutet. Auch die maximale Entleerungsgeschwindigkeit („peak emptying velocity“) des linken Vorhofohrs war geringer, und die linksventrikuläre Ejektionsfraktion war häufiger eingeschränkt.

Die Autoren betonen, dass die Thrombusrate in ihrer Kohorte vergleichsweise hoch liege, in einer ähnlichen Größenordnung wie bei dem alten Amplatzer-Implantat. Gegenüber dem US-Kardiologieportal TCTMD betonte Dr. Jacquelin Saw von der Universität von British Columbia, Kanada, allerdings, dass die Raten in anderen Kohorten mit demselben Implantat deutlich niedriger gelegen hätten.

Vor dem Hintergrund ihrer Daten diskutieren die Bonner Kardiologen, ob die Patientenselektion und/oder die Strategien zur Gerinnungshemmung bei einem interventionellen Vorhofohrverschluss nicht optimiert werden sollten. Denkbar wäre zum Beispiel eine temporäre Vollantikoagulation, oder eine Kombination aus Plättchenhemmung und niedrig dosierten oralen Antikoagulanzien. Therapeutisch wurden bei den vier betroffenen Patienten jeweils Nicht-VKA-orale-Antikoagulanzien angesetzt, mit deren Hilfe die Thromben in allen Fällen nach sechs Wochen verschwunden waren.

Literatur

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