Skip to main content
main-content

30.11.2017 | Endokrinologie mit Diabetologie | Nachrichten

Risikofaktor für Tumorerkrankungen

Diabetes schadet nicht nur den Gefäßen

Autor:
Philipp Grätzel

Diabetes gilt als einer der größten Risikofaktoren für Herzinfarkt und andere atherosklerotische Gefäßerkrankungen. Aber nicht nur das: Jeder fünfzigste bösartige Tumor geht auf Diabetes zurück. Und jeder fünfundzwanzigste auf Übergewicht.

In der Kardiologie gilt der Diabetes hinsichtlich des Risikos, einen Herzinfarkt zu verursachen, als „KHK-Äquivalent“. In der Onkologie könnte er so langsam zum „Zigarettenäquivalent“ werden, zumindest in der Kombination mit Übergewicht. Fast 6 % aller neu auftretenden bösartigen Tumorerkrankungen gehen mittlerweile auf Diabetes und/oder Übergewicht zurück, schreiben Wissenschaftler vom Imperial College in London und von der International Agency for Research on Cancer (IARC) in der Zeitschrift Lancet Diabetes & Endocrinology.

Zwei Prozent aller neu aufgetretenen Krebserkrankungen weltweit im Jahr 2012 waren demnach eine Folge des Diabetes. Das entspricht 280.100 Patienten. Bei weiteren 3,9 % oder 544.300 Patienten war Übergewicht die Krebsursache. Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler um Dr. Jonathan Pearson-Stuttard vom Imperial College Die Inzidenzen von 12 Krebsformen in 175 Ländern zwischen 1980 und 2002 analysiert.

Methodisch ist die Arbeit eine Hochrechnung auf Basis des erhöhten Krebsrisikos bei Diabetes und/oder Übergewicht. Diabetes ist ein anerkannter Risikofaktor für kolorektale Karzinome, Pankreaskarzinome sowie für Karzinome von Leber, Gallenblase, Brust und Endometrium. Übergewicht ist assoziiert mit denselben Karzinomen, zusätzlich noch mit multiplem Myelom, Nierenkrebs, Schilddrüsenkrebs sowie Adenokarzinom des Ösophagus und der Cardia.

Die Wissenschaftler haben auch berechnet, wie sich die Zunahme der Inzidenz von Diabetes bzw. Übergewicht seit 1980 ausgewirkt hat. Wären Diabetes und Übergewicht heute noch so häufig wie im Jahr 1980, dann gäbe es pro Jahr 77.000 neue, diabetesbezogene Krebsdiagnosen und 174.400 neue, übergewichtsbezogene Krebsdiagnosen weniger. Anders formuliert: Durch den Anstieg von Diabetes bzw. Übergewicht stieg die Zahl diabetesbezogener Krebserkrankungen seit 1980 um ein Drittel und die Zahl der übergewichtsbezogenen Krebserkrankungen um knapp die Hälfte.

Das Ganze ist global nicht gleich verteilt. So waren in der Mongolei, in Kuwait und in Ägypten 9 % bis 14 % aller Krebserkrankungen im Jahr 2012 Folge von Diabetes oder Übergewicht. Das spiegelt die hohen Inzidenzen von Diabetes und Übergewicht in diesen Ländern wider. Die Zuwachsraten wiederum sind in Ländern südlich der Sahara und in Südostasien besonders hoch. In einem begleitenden Editorial fordert Dr. Graham Colditz von der Washington University stärkere Anstrengungen, um die vermeidbaren Risikofaktoren Diabetes und Übergewicht unter Kontrolle zu bekommen.

Literatur

Weiterführende Themen