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17.02.2017 | Endokrinologie mit Diabetologie | Nachrichten

Cholesterinstoffwechsel

Mediterrane Küche – ein Turbo für die HDL-Funktion?

Autor:
Philipp Grätzel

Die kardiovaskulären Effekte einer mediterranen Ernährungsweise könnten (auch) über eine Modifikation des HDL-Cholesterins vermittelt werden. Zumindest deutet eine Analyse im Kontext der PREDIMED-Studie in diese Richtung. Besonders günstig für die HDL-Funktion scheint Olivenöl zu sein.

Das HDL-Cholesterin gilt gemeinhin als das gute Cholesterin, das dazu beiträgt, dass das kardiovaskuläre Risiko sinkt. Statistisch gibt es in vielen Kohorten einen starken Zusammenhang zwischen hohem HDL und niedrigem kardiovaskulärem Risiko.

Ganz so einfach ist die Sache freilich nicht. So hat die reine, medikamentöse HDL-Erhöhung, sei es durch Niacin oder durch Hemmer des Cholesterinester-Transferproteins (CETP), in großen Studien nicht den gewünschten Effekt gebracht. Auch Genvarianten, die mit einer Erhöhung der HDL-Konzentration einhergehen, sind nicht automatisch mit einem niedrigeren kardiovaskulären Risiko assoziiert.

HDL-Funktion bei mediterraner Kost: Olivenöl schlägt Nüsse

Denkbar wäre demnach, dass es bei den kardioprotektiven Effekten des HDL auf mehr ankommt als auf die HDL-Menge. In diese Richtung deutet jetzt auch eine Analyse im Rahmen der PREDIMED-Studie.

PREDIMED war eine randomisierte Interventionsstudie zur mediterranen Ernährung mit über 7000 Patienten. Verglichen wurden zwei Arten der mediterranen Ernährung, eine mit Nüssen und eine mit Olivenöl angereichert sowie eine fettarme Standarddiät. Für die aktuelle Auswertung wurde eine Stichprobe von 296 Patienten ausgewählt, rund 100 aus jedem Studienarm. Spezifisch untersucht wurde, wie sich die HDL-Funktion im Laufe eines Jahres durch die jeweilige Diät veränderte.

Festmachen lässt sich diese HDL-Funktion unter anderem an der Fähigkeit des HDL, Cholesterin zu verestern, an der Aktivität des CETP und an der Cholesterineffluxkapazität, also an der Menge Cholesterin, die HDL im Rahmen des reversen Cholesterintransports aus extrahepatischen Geweben zurück zur Leber transportiert. Auch die antioxidative und die vasodilatatorische Wirkung des HDL lassen sich messen, genauso wie die Widerstandsfähigkeit von HDL gegen Oxidation.

Dabei zeigte sich, dass es in Abhängigkeit von der Ernährung auffällige Unterschiede bei der Entwicklung dieser Funktionsparameter gibt. Konkret erhöhten beide Varianten der mediterranen Kost den Abtransport des Cholesterins in die Leber im Vergleich zur fettarmen Standarddiät signifikant.

Nur die an Olivenöl reiche Kost erhöhte die Fähigkeit des HDL, Cholesterin zu verestern, und sie verringerte die Aktivität des CETP und damit die tendenziell atherogene Übertragung von Cholesterinestern auf LDL. Olivenöl verbesserte auch die vasodilatatorischen Kapazitäten des HDL signifikant.

Einflussfaktor Alkohol?

Insgesamt gebe es damit klare Hinweise, dass eine insbesondere olivenölreiche, mediterrane Kost die HDL-Funktion in einer Richtung verändere, die tendenziell günstig für das kardiovaskuläre Gesamtrisiko sei, so die Autoren. Vermittelt werden könnten die Funktionsveränderungen über eine Beeinflussung der Oxidation des HDL. Auch fanden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass sich die Zusammensetzung des HDL in Richtung eines höheren Anteils größerer HDL-Partikel ändert.

In einem begleitenden Editorial in der Zeitschrift Circulation weist Dr. Daniel Rader von der University of Pennsylvania auf die enorme Komplexität der HDL-Biologie hin und darauf, dass es zahlreiche andere Einflussfaktoren auf HDL gebe, die die Daten solcher Analysen verfälschen könnten. So seien Art und Menge des aufgenommenen Alkohols in der PREDIMED-Studie nicht durchgängig erfasst worden. Und in den Gruppen mit mediterraner Ernährung wurde den Teilnehmern nahegelegt, bevorzugt Rotwein zu trinken. Das ist deswegen problematisch, weil Alkohol und speziell Rotwein einen relativ starken Einfluss sowohl auf HDL-Konzentration als auch auf HDL-Funktion hat.

Literatur

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