Onlineartikel 09.03.2015

Erfolg der PCI: Wird Morphin zum Problem?

Intravenöse Opiate werden bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt nicht immer aber doch häufig eingesetzt. Kardiologen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) setzen hinter diese Praxis ein Fragezeichen.

Die Wissenschaftler um Dr. Suzanne de Waha und Professor Holger Thiele vom UKSH am Campus Lübeck führten bei 276 Patienten, die wegen eines akuten ST-Hebungsinfarkts innerhalb eines Zeitfensters von 12 Stunden einer perkutane Koronarintervention (PCI unterzoghen worden waren, jeweils drei Tage nach der Behandlung eine kardiale MRT-Untersuchung durch. Ausgewertet wurden unter anderem die Infarktgröße, die mikrovaskuläre Obstruktion und der Myocardial Salvage Index (MSI) als Ausdruck des Anteils an gerettetem Myokard.

Größere Infarkte

Die Ergebnisse der MRT-Untersuchung wurden korreliert mit dem Einsatz von intravenösem Morphin um zu klären, ob und wie sich die Morphintherapie auf den Erfolg der PCI auswirken könnte. 44,7% der Studienteilnehmer hatten in der Akutphase des Myokardinfarkts i.v. Morphin erhalten.

Diese Patienten zeigten im MRT im Mittel größere Infarkte, mehr mikrovaskuläre Obstruktion und einen geringeren MSI als die Patienten, die kein i.v. Morphin erhalten hatten. Die Unterschiede waren jeweils statistisch signifikant (p<0,05).

Prospektive Studien werden gefordert

Zu berücksichtigen sind allerdings einige Begleitfaktoren, die die Ergebnisse dieser nicht randomisierten Studie schwer interpretierbar machen. So unterschieden sich die Patienten, die i.v. Morphin erhalten hatten, von den Patienten ohne Morphintherapie in diversen Outcome-relevanten Parametern, darunter im TIMI-Fluss vor der PCI und auch in der Zeit zwischen Symptombeginn und Intervention.

In einer multivariaten logistischen Regression wurde für diese und andere Störgrößen adjustiert. Danach blieb i.v. Morphin zumindest als ein unabhängiger Prädiktor für einen unterdurchschnittlichen MSI bestehen. Patienten mit i.v. Morphin-Therapie hatten eine um 71% Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, einen MSI zu erreichen, der unterhalb des Medianwerts lag (OR 1,71; p=0,04).

Die Autoren halten ihre Ergebnisse für robust genug, um für randomisierte Studien zu plädieren, in denen der Effekt von IV Morphin auf den Interventionserfolg explizit untersucht wird.

Literatur

de Waha S et al. Intravenous morphine administration and reperfusion success in ST-elevation myocardial infarction: insights from cardiac magnetic resonance imaging. Clin Res Cardiol. Clin Res Cardiol. 2015 Mar 1. doi: 10.1007/s00392-015-0835-2