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08.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Herzinsuffizienz

Erhöhte Mortalität unter Digitalis auch bei ICD-Patienten

Autor:
Julia Erath, JWG-Universitätsklinikum, Frankfurt a.M.

Einige Studien lassen Zweifel an den Vorzügen von Digitalis in Kombination mit der Herzinsuffizienztherapie aufkommen. Es liegen sogar Hinweise auf eine erhöhte Mortalität unter Digitalis vor. Erstmals zeigten sich nun auch für ein Patientenkollektiv von ICD-Trägern Hinweise auf einen negativen Effekt von Digitalis auf die Sterblichkeit.

In einer retrospektiven Studie wurde ein großes Kollektiv von konsekutiven Patienten mit struktureller Herzerkrankung, die mit einem ICD versorgt wurden, hinsichtlich der Auswirkungen von Digitalis auf die Gesamtmortalität untersucht. Die Analyse umfasst 1020 Patienten, denen im Zeitraum von 1996 bis 2009 ein ICD implantiert wurde und die wir für maximal zehn Jahre (Median: 38 Monate) nachbeobachteten. 438 Patienten (43%) nahmen zum Zeitpunkt der ICD-Implantation Digitalis ein, wohingegen 582 (57%) dies nicht taten. Mit Digitalis therapierte Patienten waren im Mittel älter (63 Jahre), litten häufiger an Vorhofflimmern (p < 0,001) und hatten im Mittel eine schlechtere linksventrikuläre Pumpfunktion (LVEF = 26%; p < 0,001) sowie einen verlängerten QRS-Komplex > 120 ms (p < 0,001). Zudem litten sie häufiger an nicht kardialen Komorbidiäten wie Diabetes mellitus und chronischer Niereninsuffizienz (p < 0,001).

Fast doppelt so viel Todesfälle unter Digitalis

In der nicht adjustierten Analyse zeigte sich eine signifikant erhöhte Mortalität für diejenigen Patienten, die Digitalis einnahmen, verglichen mit den Patienten ohne diese Medikation (Hazard Ratio = 2,26; p = 0,001). In einer zweiten, adjustierten Kaplan-Meier-Analyse korrigierten wir die Daten auf das Vorhandensein von klinischen Variablen, die zu einer möglich erhöhten Mortalität beitragen könnten, wie Patientenalter, LVEF ≤ 35%, Vorhofflimmern, QRS-Dauer ≥ 120 ms, Diabetes mellitus, sowie ischämische versus nicht ischämische Kardiomyopathie. Auch nach dieser Adjustierung fand sich eine signifikant erhöhte Mortalität für Patienten mit Digitalis (HR = 1,79; p = 0,005).

Unsere Daten zeigen daher erstmals auch für ein Patientenkollektiv von ICD-Trägern Hinweise auf einen negativen Effekt von Digitalis auf die Sterblichkeit. Somit stehen sie im Einklang mit anderen jüngst veröffentlichten Befunden, die auf eine ähnlich gesteigerte Mortalität durch die Digitalis-Behandlung hinweisen.

Als mögliche Limitation unserer Untersuchung muss der retrospektive Charakter unserer Analyse genannt werden. Trotz sorgfältiger Adjustierung auf wichtige klinische Variablen ist ein residueller Bias nicht gänzlich auszuschließen. Unsere Daten verdeutlichen die Notwendigkeit einer sorgfältig kontrollierten klinischen Studie zum Nutzen von Digitalis bei ansonsten optimal behandelten Patienten mit struktureller Herzkrankheit. 

Literatur