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26.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Gefahren durch Bioprothesen

Erhöhtes Thromboserisiko bei Schweineklappen

Autor:
Dr. med. Nikolaus Jander

Nach der Implantation von Bioprothesen in Aortenklappenposition treten überraschend viele obstruierende Thrombosen auf, wie eine in Bad Krozingen durchgeführte Studie zeigt.

Bisher gab es nur wenig Information über die Inzidenz einer Beeinträchtigung der Prothesenfunktion durch eine Thrombosierung von Schweineklappen.

Nachdem wir einzelne Fälle beobachtet hatten, haben wir systematisch die Daten aller Patienten analysiert, die in unserem Zentrum zwischen 2007 und 2012 eine Bioprothese in Aortenklappenposition bekommen haben. Wir identifizierten 1751 Patienten (mittleres Alter: 75 Jahre), die eine Bioprothese in Aortenklappenposition bekommen hatten. Bei 29 Prozent erfolgte gleichzeitig eine Bypassoperation. 1003 Patienten erhielten eine Rinderperikardklappe, 748 eine Schweineklappe. Es wurden sechs Klappentypen verwendet (zwei Schweineklappen-, vier Rinderperikardklappentypen).

Thrombosen ein Jahr nach der Op entdeckt

16 Patienten entwickelten eine obstruierende Thrombosierung, die im Schnitt 354 Tage nach der Operation entdeckt wurde. Alle diese Patienten hatten eine Schweineklappe erhalten. Die Inzidenz betrug für beide verwendeten Schweineklappentypen zwei Prozent. Die Diagnose erfolgte in allen Fällen durch den echokardiografischen Verlauf der Flussparameter im linksventrikulären Ausflusstrakt und über der Klappenprothese. Der mittlere Druckgradient über der Prothese stieg von im Mittel 22 mmHg postoperativ auf 53 mmHg. Bei acht von elf Patienten bestätigte die transösophageale Echokardiografie die Diagnose. Bei sechs jüngeren Patienten kam die hochauflösende Computertomografie zum Einsatz, die den morphologischen Befund am besten zur Darstellung bringt (Abbildungen 1 und 2).

Zwei instabile Patienten mussten reoperiert werden. Die Histologie zeigte hierbei eine chronische Thrombose. Alle übrigen 14 Patienten konnten durch eine dreimonatige Behandlung mit einer oralen Antikoagulation erfolgreich therapiert werden, sodass der mittlere Druckgradient nach der Therapie wieder auf den Ausgangswert (im Mittel 22 mmHg) zurückging.

Obstruierende Thrombosen bei 2% der Patienten

Die Inzidenz obstruierender Thrombosen im frühen Verlauf nach Aortenklappenersatz mit Schweineklappen ist mit zwei Prozent relativ hoch. Diese Komplikation verdient größere Aufmerksamkeit, da ein Großteil der betroffenen Patienten erfolgreich durch eine orale Antikoagulation therapiert werden kann.

Nikolaus Jander präsentierte diese Ergebnisse am Freitag, 25. April 2014, um 12 Uhr in Saal 13.

Literatur
Bildnachweise